Sommerserie

Radtour: Fast 80 Kilometer von Osterburg an die Elbe und wieder zurück

Das abwechslungsreiche Radwegenetz lädt dazu ein, die unberührte Natur und einzigartige Idylle in vielen Landstrichen der Altmark kennenzulernen. Volksstimme-Reporter erkundeten einige Strecken: Im ersten Teil der Sommerserie geht es von Osterburg an die Elbe und zurück.

Von Ingo Gutsche
Auf Tour: Michael Küssner (rechts) und Ingo Gutsche auf dem Weg nach Rosenhof. Der Yorckstein und die Info-Tafel erinnern an ein Ereignis vor 215 Jahren: Bei Altenzaun trafen die Truppen von Yorck auf Napoleons. Yorck gewann. Das Gefecht wurde schon einige Male auf dem dortigen Gelände nachgestellt.
Auf Tour: Michael Küssner (rechts) und Ingo Gutsche auf dem Weg nach Rosenhof. Der Yorckstein und die Info-Tafel erinnern an ein Ereignis vor 215 Jahren: Bei Altenzaun trafen die Truppen von Yorck auf Napoleons. Yorck gewann. Das Gefecht wurde schon einige Male auf dem dortigen Gelände nachgestellt. Foto: Ingo Gutsche

Osterburg/Arneburg - Eine Entdeckungstour vor der eigenen Haustür ist empfehlenswert. Mit dem Fahrrad! Und so traten wir in die Pedalen, ließen die Natur auf uns wirken und legten an mehreren Stellen der Strecke eine wohlverdiente und lohnenswerte Pause ein. Der Rundkurs, der am Ende fast 80 Kilometer auf dem „Tacho“ anzeigte, sollte uns zunächst nach Arneburg und dann auf einem Teil des Elberadwegs gen Norden führen. Start und Ziel war Osterburg.

Auf dem straßenbegleiteten Radweg erreichten mein Begleiter Michael und ich nach rund vier Kilometern mit Düsedau nicht nur das erste Dorf, sondern auch den ersten Kreuzungspunkt.

Fast 80 Kilometer umfasst die Strecke von Osterburg bis an die Elbe und wieder zurück.
Fast 80 Kilometer umfasst die Strecke von Osterburg bis an die Elbe und wieder zurück.
Grafik: prePress Media Mitteldeutschland GmbH

Wir entschieden uns gegen die Fahrt auf der Straße nach Walsleben und fanden uns auf einem etwas unebenen Abschnitt wieder. Parallel zur Bahnstrecke und im Schatten der Windräder ging es nach Möllendorf. Der zunächst holprige Untergrund wurde fast mit jedem Meter etwas besser. Und da sich auch die Regenwolken in eine andere Richtung verzogen, radelten wir vergnügt auf dem mit Obstbäumen gesäumten Feldweg ins nächste Dorf. Nach Überqueren der Bahnschienen in Möllendorf warfen wir einen Blick auf die angebrachten Hinweisschilder: Es ging weiter auf dem Radweg nach Goldbeck, vorbei am Verwaltungsgebäude und in die Bertkower Straße hinein. Die dortige Baustelle wurde schnell umschifft, und bei nur mäßigem Straßenverkehr nahmen wir die nächsten drei Kilometer bis nach Bertkow in Angriff.

Erinnerungen an DDR-Zeiten

Dort erinnerte sich Michael an Tage zurück, an denen er als Sportredakteur das Fußballgeschehen in dem kleinen Ort mit großer Fußball-Tradition an vielen Wochenenden in den 90er Jahren beobachtete. Noch früher, von 1979 bis 1985, spielte Traktor Bertkow in der Bezirksliga – der dritthöchsten Spielklasse in der damaligen DDR. Der Sportplatz ist eine grüne Wiese, davor wurde ein großzügiger Spielplatz am schmucken Gutshaus angelegt. An der Kirche begrüßten wir die ersten Störche.

In Hohenberg-Krusemark fiel ein besonderer und selbst gemachter Wegweiser auf. Dieser zeigte unter anderem die Himmelsrichtung und die Entfernung zur polnischen Stadt Strzegom (Striegau) an. 441 Kilometer waren an diesem Tag nicht mehr drin... Arneburg war mit sieben Kilometern angegeben – weiter gings. Nach 25 Kilometern kamen wir in der schönen Elbestadt an. Nach einer kleinen Eis-Pause bei „La Casa“ in der Breiten Straße fuhren wir vorbei am im Rathaus gelegenen Tourismusbüro – an dem es auch eine Tankstelle für E-Bikes gibt – zur St. Georg-Kirche. Drinnen eine einzigartige Atmosphäre, draußen ein beeindruckender Blick über die Elbe. Wer noch Zeit hat – und das haben Radler im Allgemeinen –, sollte sich die Aussichtsplattform auf dem Burgberg nicht entgehen lassen.

