Goldbeck l Bis zum 18. März müssen die Bewerbungen für alle acht Gemeinderäte und den Verbandsgemeinderat von Arneburg-Goldbeck abgegeben sein. Nach fast 25 Jahren im Goldbecker Gemeinderat wäre es für Hannelotte Bel­seck  (68) ein Leichtes, die Unterlagen zusammen zu suchen. Sie könnte einmal mehr für Die Linke als ihre „ideologische Heimat“ im Gremium sitzen, würde wohl wie immer ordentlich Stimmen kassieren, aber Hannelotte Belseck will nicht mehr. „Jetzt können mal andere ran“, sagte sie gestern in ihrer Goldbecker Wohnung. Und nochmal mit Nachdruck: „Ich bin eine Belseck. Wenn ich Nein sage, sage ich Nein.“ Diese Entscheidung ist also getroffen. Warum? Wohl auch, weil Hannelotte Belseck so etwas wie einen Generationenwechsel ermöglichen möchte. „Das ist ja nicht mehr wie im Politbüro. Mich müssen sie nicht im Rollstuhl rausfahren. Ich hänge nicht an meinem Amt.“ Dem Amt als Goldbecker Gemeinderatsmitglied, dem Amt als Mitglied des KUSO-Ausschusses, dem Amt als stellvertretende Bürgermeisterin.

Hannelotte Belseck ist Ur-Goldbeckerin. Sie arbeitete als Unterstufenlehrerin in Lück­stedt, als Sekretär für Sozialpolitik beim FDGB-Kreisvorstand Osterburg und nach der Wende im Bertkower Kindergarten. Die Mutter einer Tochter und Oma eines Enkelkindes weiß aber auch, wie es sich anfühlt, arbeitslos zu sein. Davon ab war für sie nach der Wende schnell klar, dass sie, die auch zu DDR-Zeiten schon in kommunalpolitischen Gremien saß, Goldbecks Zukunft mitgestalten möchte. So kam sie 1994 in den Gemeinderat, der auch für sie mit der späteren Konsolidierung eine „wirklich schlimme Zeit“ bereithielt. „Wir mussten den Bürgern sagen, wir haben kein Geld für eine neue Parkbank. Wir mussten jeden Pfennig dreimal umdrehen. Das war nicht schön.“

Dass nun der Grundschulneubau ansteht, die Sanierung der Sporthalle geplant ist und die Sekundarschule erneuert werden soll, sieht Hannelotte Belseck als großes Glück. „Wenn das alles so wird, wunderbar.“ Aber Hannelotte Belseck, die auch seit bald 24 Jahren Leiterin der Goldbecker Ortsgruppe der Volkssolidarität ist, weiß auch, was die Kommune schmerzt: „Wir haben keinen Arzt mehr und keine Apotheke mehr, das ist richtig schlimm.“ Aber an derlei Themen sollen sich künftig andere abarbeiten. Hannelotte Belseck möchte auch nicht als sachkundige Einwohnerin in Ausschüssen mitwirken. „Dann könnte ich wieder nicht Nein sagen, wenn Hilfe gebraucht wird.“ Nein, die Goldbeckerin habe auf kommunalpolitischer Bühne genug getanzt, war auch mit an vorderster Front, als das Projekt Zuckerhalle angeschoben wurde, war gar Gründungsmitglied des neu gegründeten Zuckerhallen-Vereins, trat aber wieder aus. „Ich dachte, es geht darin mehr um das Erinnern an die Zuckerfabrik, nicht so sehr darum, Geld mit Veranstaltungen zu machen.“ Eine Generationenfrage? „Kann sein.“ Aber Hannelotte Belseck wäre nicht Hannelotte Belseck, wenn sie mit dem „Zuckerzimmer“ im Schützenhaus dem Wunsch nach Bewahren der Zuckergeschichte nicht längst Rechnung getragen hätte. Sie war es nicht allein, aber Hannelotte Belseck geht oft vorneweg, übernimmt Verantwortung. Sie ist ein entscheidungsfreudiger Mensch, „das Wankelmütige kann ich nicht so ab“. Wenn‘s los geht, geht‘s los. Schon 110 mal stieg Hannelotte Belseck zum Verreisen in ein Flugzeug. Als Reiseleiterin gar, aber auch allein. Kaukasus, Masuren, Türkei, Spanien, Kroatien, Tunesien... Mexiko, das wäre noch so ein Traumziel, aber heutzutage?

Hannelotte Belseck verlässt die Kommunalpolitik, aber nicht Goldbeck. Sie ist weiterhin auch für die Senioren da, aber möchte sich auch Zeit für sich nehmen. Für den Garten, für ihre ganzen Handarbeiten, zum Lesen (gerne Thriller!), für die Familie. „Meinetwegen könnte der Tag noch mehr Stunden haben.“ Es ist ganz davon auszugehen, dass das auch ohne Kommunalpolitik so bleiben wird.