Seehausen l Die neuen Mindestzahlen im Rahmen der Schulentwicklungsplanung im Land ab 2022 kursieren schon länger in kommunalpolitischen Kreisen. Nun ging Bildungsminister Marco Tullner (CDU) damit an die Öffentlichkeit.

Die vorlegte Verordnung sieht unter anderem vor, die Mindestschülerzahl in Gemeinschaftsschulen von 240 auf 300 anzuheben. Das würde auch Seehausen (derzeit rund 250) treffen, wo im vergangenen Jahr nach sechs Durchläufen der erste Abschluss-Jahrgang verabschiedet werden konnte, der von Klasse fünf bis zehn besagte Bildungsform durchlief, die in der großen Kenia-Koalition insbesondere von der SPD favorisiert wird, weshalb dort Freitag auch postwendend von „ideologisch motivierten Benachteiligung“ einer Schulform die Rede war.

Der Standort Seehausen wäre damit zwar noch nicht gefährdet, aber die Gemeinschaftsschule müsste wie in anderen 15 Städten des Landes Sachsen-Anhalt wieder in eine Sekundarschule umgewandelt werden, womit quasi per Pinselstrich ein Stück Lehrermangel zumindest auf dem Papier beseitigt wäre. Denn der Bedarf an pädagogischer Betreuung ist beim längeren gemeinsamen Lernen von Förder- und Realschülern sowie Schülern mit Abitur-Ambitionen größer als an Sekundarschulen.

Entsetzen

Der Bürgermeister der Hansestadt zeigt sich gestern entsetzt über die Pläne. Es sei eine „bodenlose Frechheit“, eine Fehlentwicklung auf dem Rücken der Schüler zu kompensieren und etwas zu zerschlagen, was sich bewährt habe.

Verbandsgemeindebürgermeister Rüdiger Kloth hofft, dass sich die Mehrheit des Landtages dem entgegenstemmt. Die Verbandsgemeinde, der Kreistag und nicht zuletzt die Elternschaft vor Ort würden das jedenfalls tun, so Kloth und prophezeit ähnliche Proteste wie 2003, als die Schließungspläne für das Seehäuser Gymnasium Gestalt annahmen.

Dass die Landesregierung ohne Not die Schülerzahlen anhebe und ebenso bewährte wie akzeptierte und nachgefragte Strukturen zerschlage, erschließe sich ihm ebenso wenig wie die Tatsache, dass in einem so reichen Land auf Kosten der Bildung gespart werde. Das sei ein Schlag ins Gesicht einer ganzen Region – insbesondere der ländlichen, die ohnehin in vielen Belangen immer mehr und öfter benachteiligt werde.

Die Schulentwicklungsplaner des Landes erinnerte er an ihre Versprechen, mit dem Seehäuser Gymnasium einen harten Schnitt gemacht zu haben, um dann für eine lange Zeit Ruhe in die Sache zu bringen.