Schönberg l Die Seehäuser Wirtschaftsförderin Lisa Weigelt war auf die Aller-Solarfähre zwischen den niedersächsischen Dörfern Otersen und Westen gestoßen. „Dort ist durch die Fähre etwas Tolles entstanden“, sagt sie. Und der Vorsitzende des Heimat- und Fährvereins Otersen, Günter Lühning, kann dies nur nochmal bestätigen. „Wir wurden einmal als Diamant am Aller-Radweg bezeichnet“, sagte er gegenüber Volksstimme. Basierend auf einer „spinnerten Idee“ habe genannter Verein im Jahr 1997 mit der Aller-Solarfähre eine jahrhunderte alte Fährverbindung wiederbelebt. „Wir wollten uns alte dörfliche Qualitäten zurückholen.“ Diese waren teils verschwunden, seitdem alle nur noch mit ihren Autos über Brücken fuhren. 30 Jahre gab es keine Fährverbindung und nun sollten, so war das Ziel, 3000 Personen pro Saison übersetzen.

Wo sollen die Leute denn herkommen?

Wo sollen die denn herkommen, fragten Skeptiker. Und dann holte der Verein gleich 1000 Leute am ersten Tag über. Im ersten Jahr waren es insgesamt 8000, mittlerweile habe sich die Zahl bei rund 5500 pro Saison eingependelt. Der Verein wurde ausgezeichnet, „wir haben die Energiewende schon 1997 eingeläutet“, sagt Lühning.

Aber wie geht das? „Nur im Ehrenamt“, sagt der Oterser. Während sein Dorf drei Kilometer von der Aller entfernt ist, liegt Westen direkt dran. 60 ehrenamtliche Fährleute sorgen dafür, dass die Fähre verkehrt. Knapp die Hälfte hat einen Sportbootführerschein. An Bord sind immer zwei Leute, einer mit Führerschein und ein Fährhelfer. Die Saison geht vom 1. Mai bis zum 3. Oktober. Die Fähre verkehrt samstags von 14 bis 18 Uhr und sonn- wie feiertags von 10 bis 18 Uhr. Ist die Fähre nicht auf dem Wasser, tankt sie Energie. Über ein Kabel, das an einen Bauwagen an Land angeschlossen wird. „Auf dessen Dach sind die Solarmodule.“

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Die Fähre nimmt Personen und Fahrräder mit. Erwachsene zahlen 1,50 Euro für sich und ihr Rad, Kinder 1  Euro. Der Betrieb trage sich trotz jährlicher laufender Kosten von 2500 bis 3000 Euro gut selbst, der Verein kann auch die Sportbootführerscheine seiner Mitglieder bezuschussen, schicke Polo- und Sweatshirts als „Arbeitskluft“ kaufen, den Fährleuten eine kleine Aufwandsentschädigung zahlen „und ein Grillfest ist auch noch drin“.

Kommune erhielt EU-Fördergelder

Was die Fähre betrifft, habe der Verein auf die Unterstützung der Kommune setzen können. Die mittlerweile dritte Fähre (nunmehr mit Bukklappe, aus Metall erbaut und in passender Größe) habe alles zusammen rund 100 000 Euro gekostet. „Das meiste davon waren Fördergelder von der EU für sanfte Erholung“, sagt Lühning. Er nennt die Fähre ein Mehrgenerationenprojekt. Da schiebe der über 70-Jährige mit dem 18-Jährigen zusammen Dienst an Bord „und man lernt sich kennen“. 80 Prozent der Fährleute kommen aus den Dörfern, die restlichen aus der Region. „Wir leisten 1500 Stunden pro Saison, ungefähr das Pensum einer guten freiwilligen Feuerwehr pro Jahr.“

Auf der Elbe könnte das theoretisch auch funktionieren, sagt Lühning. In der größeren Breite des Stroms (die Allerfähre überwindet 50 bis 70 Meter) und in der Strömung sehe Lühning kein Problem. „Die Akkus müssten entsprechend sein. Eine starke Strömung haben wir hier auch.“ Lühning sehe solch Projekt aber nur gelingen, wenn es in ehrenamtlichen Händen liegt. Es müsse ein Zauber entstehen, um so etwas zu stemmen. Dann sei vieles möglich. Mittlerweile ist in Folge sogar ein Aller-Café entstanden, dazu Ferienwohnungen, die belegt sind. Der Aller-Radweg und die Solarfähre hätten sich gegenseitig befruchtet. „Wir sind Botschafter unserer Region.“ Und in diesem Jahr im Übrigen wegen Corona auf Eis gelegt. „Wir haben schon Entzugserscheinungen.“

Die Machbarkeitsstudie für eine Solarfähre zwischen Schönberg und Rühstädt kostet 18 600 Euro und wird mit 90  Prozent durch Leader-Mittel gefördert. Die Idee zum Projekt hatte vor 15 Jahren Stadträtin Susanne Bohlander (Die Grünen). An zwei Solarfähren-Aktionstagen in 2014 und 1015 war das Interesse der Bevölkerung groß.