Seehausen l Am Mittwoch beginnt der Ausverkauf bei Prima-Schuh in Seehausen. Ein Inserat in der neuen Verbandsgemeindezeitung, die im Rathaus ausliegt und dieser Tage allen Haushalten zugestellt wird, kündigt das an. Dieses Mal ist es allerdings keine Aktion, die viele Geschäftsleute gerne so zwischendurch ausrufen, um die Geschäfte anzukurbeln. Dieser Ausverkauf ist endgültig.

Damit schließt nach Eisen- und Haushaltswaren Buness bald das zweite Geschäft in der Innenstadt seine Pforten. Im Gegensatz zu Buness, wo der neue Betreiber kürzlich Insolvenz angemeldet hat (wir berichteten), erfolgt der Rückzug bei Prima-Schuh geordnet. Wann das Geschäft, das vor der Corona-Pandemie erst frisch renoviert wurde und zu dem noch zwei Filialen in Tangermünde und Tangerhütte gehören, endgültig zumacht, hängt sicher vom Verlauf des Ausverkaufes ab. Laden-Chefin Claudia Preuschoff hat ihre Kündigung für den 30. September bekommen – und mit ihr zwei weitere Verkäuferinnen.

Claudia Preuschoff will bei aller Enttäuschung bis dahin auch durchhalten. Sie begleitete den Laden von Anfang an, habe beim Aufbau des Kundenstamms geholfen und wolle nach 29 Jahren auch ordentlich die Tür abschließen, betont sie auf Nachfrage der Osterburger Volksstimme.

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Ungewisse Zukunft

Mit der rührigen Seehäuserin verliert der Einzelhandel übrigens seine wichtigste Stimme. Obwohl sie bei anderer Wahrnehmung doch immer „nur“ Angestellte war, hat sie viele Feste der Stadt sowie Aktionen der Geschäfte mit ins Leben gerufen oder organisiert und die Interessen der Betreiber bei vielen Gelegenheiten vertreten. Ambitionen, sich bei Prima-Schuh als Inhaberin zu engagieren, hat sie bei aller Sorge um ihre und die Zukunft des Seehäuser Einzelhandels indes nicht. Auf das Abenteuer will sich die 55-Jährige jetzt nicht mehr einlassen.

Derzeit kann sie nicht einmal einschätzen, wie es mit ihr als Mitglied der „Seehäuser Marktweiber“ oder als Vorsitzende der Sportgemeinschaft weitergeht. Was, wenn sie einen Job annehmen müsse, bei dem sie länger unterwegs und nicht immer vor Ort ansprechbar sei, fragt sich die Verkäuferin, die die Hansestädter nicht bedrückt, sondern als gut gelauntes Kraftpaket kennen.

Buness hofft weiter

Verbandsgemeindebürgermeister Rüdiger Kloth triff das Aus besonders, weil man im Rathaus viel Wert auf die Wirtschaftsförderung lege. Einen neuen Inhaber mit dem Mut zu einem gewissen Risiko könne man nicht aus dem Hut zaubern. Wo die Verwaltung helfen und vermitteln kann, werde sie das aber tun.

Eine Tür weiter hat sich im Haushalts- und Eisenwarenladen in den vergangenen Tagen offensichtlich noch nicht so viel getan. Das Insolvenzverfahren seines Nachfolgers kann er nicht beeinflussen, aber Christian Buness, dem ja immer noch die Immobilie mit dem großen Ladengeschäft samt seinen Initialen an der Mühlenstraße gehört, hofft nach wie vor, dass es mit dem Verkauf und der Werkstatt in irgendeiner Form weitergeht. Das heißt, er hofft nicht nur vom Altenteil aus, sondern versucht auch zu vermitteln.