Krumke l Mindestens fünfmal im Jahr kommt Jörn Birkenstock in die Altmark. Er macht dann Quartier in Kläden und erkundet von dort aus die Dörfer und Städte. „Ich genieße die Ruhe und die Landschaften“, erzählt er bei einem gemeinsamen Abstecher mit Sohn Jan Fiete nach Krumke. Erste Erfahrungen mit den östlichen Bundesländern machte Birkenstock kurz nach der Wende. „An diese erste längere Fahrt in die damals noch existierende DDR kann ich mich noch genau erinnern. Das müsste im März 1990 gewesen sein, die Grenzer standen noch an den Übergangspunkten. Wir waren damals in Mühlhausen und sind über‘s Land durch das Eichsfeld gefahren, um dann in Witzenhausen wieder über die Grenze zu machen“. Er sei damals vom „vorherrschenden Farbton Grau in wirklich allen Schattierungen“ erschrocken gewesen. „Die Häuser grau, Wiesen grau, die Bäume grau, die Menschen grau, die Autos grau...“, zählt der Kasseler auf.

„1997 haben wir mit unserem damals acht Monate alten älteren Sohn einen Urlaub in Oberhof erlebt. Da konnte man schon die Entwicklung sehen. Seitdem hat es uns zum Urlaub immer wieder in das Gebiet der ehemaligen DDR gezogen, ganz egal ob in Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern oder Sachsen-Anhalt. Meine Frau und ich, wir sind beide der Meinung, dass es dort viel schöner ist, als in den alten Bundesländern, da viele Städte noch in ihrer Ursprünglichkeit erhalten sind und die Plattenbauten, die es übrigens auch im Westen ganz oft gab und noch gibt, um die alten Stadtkerne herum gebaut wurden. Im Westen wurde dagegen alles, was nicht bei drei auf den Bäumen war, abgerissen und durch Betonklötze ersetzt.“

Im Dezember 2014 weckte schließlich eine Fernsehsendung im MDR das Interesse an der Altmark. In dieser war Moderator Axel Bulthaupt innerhalb seiner Reihe „Sagenhaft“ durch die Region gereist. „In Tangermünde gab es Kuhschwanzbier, Schweineohren und viele Informationen. Spannendes zum Pferdewohnwagenfahren, ein Besuch bei Fischer Kagel in Arendsee, Panzerfahren in Seehausen oder die selbstgebackenen Torten im Kavaliershaus in Krumke“, zählt Birkenstock schmunzelnd auf. Neugierig geworden, nahm der Hesse Kontakt zum Tourismusverband Altmark auf.

Die damalige Geschäftsführerin Mandy Hodum schickte Prospekte und auch eine Liste mit Pensionen. Im „Storchennest“ in Kläden rief er an. Und telefonierte 90 Minuten mit einer bis dahin für ihn völlig fremden Frau. „Hier passiert was“, habe er sich gesagt. Im Mai 2015 kam er das erste Mal in die Altmark, schon im Juni folgte der zweite Besuch. Mit den Kinder wurde von Kläden aus die Altmark erkundigt. Seitdem kommt er regelmäßig. „Warum bin ich so in die Altmark verknallt?“, fragt sich Jörn Birkenstock. „Weil es eine tolle Landschaft mit netten Leuten, wunderschönen Städten ist und man zur Ruhe kommen kann. Diese Kombination gibt es definitiv so nur in der Altmark. Hier hat auch die frühere Hymne der DDR ihre Berechtigung. Auferstanden aus Ruinen... stehen viele Städte wieder strahlend da. Nicht umsonst ist Tangermünde in einer Umfrage zur schönsten Kleinstadt Deutschlands gewählt worden“, findet der Hesse selbst eine Antwort.

Seine Erfahrungen teilt Birkenstock gern mit Anderen und so sind es inzwischen schon einige Kasseler, die er in die Altmark gebracht hat. Oft werde er auch angesprochen. Schließlich zieren Aufkleber von Osterburg, Stendal, Tangermünde, Salzwedel, der Wische, Gardelegen, Klötze, Havelberg und Arneburg sein Auto. Sogar von Bismark. „Kein Mensch wusste, dass es auch einen Aufkleber von dieser Stadt gibt. Aber Manni Herr aus Bismark hat ihn besorgt“, erzählt er.

Für Freitag, 23. August, Hat Birkenstock seine bislang größte Aktion auf dem Zettel. An diesem Tag wollen sich 57 Nordhessen um 13 Uhr vor dem Roland in Stendal treffen. Aufgeteilt in mehreren Gruppen, sind Führungen durch die Rolandstadt geplant. Tangermünde soll besucht werden, eine gemeinsame Feier ist angedacht. Und am Sonntag geht es nach Arendsee zum Fischer Kagel.Da werden den Nordhessen die Maränen serviert, erzählt Birkenstock über ein Programm, dass Lust auf die Altmark machen soll. „Wenn nur die Hälfte von ihnen diese Aktion als Ansporn sieht, die Altmark später nochmals aufzusuchen, dann habe ich mein Ziel erreicht“, fügt er hinzu.

Es müsse ja nicht gleich so werden wie bei ihm, gibt er lächelnd zu verstehen. Aber seine Frau merke es inzwischen schon an seinem Verhalten, wenn es nach einer gewissen Zeit wieder zu jucken beginne. „Dann weiß sie, dass es mich wieder in die Altmark zieht.“