Osterburg l Unter dem Motto „Slampoetry trifft Arbeiter- & Bauernstaat“ haben die Literatur-Aktivisten Dominik Bartels und Jörg Schwedler am Sonnabend das Publikum auf dem Saal der Osterburger Stadtverwaltung begeistert. Doch bevor ihre „Ultimative Ossilesung“ im Rahmen der Osterburger Literaturtage vor ausverkauftem Haus begann, wurde jedem Gast ein „Pfeffi“ und damit das Kultgetränk der DDR angeboten. 117 vertilgte Schnäpse bei 120 anwesenden Gästen – das gab ein Lob für eine gute „Pfeffi“-Quote der Biesestädter, womit die Herren schon mitten im Programm waren. Denn Alkohol wurde ja zu sozialistischen Zeiten im Allgemeinen groß geschrieben. Kumpeltod, Erichs Rache oder Blauer Würger waren nur einige der genannten Getränke. „Das wurde damals alles fein säuberlich in den Kategorien Brauner, Klarer und Likörchen aufgeteilt“, erzählte Jörg Schwedler. Laut einer „Studie“ hätten die DDR-Bürger pro Kopf und Jahr unter anderem 23 Flaschen harten Alkohol konsumiert – „der DDR-Bürger schnäpselte halt gerne und hat sich so manches in dem Staat schön getrunken“. Ganz besonders schön und vor allem amüsant war auch die Vorstellung der beiden Akteure für den Fall, hätte die DDR einst die BRD übernommen. „Saarbrücken würde dann Erich-Honecker-Stadt heißen und der BER-Flughafen wäre mittels Subbotniks in sechs Monaten ruck zuck fertig gestellt“, witzelte Dominik Bartels. „Und beim Rockfestival in Wacken würden die Puhdys auftreten und von zahlreichen Blauhemden bejubelt werden.“

Erlebnisse aus dem PA-Unterricht wurden ebenso thematisiert wie die Strenge des DDR-Sportunterrichts oder die Tücken des Schneidens von Westmusik auf der Kassette. Überdies die erste Urlaubsreise mit dem Simson S51-Moped nach Dänemark mit jeder Menge „Goldkrone“ im Gepäck. Bartels und Schwedler bezogen das Publikum immer wieder mit ein, zum Beispiel beim „Senioren-Hip-Hop.“

Jörg Schwedler ist gebürtiger Altmärker, Dominik Bartels stammt von Usedom. Die beiden sind mit ihrem Programm seit fünf Jahren unterwegs, unterhalten „Ost-Fans“ in ganz Deutschland. Dabei präsentieren sie keine Ostalgie-Show, sondern einen augenzwinkernden Rückblick auf die Kindheit als Pionier, das Älterwerden im wilden Westen und die Absurditäten im Alltag zwischen Plattenbau und Pioniernachmittagen, wie es auf ihrer Webseite heißt. Dem Osterburger Publikum gefiel die Vorstellung und man hörte zwischen den Rängen öfters ein „stimmt, so war das damals“ oder „so ähnlich ging es mir auch“.

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