Osterburg l Lehrerin Elke Preis, die Jahrgangsbeauftragte, hatte sich schon im Juni in einem Brief an die Eltern gewandt „und die Sachlage geschildert“. Die Corona-Pandemie ist kein Stornierungsgrund, Prag (auch später) kein Risikogebiet, die Reise würde mit bestimmten Einschränkungen stattfinden ... Schließlich war es das Landesschulamt, das den Zwölftklässlern des Osterburger Markgraf-Albrecht-Gymnasiums erlaubte, die Reise anzutreten.

Eine Abschlussfahrt, die die Schüler aus vielen schönen, aber auch negativen Beweggründen nicht so schnell vergessen werden. Aber erst mal rein in den Doppelstockbus. Am 31. August machten sich die 69  Schüler plus drei Lehrer auf den Weg in die „Goldene Stadt“ an der Moldau, in die Hauptstadt Tschechiens – Prag.

Im Bus schon die erste Aufregung

„Im Bus ging es ja schon los“, sagt Elke Preis. Das eigentlich gebuchte Hostel teilte mit, dass die Schüler – nicht wegen Corona – woanders unterkommen. „Dann wurden erst mal alle Zimmer umsortiert, das war eine Aufregung.“ Die neue Bleibe hatte zwar wenig Toiletten, lag aber auch mitten in der Altstadt, gleich hinter der bekannten Teynkirche. Alles schick also, aber die Schüler merkten gleich, dass sie in Prag auffallen werden. Erstens waren wenige Gruppen unterwegs und zweitens waren sie zunächst die einzigen mit Masken im öffentlichen Raum.

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„Wir haben uns nach den deutschen Corona-Regeln gerichtet. In den Geschäften mit Maske wurden wir schon komisch angeguckt“, erinnert sich Malene Sohst. Diskobesuche und Bars waren ja von der Schule aus ohnehin tabu.

Telefone liefen heiß

Nachdem erste Schüler aus Salzwedel (nach einer Reise) positiv getestet worden und ganz viel mehr in Quarantäne gegangen waren, liefen auch in Prag schon die Telefone heißer. „Erst hieß es, jeder Einzelne von uns soll sich zu Hause testen lassen, organisiert über die Eltern, da hatte keiner von uns ein Problem mit“, sagt Matti Wedekind. „Warum auch?“

Hradschin, Moldau-Rundfahrt, Kafka-Führung, Theresienstadt, Karlsbrücke, „Laser Tag“ – die Schüler haben ihr Programm dennoch durchgezogen, genossen es, wollten am Freitag noch gemütlich frühstücken und dann zurück nach Hause. Aber Pustekuchen! Donnerstagabend kam der Anruf – Abfahrt um 5 Uhr.

Mit dem Bus direkt zur Fieberambulanz

Als Vorsichtsmaßnahme ließ die Schule die Schüler gleich vom Bus aus testen. Um 11.30 Uhr war ein Termin mit der Fieberambulanz Stendal klargemacht. Auch das fanden die Schüler okay, „aber dann erlebten wir dort einen richtigen Medienüberfall“, äußert sich Matti Wedekind. „Das war nicht schön.“ Nach eineinhalb Stunden waren die Tests im Kasten, „und niemand sagte uns, dass wir bis zu den Ergebnissen zu Hause bleiben sollen, die Tests waren ja freiwillig“, so Elke Preis. Einige Schüler besuchten so auch den Abiball in Seehausen.

Zum Glück nicht jene zwei Schülerinnen, deren Test positiv war. Die Nachricht von der ersten kam am Sonntag, über die zweite am Donnerstag. Naturgemäß schon am Sonntag ordnete das Gesundheitsamt an, dass alle in Quarantäne gehen, was sie im Übrigen als „Light-Variante“ auch von sich aus gemacht hätten. Es war vorgesehen, dass die Zwölftklässler zwei Wochen lang im D-Gebäude von den anderen Schülern isoliert werden. Als reine Vorsichtsmaßnahme. Nun aber war der „worst case“ ja schon eingetreten, die Schüler zu Hause. Mit Unterricht über die Internetplattform „classroom“. Jeden Tag Anrufe vom Gesundheitsamt, „die waren aber ziemlich cool“, sagt Dennis John.

Vorwürfe kamen nicht gut an

Die beiden positiv getesteten Schülerinnen hatten leichte Erkältungssymptome. Und einige der Schüler das Gefühl, „dass sie sich verteidigen müssen“, äußert Elke Preis. Alles, was nach Vorwurf klang, kam bei Schüler- wie Lehrerschar jedenfalls gar nicht gut an. Man habe die Fahrt betreffend alles bedacht, was man in diesen Zeiten bedenken könne.

„Keine sozialen Kontakte zu haben“, fand Matti Wedekind in der Quarantäne am schlimmsten. Auch zu Hause müsse man sich ja von seiner Familie fernhalten, „das ist alles genau geregelt“.

Corona-Tests mit Ganzkörperanzug

Wohl den Schülern, die auf dem Dorf mit etwas Grundstück leben. „Wer nicht, hatte es ja noch schlechter“, sagt Matti Wedekind. Helene Tinneberg fand komisch, „dass man nicht mal alleine mit dem Hund Gassi gehen konnte“. Und, na klar: „Die Nachbarn haben schon geguckt, wenn das Gesundheitsamt vorfuhr, die kamen ja mit Ganzkörperanzug“, sagt Dennis John. „Aber ich hab dann einfach gesagt, ich hab nichts, die Tests müssen aber sein.“

Einmal reicht, sagen die Schüler. Noch mal wollen sie nicht in Quarantäne, weswegen sie in der Schule auch vorschriftsmäßig ihre Masken tragen. So ganz nebenbei wollen sie ja in diesem Schuljahr noch ihr Abitur machen.