Rossau/Groß Schwechten l So eine Süße, sagen alle. Leya Joleen Brüssow schaut freundlich in die Welt, hat alle vier Stunden Hunger – es läuft gut in den ersten Tagen. Am Mittwoch, 29. Mai, wurde das zweite Kind von Janine (26) und Dennis Brüssow (38) aus Rossau geboren. Mit 3350 Gramm und 52 Zentimetern war sie bei ihrer Geburt „stärker“ als ihr Bruder Joshua vor drei Jahren, der kam aber auch etwas früher als der errechnete Geburtstermin zur Welt. Leya wollte erst viel zu früh kommen, weswegen ihre Mama einen Monat in Magdeburg im Krankenhaus lag, ließ sich dann aber Zeit, war gar eine Woche überm Termin – und kam mit Karacho. Was für eine Geburtsstory! „Auf jeden Fall eine Sturzgeburt, alles unter einer Stunde ist eine Sturzgeburt“, sagt Hebamme Andrea Portele. Und „dass die meisten Frauen es noch souverän ins Krankenhaus schaffen“. Janine Brüssow nicht, aber das ist nicht die einzige Besonderheit, doch von vorn.

Mittwoch vor Himmelfahrt etwa um 23.45 Uhr platzt die Fruchtblase. Zu Hause im Bett in Rossau. „Ich hatte sofort alle zwei Minuten Wehen“, erinnert sich Janine Brüssow, die zunächst ihren Mann anruft. Dennis Brüssow ist Johanniter-Rettungssanitäter bei der Rettungswache Arendsee. Und macht sich von dort aus sofort mit dem RTW und Kollege Gerd Krause auf den Weg nach Rossau. Dorthin ist mittlerweile auch Frank Polley gekommen, Vater der Gebärenden und gleichzeitig Arbeitskollege des werdenden Vaters. Schnell ist klar, was jetzt passieren muss. Frank Polley springt mit in den RTW und fährt mit Kollege Gerd und Tochter Janine mit Blaulicht gen Stendal. Papa Dennis wartet noch zehn Minuten, bis seine Mutter in Rossau ist, die auf Joshua aufpasst, dann fährt er selbst mit dem Auto hinterher. Diese Wahl hat zwei Gründe: Der RTW sollte nicht nur mit einem Mann besetzt wieder zurück gen Arend­see fahren – Kollege Dennis würde ja dableiben. Vor allem aber hat Frank Polley als Geburtshelfer schon einige Erfahrung. Bis dahin waren es drei Fälle, einer davon auch in einem RTW, aber daran war ja nicht gleich zu denken.

Als aber Polley, der hinten im Wagen bei seiner Tochter blieb, von selbiger unterwegs hört, dass es so sehr im Steiß und Rücken drückt, weiß er, was zu tun ist. Tasten und – schon das Köpfchen spürend – die Notärztin dazurufen, anhalten und helfen. Das war auf der B 189 Höhe Groß Schwechten, „nach der Kurve, am sechsten Pfeiler hinter der Brücke, wo der erste Baum wieder steht“ – Frank Polley weiß es ganz genau. Während sein Kollege und Freund Gerd die Gebärende am Kopfende unterstützt und dabei laut Janine Brüssow „so wunderbare Ruhe ausstrahlte“, hilft der werdende Opa seiner Enkeltochter auf die Welt. „Sie hat nur drei- bis viermal gepresst.“ Geburtszeit 0.24 Uhr. Die eintreffende Notärztin schneidet noch die Nabelschnur durch.

Bilder

„Schöner kann man nicht Opa werden“, sagt selbiger. Als der frisch gewordene Papa den Rettungswagen einholte, fuhr dieser gerade wieder los. Per Telefon hatte er erfahren, dass es schon passiert ist. Rettungsassistent und Nichtraucher Gerd (b)rauchte eine Zigarette. Mama Janine, die von der Fahrt wegen der starken Schmerzen nicht mehr viel weiß, ließ sich die Stelle auf der B 189 hinterher erst mal zeigen. Leya Joleen Brüssow wird wohl offiziell in Groß Schwechten geboren worden sein.