Osterburg l 2013/14 grunderneuert und kurze Zeit später mit einem Fassadenbild des Stendaler Künstlers Michael Braune aufgehübscht, zieht das markante Lies-Haus am nördlichen Eingang zur Innenstadt die Blicke auf sich. Doch der „Hingucker“ steht leer. Seit dem Abschluss der kostenaufwendigen Notsicherungsarbeiten müht sich die Einheitsgemeinde erfolglos, für das Gebäude einen neuen Besitzer zu finden. Es wurde ausgeschrieben, auf Auktionen angeboten, dabei rückte die Stadt sogar vom vorher festgelegten Mindestpreis von 111 700 Euro ab. Vergeblich: Lediglich „ein paar lockere Anfragen“, hat Bürgermeister Nico Schulz in den zurückliegenden Jahren registriert. Doch das Interesse habe sich in keinem einzigen Fall konkretisiert, bedauert er. Schulz glaubt, den Grund zu kennen, warum potenzielle Käufer auf Distanz bleiben. „Das Lies-Haus verfügt über kein angrenzendes Grundstück.“ Ein Makel, an dem sich auch nichts ändern dürfte. Denn die einzig denkbare Fläche, die dem Haus zugeschlagen werden könnte, wurde von der Einheitsgemeinde als Parkplatz ausgebaut. „Und diese Stellflächen wollen wir unbedingt erhalten“, stellt der Bürgermeister klar.

Deshalb werde sich auch nichts daran ändern, dass das Gebäude ohne angrenzendes Grundstück bleibt. Das fehlende Stückchen Land drumherum sei aber noch nicht einmal das einzige Problem, führt der Bürgermeister auch fi­nanzielle Aspekte ins Feld. Denn zwar mache das in den Jahren 2013/14 von der Einheitsgemeinde erneuerte Lies-Haus äußerlich einen sehr guten Eindruck. Doch die dank eines Förderprogramm mehr als 300 000 Euro, die Osterburg in die Rettung des Gebäudes investieren konnte, flossen ausschließlich in die Außenhülle des Lies-Hauses. „Im Inneren befindet es sich faktisch noch im Rohbauzustand. Ein neuer Besitzer müsste also noch viel Geld in die Hand nehmen, bevor er das Gebäude so wie von ihm gewünscht nutzen kann“, sagt Nico Schulz.

Trotz dieser Schwierigkeiten, die Privatinteressenten von einem Erwerb der Immobilie abhalten, hat Osterburgs Bürgermeister für das Gebäude keinen „Plan B“ in der Tasche. An eine eigene Nutzung des Lies-Hauses durch die Einheitsgemeinde sei aus seiner Sicht jedenfalls nicht zu denken. Klare Absicht sei es stattdessen weiterhin, „dass wir das Lies-Haus verkaufen“, macht der Osterburger Bürgermeister deutlich.