Seehausen l Jüngste Sichtungen und Risse an Nutz- sowie Wildtieren in Siedlungsnähe bestätigten den Stadtrat Seehausen am Donnerstagabend, sich das Thema Wolf auf die Tagesordnung zu holen und eine Stellungnahme an die Landesregierung zu verabschieden.

In der heißt es unter anderem, dass die derzeitige Population im Territorium der Stadt und ihrer Ortsteile die Gefahr für Mensch und Weidetiere erheblich erhöhe und dass die Gegend nicht für die Besiedlung durch den Wolf geeignet wäre. Zum Schutz der Bevölkerung, für die unbeschwerte Nutzung der offenen Landschaft in Sachen Naherholung und Tourismus sowie die ausgeprägte natur- und artgerechte Weidetierhaltung seien gesetzliche Änderungen unabdingbar.

Das Land wird in dem Zusammenhang aufgefordert, sich beim Bund ausdrücklich dafür einzusetzen, den strengen Schutz des Wolfes auf europäischer Ebene zu lockern, weil die Art nicht mehr vom Aussterben bedroht sei. Logische Folge wäre, den Wolf mit Jagdzeiten und Abschussquoten ins Jagdrecht aufzunehmen. Außerdem sollten alle schon jetzt zur Verfügung stehenden Mittel ausgeschöpft werden, um in besonders gefährdeten Regionen Schutzjagden nach schwedischem Vorbild durchzuführen. Betroffenen Tierhaltern und örtlichen Jägern sei das Recht zuzubilligen, Wölfe zur Gefahrenabwehr zu töten. Dazu sollten Gebiete wie Naturreservate, Truppenübungsplätze oder Tagebaukippen ausgewiesen werden, in die sich der Wolf zurückziehen kann, wo er von Schutzjagden und Gefahrenabwehr unbehelligt bliebe.

Das Papier wurde schließlich mit einer Gegenstimme von Susanne Bohlander beschlossen, die die Verwaltung und ihre Ratskollegen dazu aufforderte, das Thema weniger polemisch zu behandeln und sich an Fakten zu halten. Sie fragte zum Beispiel, wie denn die angebliche Erhöhung des Gefahrenpotenzials begründet werde und ob es entsprechende Zahlen gebe.

Mit denen konnte in der Tat keiner dienen. Aber mit Blick auf die jüngsten Vorfälle verwies Bürgermeister Detlef Neumann auf den aktuellen Bericht zum Wolfsmonitoring des Landes Sachsen-Anhalt, in dem nach Sichtungen und Rissen davon ausgegangen wird, dass die Zahl der Wölfe stetig zunimmt und dass die Region nicht nur von durchziehenden Wölfen tangiert werde, sondern sich auf der „Altmärkischen Höhe“ wahrscheinlich ein Rudel angesiedelt hat. Und angesichts des Kilometerpensums, das ein Tier pro Tag bewältigen kann, wäre es in den Stadtforst und angrenzende Areale nur ein Katzensprung.

Andere Kommunalpolitiker machten klar, dass der größte Teil der Bevölkerung Angst vor dem Wolf habe und dass sie das als gewählte Vertreter zu respektieren gedenken.