Werben l Am 22. Dezember 1920 war es so weit: „Die erste schnurlose Übertragung eines Weihnachtskonzertes ging vom Funkerberg in Königs Wusterhausen auf die Reise durch den Äther“, erzählt Rüdiger Haase. Der Werbener beschäftigt sich als leidenschaftlicher Sammler von Rundfunkgeräten aus historischen Zeiten auch mit der Frage, wann das Radio seine Geburtsstunde erlebte. Die Räume von Rüdiger Haase in Werben warten mit „jeder Menge sondertümlicher Apparate“ aus jener historischen Epoche aus den Anfängen der Radioproduktionauf.

Mit Morse-Telegrafie wären schon vor mehr als 100 Jahren über Kurzwelle große Reichweiten realisiert worden. Haase berichtet von einem Beispiel, das sich am 23. Januar 1909 vor der Ostküste der Vereinigten Staaten zugetragen hat: Ein britisches Passagierschiff kollidierte bei Nebel mit einem italienischen Passagierschiff. Dank des abgesetzten Notrufes eines Funkers wurde eine Katastrophe verhindert, nur sechs Leute starben. „Das war bereits drei Jahre vor dem Untergang der Titanic“, so Haase.

Vor 100 Jahren erklang dann erstmals über Kurzwelle „Stille Nacht, Heilige Nacht“. Ein kleines Orchester fand sich auf dem „Funkerberg“ in Königs Wusterhausen ein, weiß der Werbener. „Über eine gewaltige Antennen-Anlage mit einem riesigen Diesel-Motor, um den Generator anzutreiben, wurden feinste musikalische Schwingungen auf den Weg gebracht.“ Es gab jedoch nur wenige Funkamateure und Reichspostbeamte, die dieses Ereignis mit primitiven Empfängern miterleben konnten. „Sie waren erste Zeugen von etwas ganz Besonderem, das anschließend alle Entwicklungen auf diesem Gebiet mit sich brachte“, sagt Haase.

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Rüdiger Hasse, ehemals Funkmechaniker, war schon als Jugendlicher begeisterter Radio-Hörer und erinnert sich an die Anfänge der Sendung zwischen „Hamburg und Haiti“. Gern denkt er an ein besonderes Ereignis aus dem April 1958 zurück. „Von Radio Luxemburg wurde erstmals auf Kurzwelle die Hitparade ausgestrahlt. Zum ersten Mal wurde eine an Verkaufszahlen orientierte Jugend-Sendung weltweit gehört und bekannt.“

Die Mitglieder des Fördervereins „Sender Königs Wusterhausen“ sorgen heute für ein besonderes Bonbon. Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der ersten deutschen Rundfunksendung übertragen sie heute Nachmittag über Kurzwelle ein Weihnachtskonzert. „Es beginnt um 14 Uhr und ist bei Kurzwelle über die Frequenz 5960 empfangbar“, informiert der 74-Jährige.

Nostalgie spielt für Rüdiger Haase eine große Rolle. Über 1000 Geräte und Apparate sind in seinem Besitz, und es werden immer mehr. Deshalb richtete er zwei weitere Zimmer im Museum an der Räbelschen Straße ein. Auch die ersten Radio-Apparate von den Herstellern Seibt, Mende oder Telefunken sind darunter. „Nur über Ohrhörer konnte man etwas hören. Die Lautsprecher wurden erst später entwickelt“, betont er.