Osterburg l Nanu, was steht denn da im Schaufenster? Das fragen sich derzeit Passanten, wenn sie in Osterburg am früheren Laden von Anglmayer vorbeischlendern. Sie erblicken Bild neben Bild, darauf viele Farben und viele Formen. Ganz klar, hier hat jemand seine Liebe fürs Abstrakte entdeckt! Es ist Uschi Herrmann (70) aus Osterburg und sie ist nicht weniger als verrückt nach ihrem neuen Hobby: der so genannten Acryl-Gießtechnik.

Die Algorithmen halfen

Im Internet war sie darauf gestoßen, ganz genau auf der Online-Plattform „Pinterest“. Ein Video angeklickt, das zweite Video angeschaut, „und dann werden einem ja die nächsten schon durch die Algorithmen vorgeschlagen“. Uschi Herrmann ließ es sich gefallen und kam bald nicht mehr von der eigenartigen Technik los, es juckte ihr selbst in den Fingern. Seit zwei Jahren tüftelt sie daran, entdeckt immer neue Kniffe. Dabei ist das Grundprinzip immer das gleiche: Man nehme eine einfarbig bemalte Leinwand, schütte nacheinander Acrylfarben in einen Becher, füge bestimmte Zutaten wie Acrylbinder und Silikonöl dazu, gieße die Masse auf die liegende Leinwand und bewege hiernach das Bild vorsichtig so, wie es einem gerade gefällt. Das Bild malt sich dann quasi von alleine. Zum Schluss halte man einen Brenner über das Farb- und Formenspiel. „Das muss sein, damit die Luftbläschen alle rausgehen.“

Den Becher leicht schwenken

Man kann die Farben, die sich nicht vermischen dürfen, auch im Becher schon leicht schwenken. Mit der Zeit bekommt man heraus, wie welcher Effekt entsteht, „aber wirklichen Einfluß hat man am Ende doch bloß auf die Farbwahl“, erklärt Uschi Herrmann. Genau das sei es aber auch, was die Faszination für die Osterburgerin ausmacht: Jedes Bild ist ein Abenteuer, unbedingt mit Nervenkitzel verbunden. Die Farben und Formen sind Goldstaub für die Phantasie.

Bilder

Früher im Außendienst

Dass Uschi Herrmann in ihrem Alter nochmal Feuer für ein ganz neues Hobby fängt, hätte sie nicht gedacht. Die Malerei kam zufällig in ihr Leben, „ich hatte damit vorher gar nichts zu tun“. Uschi Herrmann arbeitete früher viele Jahre bundesweit im Außendienst für Drogerie- und Kosmetikartikel, ist seit sieben Jahren Rentnerin. Jetzt hat sie eine neue Leidenschaft, aber sie muss sich bremsen. „Die Farben sind teuer und irgendwo müssen die ganzen Bilder ja auch hin“. Die Osterburgerin hätte jedenfalls nichts dagegen, wenn sich Liebhaber finden und sie einige verkaufen könnte.

Ob man die Farbe von einer Seite auf das Bild schüttet oder von mehreren oder direkt in die Mitte – das alles ergibt verschiedene Effekte. So oder so dürfe die Farbe nie zu dick aufgetragen werden, „dann reißt sie“. Uschi Herrmann hat ihre Erfahrungen gemacht, wischt auch mal mit einem Küchentuch über die frische Farbe. Im Internet gibt es viele Tipps und Tricks gratis. „Und das Schönste ist, dass ich bei allem nicht so genau sein muss.“ Ein Blume malen? Nein, das wäre nicht Uschi Herrmanns Ding. „Ich bin für das Abstrakte.“ Die Algorithmen des Internets hätten ihr wirklich einen guten Dienst erwiesen.