Osterburg l Die 60 Spaziergänger folgten einer Route, die man auch an Hand eines neueren Faltblattes nach eigenem Gusto nachvollziehen kann. Etliche Exemplare dieses Flyers hatte Bürgermeister Nico Schulz, der die Besucher begrüßte, an die Versammelten verteilt.

Frank Hoche machte auf mehrere Bedeutungen des Datums 3. Oktober aufmerksam: Zum einen hatte Markgraf Albrecht der Bär am 3. Oktober 1157 in Werben eine Schenkungsurkunde, Kirchpolkritz betreffend, unterzeichnet, die Graf Werner IV. von Osterburg als Zeuge mit unterschrieb. Das sei die urkundliche Ersterwähnung der Stadt Osterburg gewesen. Zum anderen wäre jenes Datum gleichzeitig die Ersterwähnung Brandenburgs, da Albrecht Markgraf von Brandenburg war. Und schließlich gilt der 3. Oktober seit 27 Jahren als Tag der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten.

Der Rundgang begann an der evangelischen Nicolaikirche, die gegen Ende des 12. Jahrhundert als romanische Basilika errichtet und im 15. Jahrhundert zu einer dreischiffigen Hallenkirche umgebaut worden war. Nach dem verheerenden Stadtbrand von 1761 war dem Turm eine barocke Haube aufgesetzt worden. Besonders bemerkenswert im Inneren ist die erneuerte historische Buchholzorgel.

In einem traditionsreichen Geschäftshaus in der Breitenstraße aus dem Jahr 1762 ist seit einigen Jahrzehnten das Kreismuseum untergebracht. Vorbei an einem Giebelhaus, das den großen Brand überstanden hatte, und dem traditionsreichen Café Behrends führte der Weg durch die Jüdenstraße, einem den jüdischen Bewohnern Osterburgs zugewiesenen Wohnviertel. Beide Stadtführer erinnerten auch an die Schicksale der Juden in der Zeit des Nationalsozialismus.

Entlang einer auf den Fundamenten der alten Stadtmauer errichteten Backsteinmauer erreichten die Spaziergänger das so genannte Lies-Haus, vor dem sich einst das Seehäuser Tor befunden hatte, heute an einer schwarzen Markierungslinie auf der Fahrbahn erkennbar. Die dann folgende Burgstraße hatte ihren Namen nach einer hier im Mittelalter gestandenen Burg erhalten. Die in der Straße befindliche ehemalige Mädchenschule ist heute Teil des Markgraf-Albrecht-Gymnasiums. Dem ehemals gotischen Rathaus und Ratskeller auf dem Kleinen Markt, im 30-jährigen Krieg zerstört und beim Stadtbrand eingeäschert, folgte die noch heute sehenswerte Bebauung Ratskeller und Rathaus einschließlich Neptunbrunnen. Markantes Gebäude mit wechselvoller Geschichte gegenüber dem Markgraf-Albrecht-Gymnasium ist das Fachwerkhaus mit der Stadt- und Kreisbibliothek. Der Spaziergang führte weiter über die Wallpromenade, vorbei am ehemaligen Wohnhaus des Osterburger Spargelvaters August Huchel, an der katholischen St.-Josef-Kirche, über den kürzlich sanierten August-Hilliges-Platz und endete in der Poststraße.