Osterburg l Knapp drei Jahre nach seiner „Jungfernfahrt“ am 8. Februar 2018 verabschiedet sich der Bürgerbus von den Straßen der Einheitsgemeinde. „Am 31. Januar ist definitiv Schluss. Wir sind dann von der Pflicht zur Beförderung entbunden, die Haltestellen-Schilder werden abgenommen“, bestätigt Anke Müller, Amtsleiterin für Demografie und Verwaltungssteuerung im Osterburger Rathaus.

Das Aus für den nach einem festen Fahrplan eingesetzten und von ehrenamtlichen Fahrern gesteuerten achtsitzigen Ford Transit hatte sich schon über einem längeren Zeitraum abgezeichnet. Denn von Anfang an machten nur wenige Einwohner von dem Angebot Gebrauch, die sogenannte Meseberg-Tour blieb bis zu ihrer Einstellung Ende 2019 sogar gänzlich unbesetzt. Die Anfang 2021 neu eingerichtete wöchentliche Stadtroute stieß dagegen auf Resonanz, so wurden von Januar bis Ende September trotz dreimonatiger Corona-Unterbrechung 50 Fahrgäste gezählt. Abseits der Stadttour stagnierten in den zurückliegenden Monaten die Nutzerzahlen aber oder gingen sogar noch weiter zurück. Die kaum noch spürbare Nachfrage auf den Landtouren führte auch bei dem Fahrer-Pool zu Konsequenzen. Die Zahl der Fahrer schmolz von elf auf aktuell noch fünf Ehrenamtliche zusammen.

Nun lässt die Einheitsgemeinde das Pilotprojekt mit der Erkenntnis auslaufen, dass ein Angebot mit festen, entgeltpflichtigen Linien nicht funktioniert. „So muss man einen Bürgerbus nicht betreiben“, nennt Müller ein Fazit, dass die Osterburger im Übrigen nicht allein gezogen haben. Ein ebenfalls 2018 gestartetes Bürgerbus-Pilotprojekt in Möser (Jerichower Land) stieß auf ähnlich geringe Nachfrage und führte auch bei den dort Verantwortlichen zu dem Schluss, dass ein Bürgerbus mit regelmäßigem Fahrplan keine Perspektive habe.

Nachdem sich das Aus für das Osterburger Bürgerbus-Pilotprojekt mit festen Fahrtzeiten schon seit längerer Zeit abzeichnete, prüfte die Einheitsemeinde zuletzt, ob alternativ eine flexiblere Fahrgelegenheit auf die Beine gestellt werden könnte, die Einwohnern auf ihre Anfrage zur Verfügung steht. So ein Modell hatte die Kommune auch ursprünglich vor Augen, als sie sich um das Pilotprojekt bemühte, erinnerte Anke Müller. Es sei überhaupt nicht die Absicht gewesen, feste Linien nach Fahrplan zu bedienen und so als Kommune quasi zum Beförderungsunternehmen zu avancieren, machte sie deutlich.

Doch auch ein bedarfsorientiertes Modell, dass Osterburg nach Auslaufen des Pilotprojektes gänzlich aus eigener Tasche stemmen müsste, würde die Einheitsgemeinde wohl überfordern, fasste die Amtsleiterin das Ergebnis der Recherchen zusammen. „Wir haben nicht die nötige EDV und auch nicht die Leute. Ein derartiges Projekt selbst zu stemmen, ist für uns einfach eine Nummer zu groß“, sagte Anke Müller.

Deshalb setzt die Kommune Ende Januar den Schlusspunkt hinter das Pilotprojekt. Und gibt den Ford Transit an das Land zurück. Das hat im Übrigen auch Konsequenzen für Vereine. Sie konnten den Ford bislangs abseits der Fahrplanzeiten für ihre Zwecke nutzen. Das hat sich ab Februar mit dem Ende des Pilotprojektes erledigt.