Osterburg l Der Discounter Norma will seinen heutigen Standort an der Ballerstedter Straße verlassen und an der Krumker Straße neu bauen. Zwar mit einer größeren Verkaufsfläche, aber mit ausschließlich dem gleichen Sortiment wie bisher, wie der Discounter verlauten lässt. Und dennoch gibt es am neuen Norma mehr, weil ein Fleischer und ein Bäcker dort ihre Waren anbieten werden. Am heutigen Standort des Discounters herrscht diesbezüglich Fehlanzeige. Was dieses „Mehr“ in der Innenstadt anrichten könnte, erfüllt Anett Hoppe mit Sorge. Aus Gesprächen in Fachgeschäften entlang der Haupteinkaufsstraße weiß die Krumkerin um die dort herrschende Befürchtung, von den Discountern am Stadtrand verdrängt zu werden, weil Kunden in und an den Märkten immer mehr ihrer Einkäufe erledigen können, ohne noch in die Innenstadt zu fahren. Zudem liege die Markt-Verkaufsfläche pro Einwohner in Osterburg schon jetzt, noch vor der Umsetzung der Norma-Pläne, über dem Bundesdurchschnitt. Und Norma sei nicht der einzige Anbieter, der sich erweitern möchte, verweist Hoppe auf die Aldi-Umzugspläne Richtung Bismarker Straße sowie die Absicht von Lidl, sich am heutigen Standort (ebenfalls Bismarker Straße) auszudehnen. Also noch mehr Marktflächen, obwohl die Bevölkerung weiter schrumpfe und damit einhergehend die Kaufkraft sinke, schüttelt Anett Hoppe den Kopf. Um der Kritik an dem weiteren Wachsen der Discounter mehr Gewicht zu verleihen, startete sie eine als „Initiative für eine regio­nale und faire Verkaufskultur in der Hansestadt Osterburg“ betitelte Unterschriftenaktion. In dieser wird die Einstellung der Planung für den Norma-Discounter im Osterburger Norden gefordert, eine Vergrößerung der Discounter-Verkaufsflächen in der Stadt abgelehnt und für die Förderung des Verkaufs regional produzierter Waren plädiert. Die Sammlung lief über drei Tage, 210 Einwohner unterzeichneten.

Anett Hoppe übergab die Sammlung am Donnerstag an Nico Schulz. Dabei stellte der Bürgermeister klar, dass er die Befürchtungen der Krumkerin nicht teilt. Eine von der Stadt in Auftrag gegebene Wirkungsanalyse eines Leipziger Fach­büros prognostiziere, dass der Haupteinkaufsstraße durch den Norma-Umzug nur marginale Ver­änderungen ins Haus stehen sollen. Auf das Lebensmittelhandwerk in der Innenstadt würde sich der neue Norma-Standort sogar so gut wie gar nicht auswirken, gab er die Einschätzung der Analyse wieder. Schulz erinnerte auch daran, dass im Norden lebende Einwohner schon seit Jahrzehnten einen Markt in ihrem Quartier fordern. „Diesen Wunsch kenne ich, seitdem ich in der Kommunalpolitik bin.“ Mit dem neuen Standort hätten Einrichtungen wie die Landessportschule und das Altenpflegeheim sowie die aktuell etwa 700 Einwohner des Quartiers künftig einen Discounter in ihrer Nähe. Und der Stadtteil soll noch wachsen. Laut Schulz plant die Kommune, im Norden Flächen für rund 100 neue Wohnhäuser auszuweisen.

Generell zeigte sich Schulz überzeugt, dass alle in Osterburg, und damit auch die Innenstadt, von attraktiven Einkaufsmärkten profitieren. Die Discounter würden Menschen aus dem Umland nach Osterburg ziehen. Und unter diesen Kunden gebe es viele, die einen Abstecher an die Breite Straße und ihre Umgebung unternehmen. Wer dagegen an der Biesestadt vorbeifährt, um Märkte in anderen Orten anzusteuern, gehe der Osterburger Einkaufsstraße auf jeden Fall verloren.

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