Osterburg/Krumke l Am Dienstagabend hat der Osterburger Stadtrat die letzte Hürde aus dem Weg geschoben. Bei drei Gegenstimmen und einer Enthaltung votierte die große Mehrheit der Politiker dafür, dass die Einheitsgemeinde Osterburg die Trägerschaft über den Begräbnisort übernimmt.

Dies ist eine Grundvoraus­setzung für den Ruheforst, weil Begräbnisorte nach dem Bestattungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt nur in Trägerschaft von Kommunen, Kirchengemeinden oder Religionsgemeinschafteten bestehen dürfen. Der Stadtrat beschloss außerdem, mit Adrian von Bernstorff einen Vertrag zur Einrichtung und zum Betrieb des Ruheforstes abzuschließen, eine Fläche von 4,5 Hektar zum öffentlichen Waldfriedhof zu widmen und dem bereits ausformulierten Entwurf einer Friedhofssatzung zuzustimmen.

Vor dem Beschluss hatte Sandra Matzat (AfD) für eine Vertagung der Entscheidung plädiert. Insbesondere mit Blick auf das FFH-Gebiet (FFH steht für Fauna-Flora-Habitat), in dem sich der Waldfriedhof befindet, gebe es noch „viele ungeklärte Fragen“, äußerte die Fraktionschefin. Dabei sprach sie unter anderem eine etwaige Belastung des Bodens durch Schwermetalle an. Zudem empfindet es Matzat als zu niedrig, dass der Betreiber des Ruheforstes im Gegenzug für die Übernahme der Trägerschaft durch die Kommune 2,5 Prozent der Nutzungsentgelte des Begräbnisortes an die Einheitsgemeinde überweist. Bürgermeister Nico Schulz (Freie Wähler) hält die Entgelte dagegen, weil „wir mit dem Ruheforst kein Geld verdienen wollen. Mit den 2,5 Prozent finanzieren wir den Aufwand, den wir haben“, entgegnete er. Schulz verwies zudem darauf, dass der Landkreis den Waldfriedhof genehmigt habe, an dem Prüfungsverfahren seien unter anderem das Umweltamt des Landkreises, das Umweltamt des Landes und auch der Wasserverband Stendal-Osterburg beteiligt worden.

Matzats Antrag auf Vertagung der Entscheidung wurde vom Stadtrat abgelehnt. David Elsholz (Grüne) regte aus Naturschutz-Gründen an, dem Ruheforst-Betreiber unter anderem aufzuerlegen, bis auf wenige Ausnahmen für Urnenfahrzeug oder Gehbeeinträchtigte auf Pkw-Stellplätze im Wald zu verzichten, nur eine Beerdigung pro Tag zuzulassen und die Zahl der Teilnehmer an den Bestattungen auf 20 zu begrenzen. Auch diese Vorschläge fanden unter den Stadtpolitikern keine Mehrheit.

Die Übernahme der Trägerschaft über den Waldfriedhof ist dagegen seit Dienstagabend beschlossene Sache. Damit rückt der Ruheforst in greifbare Nähe. Nach den Plänen des Betreibers könnte er Mitte April eröffnet werden. Die Telefonnummer des Ruheforsts Krumke 0152/0766 55 49 ist bereits geschaltet, dort können auch Termine für Einzelführungen vereinbart werden.