Seehausen l Montagabend hatte die Verbandsgemeinde die Öffentlichkeit in den Versammlungsraum der Freiwilligen Feuerwehr Seehausen eingeladen, damit sich die beiden Kandidaten vorstellen und die Wahlberechtigten ihre Fragen an Herausforderin Andrea Gose und Amtsinhaber Detlef Neumann richten konnten.

Eine Stunde Fragen

Dass so viele Gäste der Einladung folgten, war wohl nicht nur für die beiden Bewerber und den moderierenden Verbandsgemeindebürgermeister Rüdiger Kloth die größte Überraschung des Abends. Rund 180 Frauen sowie Männer – und damit nicht viel weniger Interessenten als beim Kandidatenforum zur Landratswahl in der Vorwoche in der Stendaler Kreisverwaltung – ließen die Plätze an der Otto-Nuschke-Straße knapp werden und hätten auch das Foyer der Wischelandhalle gut gefüllt.

Als sich Detlef Neumann 2013 als einziger Bewerber anschickte, die Nachfolge des verstorbenen Ewald Duffe anzutreten, wollten ihm nur 30  Leute „auf den Zahn fühlen“. Konkurrenz belebt also auch in der Kommunalpolitik das Geschäft. Ob das bei der Wahlbeteiligung in vier Tagen so ist, wird spannend. Vor sieben Jahren gaben nur knapp 22 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimmen ab. Das sollte dieses Mal zu toppen sein.

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Dass der Abend eine Entscheidungshilfe für die Kreuzchenmacher vom Aland ist, bleibt zu hoffen, auch wenn die Fragen an die Hamburger Heimkehrerin (Jahrgang 1962), die ebenso zwei Kinder groß gezogen hat wie ihr unwesentlich jüngerer Konkurrent, bereits nach einer Stunde verebbten. Die Vorstellungsrunde ergab, dass die gelernte Finanzfachwirtin ihren Lebensunterhalt unter anderem als selbstständige Qualitätstesterin verdient, ihre kranke Mutter pflegt, sich in der Rheumaliga Stendal engagiert, in Seehausen einen Hilfsverein „Hand in Hand“ gründen will und sich offenbar gern und vielfältig weiterbildet – zuletzt juristisch und aktuell heilpraktisch.

Zu Persönlichem geblockt

Ihre Antworten zeigten aber auch, dass sie in der Hansestadt und deren Ortsteilen kaum bekannt und kommunalpolitisch noch nicht in Erscheinung getreten ist. Weshalb sie zum Beispiel ihre Meinung zur Zukunft der Straßenausbaubeiträge schuldig bleiben musste, sich dafür aber entschuldigte und eine Einarbeitungsfrist reklamierte.

Für Neumann – seit 15 Jahren im Stadtrat aktiv – ist das Tagesgeschäft. Die Abschaffung der Beiträge sieht er mit gemischten Gefühlen, weil der Stadt dann noch mehr Geld für Investitionen fehle, für das kein Ausgleich in Sicht ist. Zum Beispiel für die Sanierung von Gehwegen, mit deren Zustand beide Kandidaten ebenso wie die meisten Seehäuser hadern.

Wobei sich der gelernte Metallbauer, der im Hauptberuf die Reihen der allgemeinen Verwaltung des Landebetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft verstärkt, durchaus etwas von der Unbedarftheit seiner Herausforderin abschauen könnte und sich nicht zu starr in Zuständigkeitsgrenzen bewegen und nicht nur „kleinere Brötchen“ backen sollte. Zum Beispiel, wenn es um die Nässeschäden und andere bauliche Mängel an der Gemeinschaftsschule geht, die auch ihren Anteil am aktuell hohen Krankenstand in der Lehrerschaft haben könnten. Und die bei vielen Seehäusern den Verdacht schüren, dass der Landkreis nach dem Gymnasium jetzt vielleicht die Gemeinschaftsschule aufgeben will, womit am Ende sogar das Grundzentrum Seehausen zur Debatte stehen würde.

Zu persönlichen Fragen blockte Rüdiger Kloth ebenso wie Anliegen zum Beispiel zur Zunahme des Lkw-Verkehrs in der Stadt, weil die Kandidatenrunde keine Bürgermeistersprechstunde ist oder weil dafür die Sitzungen des Stadtrates und seiner Fachausschüsse das richtige Podium seien.