Osterburg l Im Markgraf-Albrecht-Gymnasium Osterburg betrifft es 66 Schüler. Auch die Absolventen vor ihnen sprachen bereits vom „Corona-Abi“, bei ihnen nahm die Pandemie während des zweiten Schulhalbjahrs an Fahrt auf, seinen Herbstball in 2019 hatte der Jahrgang noch glamourös unterm dem Motto der „Goldenen Zwanziger“ feiern können, dann hieß es pandemiebedingt mit Bescheid vom 13. März „ab jetzt homeschooling“.

Nun ist gar nichts mehr mit feiern. Für den aktuellen Abschlussjahrgang war Corona von Anfang an allgegenwärtig, vor dem Lockdown gleich in Zusammenhang mit der Abschlussfahrt nach Prag, in deren Anschluss zwei Schüler positiv auf Corona getestet wurden und der ganze Jahrgang geschlossen in Quarantäne ging.

„Man kommt klar“, sagte Gymnasiastin Emely Lindau am Montag. Im Geografie-Unterricht behandelt der Kurs gerade die Ressourcen der Erde. Lehrer Alexander Dankert teilte die „maskierten“ Schüler in zwei Gruppen auf. Er unterrichtet sie parallell, während er den einen etwas erklärt, arbeiteten die anderen gerade selbstständig etwas aus.

Schulleiterin Elke Hein hat den Lehrern des Abschlussjahrgangs freigestellt, wie sie mit den Kursen verfahren. Sie können sie aufteilen oder, – wenn möglich – in größere Räume wechseln, die Aula zum Beispiel. Maskenpflicht gelte überall und die ganze Zeit, außer bei genügend Abstand draußen während der Pause. Die Schüler wollen ja auch in ihre Stulle beißen.

Die jüngeren Jahrgänge des Gymnasiums müssen sich mit dem sogenannten „Homeschooling“ begnügen. Sie nutzen die interaktive Lernplattform „Google education“ (Google-Ausbildung). Laut Auskunft von Elke Hein läuft dies sehr gut. Lehrer Mathias Fritze habe die Plattform schon vor Corona mitbenutzt, sei sehr versiert darin, konnte die Handhabe gut erklären. „Da haben wir natürlich Glück. Er hat zuerst unsere jüngeren Lehrer damit vertraut gemacht und diese haben dann die anderen in das System eingeführt.“ Es sei sogar eine ganz schöne Erfahrung, „nun können auch die Jüngeren mal den Älteren etwas beibringen, sonst ist es ja doch meist andersherum“, so Elke Hein. Der Unterricht am Gymnasium findet nach normalem Stundenplan statt, gibt es eine Frage, können die Schüler sie oft live stellen.

Für jene Schüler, die zu Hause kein Endgerät à la PC oder Laptop zur Verfügung haben, der Prozentsatz sei am Gymnasium eher gering, habe der Landkreis als Träger der Einrichtung welche in Auskunft gestellt. „Wir sollen 40 Endgeräte bekommen.“ Die Lernplattform könne aber – sicher umständlicher auch übers Handy aufgerufen werden und das hätten ja fast alle.

Das schätzt auch Doreen Melms als Rektorin der Sekundarschule „Karl Marx“ Osterburg so ein, „ein Handy hat fast jeder“. Allerdings würde rund ein Drittel ihrer Schüler keinen Computer oder Laptop für sich allein zu Hause zur Verfügung haben. Nicht jeder verfüge überdies über eine gute Internetverbindung und nicht jeder Schüler sei vor allem in der Lage selbstständig zu Hause zu lernen. „Das sind eher die Ausnahmen. Ich habe Bange, dass wir nicht mehr die gleichen Bildungschancen für alle haben“, sagt die Rektorin. Zum Glück sei auch die von der Einrichtung genutzte Lernplattform „Moodle“ via Handy abrufbar, an die Aufgaben kämen also alle heran. „Zur Not werden uns die Ausarbeitungen hier in den Briefkasten geworfen.“ Die Schule habe feste Sprechzeiten mit den Lehrern für die Schüler eingerichtet, per Mail seien sie immer erreichbar. Auch der Sekundarschule wurden vom Landkreis, der auch hier Einrichtungsträger ist, Endgeräte angekündigt. Wie Kreissprecherin Angela Vogel gestern informierte, werden diese Geräte gerade für die Auslieferung an die Schulen vorbereitet. Das sogenannte „Hardware-Rollout“ werde noch im Januar beginnen. Bund und Länder hatten den Schulträgern über das Sofortausstattungsprogramm „DigitalPakt Schule“ Finanzhilfen für die Beschaffung von mobilen Endgeräten bereitgestellt. „Die Zuteilung der Finanzhilfen beruht auf der Schülerzahl“, so die Sprecherin abschließend.

Grundsätzlich hoffe das Kollegium der Osterburger Sekundarschule aber, dass die Schule nach den Ferien wieder im eingeschränkten Regelbetrieb arbeiten kann. Heißt, alle Schüler kommen wie im ersten Lockdown nicht jeden Tag, aber doch regelmäßig zur Schule. „Damit würden wir sie auf jeden Fall besser erreichen.“ In puncto Masken gilt übrigens in der Sekundarschule: Wo die Abstände sicher eingehalten werden können, müssen sie nicht getragen werden. „Wir achten sehr darauf.“ Alle 20 Minuten wird gelüftet.

Auch die angehenden Absolventen der Sekundarschule dürfen im Lockdown täglich zur Schule gehen. Der Karl-Marx-Abschlussjahrgang ist in diesem Schuljahr 37 Personen stark. Dazu kommen fünf Hauptschul-Absolventen, die zwei Mal in der Woche Präsenzunterricht haben.

Mit abgesichert werden muss von beiden Schulen überdies die Notbetreuung für Fünft- und Sechtsklässler. Jeweils rund zehn Kinder machten davon Gebrauch, die Schulleiterinnen schätzen, dass es noch mehr werden.

In beiden Schulen wurde das Personal nach dem Jahreswechsel auf das Coronavirus getestet. Die Sekundarschule erledigte dies selbst unter sich, „wir hatten eine Videoanleitung dazu“, sagt Doreen Melms. Das Gymnasium hatte Glück und konnte auf die Unterstützung der Seehäuser Ärztin Dr. Susanne Netal bauen, „dafür sind wir sehr dankbar. In Zweifelsfällen hat sie auch gleich einen PCR-Test hinterher gemacht“, sagt Elke Hein. Alle waren zum Glück negativ. Adäquat zur Osterburger Grundschule sind die Tests in beiden weiterführenden Schulen vorerst einmalig, die Schüler werden nicht getestet.