Aus der Not geboren

Schwimmlager: Osterburger Drittklässler erlangen Abzeichen im Freibad Werben

Erst Corona und dann das geschlossene Hallenbad – der Schwimmunterricht der Osterburger Hain-Grundschule hatte und hat weiterhin schlechte Voraussetzungen. Aus der Not heraus initiierte die Schule ein Schwimmlager in Werben. Mit beachtlichem Ergebnis.

Von Karina Hoppe 19.07.2021, 15:58
Anstrengend, so ein Schwimmtraining, aber die Osterburger Drittklässler haben sich in Werben wacker geschlagen.
Anstrengend, so ein Schwimmtraining, aber die Osterburger Drittklässler haben sich in Werben wacker geschlagen. Foto: Karina Hoppe

Werben/Osterburg - Mit Wolken vor der Sonne war es gestern Vormittag ganz schön frisch, aber was hilft’s? Die Drittklässler der Grundschule am Hain Osterburg müssen im Wasser sicher werden - sicher schwimmen können. „Das ist eine der Kernaufgaben der Grundschulen in Sachsen-Anhalt. Es ist obligatorisch“, sagt Sportlehrer Friedrich Neuling. Und weil das so ist, musste sich die Schule nach Unterrichtsausfall durch Corona und wegen des weiterhin geschlossenen Osterburger Hallenbads etwas einfallen lassen: Das Schwimmlager ward geboren. Oder besser wiedergeboren, „das gab’s ja früher alles schon“. In der vergangenen Woche fuhren die Klassen 3a und 3b täglich mit einem von der Stadt Osterburg finanzierten Bus nach Werben. Die Klasse 3b erhielt gestern und erhält heute noch einen Nachschlag, da sie vor Corona noch gar nicht im Wasser war. Rückenschwimmen, Bauchschwimmen, einen Köpper machen, nach Gegenständen tauchen – all dies übten die Kinder täglich. Dazu die „Osterburger Kerze“, bei der die Kinder nicht nur als steife Kerze ins Wasser springen, sondern sich auch noch als solche vom Beckenboden wieder abstoßen.

Leon zeigt die „Schulte-Bombe“

Doch das war’s noch nicht aller an Lokalkolorit: Den im Volksmund „Arschbombe“ genannten Paketsprung bekommt Leon Schulte so gut hin, dass er kurzerhand nach ihm benannt wurde: „Auf geht’s zur Schulte-Bombe, lasst es scheppern“, rief Lehrer Neuling und die Kinder wussten genau, was zu tun ist. 92 Prozent von ihnen, so schätzt Neuling, sind durch das Schwimmlager zu Freischwimmern geworden, womit sie das Deutsche Schwimmabzeichen in Bronze erhalten. „Das ist ein sehr hoher Wert“, weiß Neuling aus Erfahrung. „Es war für mich selbst noch mal überraschend, wie effektiv ein Schwimmlager ist, die Motivation ist groß.“ Normalerweise würde der Schwimmunterricht über einen gewissen Zeitraum mit in den normalen Unterricht integriert.

Ganz schön anstrengend, so ein Schwimmlager

Friedrich Neuling sei jedenfalls heilfroh, dass der Werbener Schwimmmeister Klaus Gehrke mitmachte und zum Beispiel die Lern-Tische für den Theorie-Unterricht bereitstellte, dass Muttis wie Bianka Krause oder Omas wie Ute Otto bei der Betreuung der Kinder halfen. Und dass die Stadt die Busfahrten auf ihre Kappe nahm. Anstrengend war es aber auch, findet Pia-Lotta. Und auch Kimberly war erstaunt darüber, dass das mit der Ausdauer im Wasser gar nicht so einfach ist. Sogar die Hände taten dabei weh, hieß es aus anderem Munde. Vor allem aber machte das Schwimmlager wohl Spaß. Danach gefragt fiel den Kindern jedenfalls viel mehr ein. Nicht zuletzt die „Osterburger Kerze“ und die „Schulte-Bombe“.

Friedrich Neuling hofft, dass das Osterburger Hallenbad im Herbst wieder geöffnet ist. Es sei ein Projekttag geplant. Sollte die Einrichtung dauerhaft geschlossen bleiben, sieht er einen großen Standort-Nachteil für die Osterburger. Stendal etwa habe gar nicht die Kapazitäten, dies auszugleichen.

Festhalten: Wenn die Beine der Kinder beim Köpper zu schnell ins Wasser wollten, half Lehrer Friedrich Neuling nach.
Festhalten: Wenn die Beine der Kinder beim Köpper zu schnell ins Wasser wollten, half Lehrer Friedrich Neuling nach.
Foto: Karina Hoppe
Leon Schulte demonstriert die nach ihm benannte „Schulte-Bombe“.
Leon Schulte demonstriert die nach ihm benannte „Schulte-Bombe“.
Foto: Karina Hoppe