Ein Wegweiser in der Eichstraße in Hohenberg-Krusemark
Ein Wegweiser in der Eichstraße in Hohenberg-Krusemark
Foto: Ingo Gutsche

Evelyn Jordan, Leiterin des Tourismusbüros, rät auch zu Besuchen des Arneburger Heimatmuseums und der Kulturscheune. Diese Besichtigungen haben wir uns für das nächste Mal aufgehoben. Wir lassen Arneburg und den Ortsteil Dalchau hinter uns, fahren nun in nördlicher Richtung. Vorbei am Industrie- und Gewerbepark. Auf der einstigen Baustelle des Kernkraftwerkes, das das größte in der DDR werden sollte, haben sich große und wichtige Arbeitgeber der Region niedergelassen. Die Natur hat uns jedoch schnell wieder! Der Radweg biegt nach Rosenhof ab. Am Yorck-Stein legen wir eine Pause ein, um zu erfahren, dass an jener Stelle am 26. Oktober 1806 ein Gefecht zwischen Oberst Yorck von Wartenburg und Truppen Napoleons stattfand.

Bei Touristen beliebt: die Aussichtsplattform in Arneburg.
Bei Touristen beliebt: die Aussichtsplattform in Arneburg.
Foto: Ingo Gutsche

So langsam, nach etwa 30 Kilometern, schleicht sich ein kleines Hungergefühl ein. Der Weg nach Büttnershof in das dortige Gutshaus ist nicht mehr fern. Hier fühlen sich auch andere radelnde Touristen wohl. Eine Gruppe aus Halle an der Saale wollte weiter nach Werben. Die stille Idylle, die naturbelassene Gegend „ist sehr zu empfehlen“, sagt Wolfgang Wiegand. In Hohenberg-Krusemark hatten sich die Radlerinnen und Radler eine Bleibe genommen. „Die war einfach fantastisch“, lobten die Hallenser die Unterkunft bei Familie Trumpf. Bereits vor der sportlichen Reise haben die Radfahrfans von der Saale die Strecken abgesteckt und die Zimmer gebucht. Bei der Nachfrage, was die wichtigsten Utensilien während der Tour sind, betonten sie: „Sonnencreme und Wasser.“ Creme haben wir nicht bei – dafür haben wir in Büttnershof unsere Kraftreserven wieder bestens auffüllen können. Danach nahmen wir einen der schönsten Abschnitte des Elberadwegs, wie viele Radler versichern, ins Visier. Wir fuhren vorbei an alten Eichen, Mooren mit breitem Schilfgürtel und kleinen Seen: Natur pur!

Zwischen Rosenhof und Büttnershof  steht die Kirchenruine Käcklitz. Von 1889 bis 1953 wurden dort Schüler unterrichtet.
Zwischen Rosenhof und Büttnershof steht die Kirchenruine Käcklitz. Von 1889 bis 1953 wurden dort Schüler unterrichtet.
Foto: Ingo Gutsche

Nach sechs Kilometern im Naturschutzgebiet „Alte Elbe“ erreichten wir Berge. Die 1151 erstmals erwähnte Backsteinkirche, eine der ältesten ihrer Art in der Altmark, fällt auf. Ein „Abstecher“ in das fünf Kilometer entfernte Hansestädtchen Werben lohnt immer. Das sagten wir uns und blieben auf dem Elberadweg. Anschließend kehrten wir wieder zurück nach Berge, um unsere Fahrt Richtung Rengerslage/Wasmerslage fortzusetzen. Zuvor legten wir eine Pause im „Café Lämpel“ in Werben ein. Ein von Akteuren des Arbeitskreises Werbener Altstadt mit viel Liebe zum Detail im Biedermeier-Stil eingerichtetes Café. Wir legten nach der Stärkung wieder den Vorwärtsgang ein, bogen in Berge auf die letzten rund 25 Kilometer nach Osterburg ab. Über Rengerslage, Königsmark und Meseberg ging es wieder an die Biese. Osterburg grüßte bereits aus der Ferne. Und wir stellten fest: Eine Radfahrt ist wie ein kleiner Urlaub.

Meister Adebar fühlt sich in Werben in Nachbarschaft der Elbe wohl. Die mächtige St. Johanniskirche überragt die Hansestadt.
Meister Adebar fühlt sich in Werben in Nachbarschaft der Elbe wohl. Die mächtige St. Johanniskirche überragt die Hansestadt.
Foto: Ingo Gutsche