Seehausen l Kommunalpolitisch hat sich der Auloser nach der Wende immer engagiert. Zuletzt war er als Vorsitzender des Verbandsgemeinderates eng ins Rathaus-Geschehen eingebunden. Trotzdem betrat er als hauptamtlicher Bürgermeister und Leiter der gemeinsamen Verwaltung Neuland. In der Zeit habe er viele Höhen und Tiefen erlebt. Aber die Erfolge überwiegen eindeutig, schiebt er im Gespräch mit der Volksstimme hinterher.

Dabei habe es durchaus Tage gegeben, an denen er sich fragte, ob es der richtige Schritt war, weil ihm ständig Verwaltungsangelegenheiten durch den Kopf gingen und ihn um den Schlaf zu bringen drohten. Das wichtigste, was er in der Anfangszeit lernen sollte, dass er sich nicht um alles kümmern kann und auch nicht muss. In den wöchentlichen Beratungen mit den Amts- und Sachgebietsleitern wurde ihm irgendwann bewusst, dass die anderen die Sachen auch auf dem „Schirm“ haben. Und mit dem Vertrauen sei der Überblick besser geworden.

Überhaupt nicht bereut er seine ständige Erreichbarkeit praktisch für jedermann. Obwohl ihm oft davon abgeraten worden sei, habe er kein Geheimnis aus seiner Handy-Nummer gemacht. Die ist sogar auf den Internetseiten der Verbandsgemeinde in der Rubrik Bürgerservice, Ämter und Mitarbeiter, zu finden. Inzwischen klingele das Mobiltelefon nur noch bei dringenden Fällen auch mal sonntags oder zu nachtschlafender Zeit.

Ebenso wenig zu bereuen gebe es in Sachen Ehrlichkeit. Da hält des Rüdiger Kloth mit einem Tipp seines früheren Tangermünder Amtsbruders Rudolf Opitz: „Sag den Bürgern die Wahrheit, die können das vertragen.“ Obwohl Opitz nicht mehr Stadtoberhaupt war, als Kloth gewählt wurde, ziehen beide im Stendaler Kreistag jetzt zusammen an einem Strang. Wobei sie und noch ein paar andere kommunalpolitische Schwergewichte eint, dass sie der CDU den Rücken zugekehrt und die offene Liste „Pro Altmark“ gegründet haben. Nicht nur wegen der Parteiquerelen hält der den Schritt zur Mehrarbeit für wichtig und richtig, weil er so die Politik mitgestalten kann, die die Gemeinden betrifft.

Der Erfolg war mit dem zweitbesten Ergebnis bekanntlich überwältigend. So überwältigend, dass nie der Gedanke an einen eigenen Landratskandidaten gereift ist. Die offene, aber vergebliche Unterstützung des Amtsinhabers Carsten Wulfänger (CDU) war natürlich nicht nach dem Geschmack der Abtrünnigen, die zumindest in der Beziehung allerdings schon Erfahrungen gemacht hatten. Ihrem Ex-Vorsitzenden und Innenminister Holger Stahlknecht wollten die Abweichler der ersten Stunde nämlich auch die Treue halten, bekamen aber schnell verdeutlicht, wie der zu „Schulz und Konsorten“ steht.

Ehrlichkeit und Transparenz beim Umgang mit der Stendaler Wahlfälscher-Affäre würden führenden Christdemokraten des Landkreises auch gut zu Gesicht stehen, erinnert Kloth an den Hauptgrund für die „Pro Altmark“-Initiative. Dass er sich da keine Hoffnungen machen muss, dürfte die jüngste Wahl des Kreisvorstandes mit Chris Schulenburg an der Spitze zeigen.

Nicht zu vergessen das Verfahren um angeblich nicht gezahlte Beiträge beziehungsweise Amtsinhaberzuschläge, das auch noch bei Kloth anhängig ist. Der sieht dem Prozedere mit juristischer Unterstützung gelassen entgegen und fragt sich, ob dann der früher Vorsitzende der Kreis-CDU, Wolfgang Kühnel, endlich mal zu einer Aussage bereit ist. Und weil er seinen CDU-Austritt nicht an der breiten Basis festmacht, zahlt er seine damals von Kühnel geforderten 40 Euro pro Monat seit seinem Parteiaustritt im Herbst an die CDU-Ortsgruppe Seehausen sozusagen freiwillig und als Spende weiter.