Seehausen l Zweimal täglich zieht die drahtige Seniorin, die ihre Brötchen früher als Verkäuferin und Telefonistin im Diakoniekrankenhaus verdient hat, bei Wind und Wetter und auch an Sonn- sowie Feiertagen mit einem kleinen Handwagen los, um die Katzen mit Futter, bei Bedarf aber auch mit Medikamenten zu versorgen.

Zu ihren Stationen zählen unter anderem die Stadtmauer an der Fabrikstraße, die Straße Am Kaland, die Gartenstraße oder die Touristinfo am Umfluter. Überall wird sie von ihren vierbeinigen Zöglingen erwartet. 43 zählt die 77-jährige Unruheständlerin derzeit.

Auf die Katze ist sie gekommen, als ihr 2002 das erste Exemplar zulief und sie auf die Situation der Tiere in Seehausen aufmerksam wurde. Als sie 2005 Rentnerin wurde, nahm sie sich dann mehr Zeit für die Streuner, die früher oft ein Zuhause hatten und sich zum Ärger vieler Zeitgenossen meist unkontrolliert vermehren.

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Von vielen Seehäusern wird sie liebevoll Katzenoma genannt, andere schütteln über das Engagement verständnislos den Kopf. Dabei füttert Margot Schulze die Katzen nicht nur zum Selbstzweck, sondern auch, um sie nicht völlig verwildern zu lassen. Denn Zutrauen ist wichtig, wenn die Tiere wegen Krankheiten behandelt werden müssen oder kastriert werden sollen. So konnte die Seniorin in diesem Jahr schon dafür sorgen, das sechs weibliche Tiere keine Jungen mehr in die Welt setzen und auch sonst mit veterinärfachlicher Unterstützung so manches Leid lindern.

Das alles macht sie auf eigene Kosten. Allein für das Futter gibt sie pro Monat rund 300 Euro aus. Mehr verrät die gut gelaunte Dame nicht. Aber Stadträtin Susanne Bohlander (Bündnis-Grüne) weiß, dass die Kastration einer weiblichen Katze im günstigsten Fall um die 90 Euro kostet.

Sie besuchte die Katzenoma gestern mit ihrer Fraktionskollegin Kathrin Beier (Linke), um der Seniorin ein paar Dosen Futter, eine kleine Aufmerksamkeit (süße Katzenzungen) und 300 Euro zu spenden. Dabei dankten die beiden Kommunalpolitikerinnen Margot Schulze für ihren uneigennützigen Einsatz und bekräftigen, dass sie für ihren Antrag, im nächsten Stadthaushalt 1000 bis 1500 Euro für die Katzen-sterilisierung einzuplanen, kämpfen wollen. Zumal Tierschutz eine Pflichtaufgabe der Gemeinde sei. Und die Katzen-oma bestätigte, dass das Sterilisieren seine Wirkung nicht verfehle. Denn sonst würden noch vielmehr der Tiere durch Seehausen streunen.