Osterburg l Am 8. Februar 2018 fuhr der Bürgerbus, unter anderem mit Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) und Bürgermeister Nico Schulz (Freie Wähler) an Bord, von Walsleben aus seine ersten offiziellen Kilometer.

Die Hoffnung von Schulz, der achtsitzige Ford Transit würde eine ähnliche Erfolgsgeschichte schreiben wie der bereits zuvor auf Tour geschickte Osterburger Kita-Bus, scheint aber nicht aufgegangen. Wenige Monate vor Ende des dreijährigen Pilotprojektes kündigt sich für den Bürgerbus in seiner bisherigen Form das Aus an. Amtsleiterin Anke Müller, die das Projekt vom städtischen Verwaltungsgebäude aus betreut und die am kommenden Dienstag den Osterburger Stadtrat über den Stand der Dinge informieren möchte, zieht auf Nachfrage der Volksstimme ein ernüchterndes Fazit. Das nach einem festen Fahrplan und mit klar geregelten Touren betriebene Bürgerbus-Modell sei zu starr und unflexibel, um zufriedenstellende Nutzerzahlen zu erreichen, sagt Müller.

Von Anfang an hätten auf den diversen Dorftouren nur wenige Einwohner von dem Angebot Gebrauch gemacht, auf der Meseberg-Route sei der Achtsitzer sogar bis auf den Fahrersessel gänzlich unbesetzt geblieben, blickt die Amtsleiterin zurück.

Als Konsequenz auf diese Bilanz ordnete die Einheitsgemeinde mit Wirkung von Januar 2020 den Fahrplan neu und strich die Route Meseberg als eigenständiges Angebot. Dafür fand eine neue stadtinterne Tour Platz. Diese sei tatsächlich auf eine ordentliche Resonanz gestoßen, sagt Anke Müller. So habe man seit der Einführung der immer mittwochs angebotenen Stadt-Route am 1. Januar bis Ende September für Osterburg insgesamt 50 Fahrgäste gezählt. Und das trotz des Umstandes, dass der Bürgerbus vom 23. März bis zum 30. Juni aufgrund der Corona-Pandemie in der Garage bleiben musste. Abseits der Stadt-Tour, die in der Hauptsache von Bewohnern des Weinbergs genutzt werde, hätten die Nutzerzahlen aber stagniert und seien sogar noch zurückgegangen. So hätten die Touren Walsleben und Rossau seit Anfang des Jahres keinen einzigen Passagier mehr gezählt. Die fast nur noch sporadische Nachfrage habe sich auch auf das freiwillige Fahrerteam ausgewirkt.Die Zahl der ehrenamtlichen Helfer nahm auf zuletzt noch fünf Fahrer ab, sagt Anke Müller.

Im Rückblick auf das bereits mehr als zweieinhalb Jahre lang gefahrene Modell zeigte sich die Amtsleiterin zwar etwas enttäuscht über die geringe Nachfrage, „weil wie viel Arbeit investiert haben.“ Das Projekt habe dennoch Sinn gemacht, „zeigt es doch, dass Bürgerbusse in diesem starren System mit festen Fahrplan nicht funktionieren“, schätzte sie ein. Aufgrund der nicht zufriedenstellenden Mitfahrer-Zahlen dürfte sich auch der Osterburger Stadtrat kaum dazu hinreißen lassen, nach Auslaufen des Pilotprojektes unter diesen Rahmenbedingungen am Bürgerbus festzuhalten und ihn in Eigenregie fortzuführen.

Dies wäre zudem mit Kosten für die Kommune verbunden. Denn musste die Einheitsgemeinde bislang ausschließlich für die Entschädigung der ehrenamtlichen Fahrer, das Benzin, die Reinigung oder kleinere Reparaturen am Bus aufkommen, wäre nach Projektende unter anderem auch ein Betrag für das Leasen oder den Erwerb des Ford Transits fällig, sagt die Amtsleiterin.

Weiter so wie bisher also eher nicht, dennoch würde Anke Müller Überlegungen zu einem Bürgerbus nicht gänzlich in der Schublade verschwinden lassen wollen. „Wir sollten andere Lösungen untersuchen und prüfen.“ Dabei denkt die Amtsleiterin an eine Fahrgelegenheit, die sich von einem festen Tourenplan löse und Einwohnern auf eine entsprechende Anfrage/Anforderung hin zur Verfügung stehe.

Ein neues Modell – dann vielleicht trotzdem mit dem Ford Transit. Das dürften auch viele Vereine in der Region begrüßen. Sie hatten seit Beginn des Pilotprojekts Gelegenheit, abseits der Fahrplanzeiten den Bus für ihre Zwecke in Beschlag zu nehmen. „Dieses Angebot wurde und wird immer noch sehr gern und häufig in Anspruch genommen“, macht Anke Müller deutlich.