Zuckerhalle

Kunst an der Durchreiche

Die Zuckerhalle Goldbeck hat eine feste Bühne. Etwa 15 Quadratmeter misst das neue Mobiliar an der Durchreiche des ehemaligen Speisesaals.

Von Karina Hoppe

Goldbeck l So eine Bühne hat‘s in sich. Jedenfalls eine Bühne, die aufgebaut wird, wo regelmäßig öffentliche Veranstaltungen stattfinden sollen. „Das mussten alles feuerfeste Materialien sein“, sagt Torsten Dobberkau als Goldbecks Bürgermeister. Nun, das Kunststück ist vollbracht. Binnen dreier Arbeitseinsätze entstanden an der Durchreiche des ehemaligen Speisesaals der Zuckerhalle jene Bretter, die die Welt bedeuten. Immerhin weiht tatsächlich ein Mann vom Theater sie ein: an diesem Freitag, 16. Juni, hat Stendals Intendant Alexander Netschajew seinen Auftritt im „Balladenabend“.

100 Euro für den Vorhang, 250 Euro für das feuerfeste Linoleum, das war‘s an Kosten. Der Rest an Materialien wurde von örtlichen Unternehmen gesponsert, auch die Arbeitsleistung basierte auf ehrenamtlichem Einsatz. „Es ist wirklich eine tolle Erfahrung, zu sehen, wir die Leute mitziehen“, sagt Dobberkau.

Die Bühne ist 60 Zentimeter hoch. So können Kinder nach wie vor herunterhüpfen, andererseits sei gewährleistet, dass hinten im Saal sitzende Zuschauer noch gut was sehen. „Das haben wir uns so ausprobiert.“ Die Bühne hat seitlich einen Aufgang und einen weiteren über die ehemalige Durchreiche in die alte Küche, wo man sich umziehen oder sonstwie für den Auftritt vorbereiten kann. Beide Treppenteile stammen von einer Treppe aus einem Goldbecker Abrisshaus, das habe sich spontan so ergeben.

Eine mobile Treppe anderer Art ist überdies für einen frontalen Aufstieg vorgesehen. Und einen (feuerfesten) Vorhang gibt‘s natürlich auch. Er misst drei mal sechs Meter und wird direkt an der Wand hängen, den alten Küchenraum von der Bühne abtrennen. „Der Stoff ist schwarz, dann hebt sich das Geschehen auf der Bühne gut ab“, so Dobberkau. Ganz genau handele es sich um „schwarzen Bühnenmolton“.

Bis dato hat die Gemeinde für öffentliche Veranstaltungen immer Ausnahmegenehmigungen erhalten. Das soll sich ändern. „Es ist ein Umnutzungsantrag in Vorbereitung“, so Dobberkau.

Dass ausgerechnet Stendals Theaterintendant die Bühne einweiht, sei eine Ehre. Netschajew beschert den Goldbeckern einen Balladenabend unter dem Titel „Was wolltest du mit dem Dolche, sprich‘!“, was eine Zeile aus Schillers „Bürgschaft“ ist. Das Publikum kann sich auf wortgewaltige Balladen von Goethe, Hebbel, Chamisso, Fontane, Brecht, Kästner, Ringelnatz und Michael Ende freuen. „Von schaurigen Gespensterballaden über romantische und heitere Balladen, bis zu Balladen, die so spannend sind, dass einem der Atem stockt“, heißt es in der Ankündigung.

KARTEN: Die Veranstaltung am Freitag, 16. Juni, beginnt um 19 Uhr. Wer Karten reserviert hat, möge diese bitte jetzt abholen. Es gibt noch einige Restkarten (15 Euro), ebenso erhältlich bei Torsten Dobberkau unter Telefon 0172/521 81 52.