Werben l „Wir können auch Schwäne“, hieß es schon mit Augenzwinkern aus der Storchenstadt Werben. Erstmals seit vielen Jahren, vielleicht überhaupt das erste Mal, hat ein Schwanenpaar im städtischen Wehl am Elbtor gebrütet. Da dies in unmittelbarer Ufernähe und in Sichtweite einer Bank geschah, war den Schwänen das Publikum sicher. „Was hier immer los war“, sagt Michaela Steinke, die direkt am Wehl wohnt und schon im Scherz überlegte, „eine Spendendose für den Nabu an die Bank zu stellen“. Natürlich beobachte auch sie das Schwanentreiben gern. Wie die Elterntiere zunächst „den Schilfgürtel platt gemacht haben“ und wie sie auch weiter am Nest bauten, als die Eier schon gelegt waren. Vor Kurzem endlich, nach mehr als 36 Tagen, sind die Küken geschlüpft. Acht an der Zahl, das neunte Ei blieb liegen, ist mittlerweile verschwunden. „Vielleicht haben sie es rausgeworfen.“ Oder es wurde geräubert. Genau das sei nun auch die Angst nicht nur von Michaela Steinke. Das Wasser im Wehl ist mittlerweile so flach, „sie können teilweise gar nicht mehr darin schwimmen“, was Räubern wie dem Fuchs mehr Chancen einräumt.

So wenig Wasser bereits Anfang Juni – das wecke Erinnerungen an die Dürrejahre 2018 und 2019, als der Wehl erstmals total ausgetrocknet war. Wenn dies nun geschieht, bevor die Jungen fliegen können? „Sie werden sich dann trotzdem ein anderes Gewässer suchen“, sagt Gerhard Henkner, der gestern zufällig vorbeikam, den Wehl schon Jahrzehnte kennt und sich auch nicht an eine Schwanenbrut erinnern kann. „Sie brauchen auf jeden Fall stehendes Gewässer“, war er sich mit Michaela Steinke einig.

Der Wehl müsse wohl über kurz oder lang mal ausgebaggert werden, sonst verlande er noch ganz in Zeiten des Klimawandels. Gute Idee, sagt Bürgermeister Bernd Schulze (parteilos), „aber dafür fehlen uns die Millionen auf dem Konto“. Ein bisschen Mut machen könne er aber trotzdem. „Es sieht so aus, als ob wir künftig das Regenwasser von der Promenade, von der Fischer- und Langen Straße in den Wehl einleiten dürfen.“ Wenn es das natürliche Gefälle zulässt, „und das sieht nach Vermessungen gut aus“.

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Den Schwanenjungen 2020 wird das wohl nicht mehr helfen. Sinkt das Wasser weiter, leben sie gefährlich. Schon jetzt haben sich die Vögel in der Teichmitte eine neue Rast gebaut. „Vielleicht wurde ihnen aber auch der Trubel auf der Bank zuviel“, sagt Michaela Steinke.