Mit Studie

Nahversorgung auf Dörfern neu erfinden

Wie regionale Kreisläufe um Osterburg und Seehausen durch innovative Logistik gestärkt werden können, soll eine Studie zeigen.

Seehausen l Vor gut einem halben Jahr haben die Verbandsgemeinde Seehausen und die Einheitsgemeinde Osterburg fristgemäß mit einer sogenannten Projekt-Skizze auf einen Aufruf des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft reagiert, der nach innovativen Ideen für die künftige Nahversorgung auf dem Land sucht. Jetzt sind die Kommunen aufgefordert worden, einen Fördermittelantrag einzureichen. Darüber informierte Verbandsgemeindebürgermeister Rüdiger Kloth (Freie Wähler). Und sieht mit der Aufforderung, detaillierter zuzuarbeiten, gute Chancen in das Programm zur Sicherung von Teilhabe und Daseinsvorsorge im ländlichen Raum zu rutschen.

Mit Hilfe der Zuschüsse – in dem Fall geht es inklusive des 20-prozentigen Eigenanteils um eine Summe von rund 36 000 Euro – soll quasi eine Machbarkeitsstudie zu Papier gebracht werden, wie die innovative Versorgung auf dem Land künftig gestaltet werden kann, wenn der gute alte Dorfkonsum aufgegeben wurde, was ja inzwischen in den meisten Dörfern der Fall ist.

Wobei nicht nur ältere oder sonst in ihrer Mobilität eingeschränkte Leute im Fokus stehen, sondern auch junge Familien, bei denen die Zeit zum Einkaufen zum Beispiel wegen der Berufstätigkeit der Eltern knapp bemessen ist. Und es geht auch nicht nur darum, Kühlschränke oder Speisekammern zu füllen. Es sollen alle möglichen Waren, die Händler, Erzeuger und Veredler in der Region feilbieten, den Weg selbst in abgelegene Orte finden, wo sonst nur noch Amazon & Co. hinliefern. Das Projekt, so es denn machbar ist, würde demnach das Landleben wieder attraktiver gestalten, damit die Wirtschaft vor Ort samt regionalen Keisläufen stärken und im Idealfall den langen Trend zur Urbanisierung vielleicht wieder umkehren helfen. Darüber, wie die Ideen mit einem späteren Projekt in die Praxis umgesetzt werden könnten, hat die Seehäuser Wirtschaftsförderin Lisa Weigelt bereits Vorstellungen.

Und sie weist darauf hin, dass das Rad zum Teil nicht einmal neu erfunden werden müsste, weil auch kleine Dörfer schon jetzt regelmäßig durch Dienstleister von Bäckern, Fleischern über das Minilädchen bis zu Friseuren, Kurieren, Lieferdiensten und dergleichen mehr angefahren werden. Mitunter wäre es nur eine Koordinationsfrage, um Artikel, die sich der Kunde zum Beispiel via Internet beim Hersteller oder Händler seines Vertrauens aussucht, auf Reisen zu schicken.

Dass die Lieferung bis an die Haustür erfolgt, wäre etwas viel verlangt. Aber denkbar wäre, in den Dörfern vorhandene Räumlichkeiten zu nutzen oder eine Packstation nach dem Vorbild des Paket- und Brief-Express-Dienstes DHL zu bauen, wo die Kunden ihre Sachen – idealerweise bei Bedarf auch gekühlt – auf dem Nach-Hause-Weg abholen können. Die Benachrichtigung über die Lieferung und den Zugang zu den Waren zu regeln, dürfte im digitalen Zeitalter das kleinste Problem sein, deutet Lisa Weigelt zum Beispiel mit Blick auf die Entwicklung einer eigenen App für das Smartphone und andere technische Möglichkeiten an.

Aber so weit sei man noch nicht, bremst die Wirtschaftsförderin zu große Euphorie. Im ersten Schritt gehe es erst einmal darum, ein mögliches Konzept zu erarbeiten und dabei logistische Möglichkeiten zu erarbeiten, aber auch den Bedarf für so einen Service auszuloten. Womit vor allem bei Letzterem klar ist, dass die Bevölkerung in dem Zusammenhang auch befragt werden soll.

Wo sich Seehausen und Osterburg am Ende professionelle Hilfe holen, würde im Bedarfsfall eine Ausschreibung entscheiden. Bei der Projektskizze hatten die beiden Kommunen die Hochschule Harz und die Konsumgenossenschaft Seehausen mit im Boot. Der eine steht für den wissenschaftlichen Hintergrund der Studie, der andere kennt sich mit den Bedürfnissen der ländlichen Bevölkerung vor Ort aus.