Rathsleben l Die Fortschreibung des Regionalen Entwicklungs-Planes (REP) für die Altmark beschäftigt schon seit ein paar Monaten nicht nur Kommunalpolitik und -verwaltung beider Landkreise. Auch die Verbandsgemeinde Seehausen will eine Stellungnahme für die Neufassung des Papieres beisteuern (wir berichteten).

Zur Erinnerung: Im REP sind unter anderem die Zukunft des Hochwasserschutzes oder der regionalen Wirtschaft, die Entwicklung von Naturschutz und Tourismus oder wichtige Verkehrsprojekte sowie bedeutende Denkmale aufgelistet. Auch die Weichenstellung zur Rohstoffgewinnung findet sich in dem Werk wieder. Letztere ist es, die Rathslebener wie Hartwig Bretschneider derzeit umtreibt. Der Ruheständler hat mit den Mitgliedern des örtlichen Kirchenfördervereins der Regionalen Planungsgemeinschaft auch eine Stellungnahme zukommen lassen.

Was die Einwohner des kleinen Ortes auf der „Altmärkischen Höhe“ umtreibt, ist Kiesabbau, der das Landschaftsbild nördlich der Landesstraße L9 zwischen Kossebau und Heiligenfelde gründlich und nachhaltig ändern würde. Das Damoklesschwert schwebt schon lange über dem Waldgebiet. Bereits zu tiefsten DDR-Zeiten wurde das Gelände erkundet. Ein Geheimnis war das nie. Selbst in touristischen Landkarten ist das Areal westlich von Rathsleben mit dem Vermerk „Kies“ gekennzeichnet.

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Bislang hat das niemanden weiter gekümmert. Aber jetzt, wo vielleicht noch nicht die Tage, aber die Jahre der Kiesgrube Heiligenfelde gezählt sind und der Autobahnbau in greifbarere Nähe rückt, erscheint es Bretschneider immer wahrscheinlicher, dass das Kieslager, das nur einige hundert Meter hinter seinem Hof beginnt, doch erschlossen wird. Zumal ein Großteil des Baustoffes vorerst als Berg (gut 20 Meter über Gelände) abgetragen werden könnte, ohne sich in die Tiefe graben zu müssen.

Nein, man sei nicht per se gegen die Kiesgewinnung. Aber Bretschneider will bewusst machen, was das bedeutet. Unter anderem, dass der abgeholzte Wald und der abgetragene Berg dafür sorgen, dass man freien Blick ins benachbarte Zühlen hat. Oder dass das geplante Kiesabbaugebiet mit 224 Hektar rund sechsmal so groß wie die gesamte Kiesgrube Heiligenfelde und mehr als halb so groß wie der Arendsee ist – die sogenannte Wirkzone mitgerechnet sogar deutlich größer. Apropos Wirkzone. Dass die Auswirkungen auf Natur, Umwelt und Wasserhaushalt im REP überwiegend als gering eingeschätzt werden, ist eine Ansicht, die der Rathslebener nicht teilt. Und führt in seiner Stellungnahme auch entsprechende Tier- und Pflanzenarten auf. Dazu warnt er vor einem sinkenden Grundwasserspiegel, fordert schon jetzt großflächige Aufforstungen sowie Ausgleich- und Ersatzmaßnahmen. Was bei der sogenannten Wölbackerkultur, ein noch immer sichtbarer Beleg für das bäuerliche Wirken der Altvorderen, kaum möglich ist. Die längst bewaldeten Dämme wären endgültig verloren.

Außerdem warnt er vor der Verkehrsbelastung durch die Erschließung des Tagebaus und durch den Kiesantransport, der über viele Jahre die Region belasten würde. Weder die Kreisstraße nach noch die Dorfstraße durch Rathsleben wären für solche Belastungen geeignet. Da bräuchte es separate Zu- und Abfahrten über die L 9.

Ja, Hartwig Bretschneider weiß, dass die Zeit für spezielle Einwendungen eigentlich noch nicht reif ist und diese Teil des endgültigen Genehmigungsprozederes wären. Aber er will frühzeitig für das Thema sensibilisieren.