Vielbaum l Corona, Corona, Coroooooooooooona! Man hätte mitzählen sollen zu Beginn des Programms. So sehr, wie die Pandemie derzeit die Welt beherrscht, so oft sang, sagte und schrie Marion Bach den Namen des Virus‘ in den Saal. Was hätte dem nicht systemrelevanten politisch-satirischen Magdeburger Kabarett „Zwickmühle“ auch näher liegen sollen, als die nervenaufreibende Corona-Causa auseinanderzunehmen. Eigentlich sollte am Freitag auf den Brettern des Vielbaumer „La Palma“ das Programm „Wir stärken unsere Schwächen“ zur Aufführung kommen. „Aber weil ihr so ein tolles Publikum seid, haben sie kurzerhand beschlossen, das brandaktuelle für euch zu spielen“, sagte Veranstalter Armin Stepanek.

So viele Gäste wie rein durften

Und er sagte noch mehr: Dass das „La Palma“ an diesem Abend die erste Kulturveranstaltung dieses Jahres hatte, dass Corona ihn und seine Frau Ines fast um die Existenz gebracht hat. Und dass „wir aber noch ein bisschen weiter machen“. Die Zwickmühle und Stepaneks seien sich darin einig gewesen, „dass es auch nicht richtig sein kann, nichts zu tun. Zur Not gibt‘s ne Nullrunde“. Aber zum Glück – die Gäste kamen. So viele, wie laut Abstandsregeln in den Saal durften, waren drin. „Heute sind wir zufrieden“, sagte Stepanek.

Soforthilfe schnell alle

Während Marion Bach und ihr Kompagnon Hans-Günther Pölitz auf der Bühne in ihrem Programm „Alle für keinen – keiner für alle“ lautstark die vermeintliche Corona-Solidarität auseinander nahmen, sprach Armin Stepanek im stillen Kämmerlein gegenüber Volksstimme klare Worte aus: „Noch einen Lockdown überleben wir nicht. Ganz sicher, dann sind wir Geschichte.“ Nach reichlichen Investitionen in Küche, Saal und Außengelände wollten sich die beiden nun „etwas für die Rente zurückpacken“. Aber daraus wurde nichts. Wegen der Pandemie hatte das Veranstaltungszentrum „ein halbes Jahr null Einnahmen“. Ja, sie erhielten die Corona-Soforthilfe über 9000 Euro und auch noch etwas Geld aus dem zweiten Konjunkturpaket, „aber das reichte alles vorne und hinten nicht. So ein großes Objekt hat viele laufende Kosten“. Von dem komplizierten und kostenaufwändigen Antrags- und Nachweisprozedere einmal abgesehen, „aber das ist nochmal eine andere Geschichte“.

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Mit Privatvermögen gerettet

Den Stepaneks sei jedenfalls nichts anderes übrig geblieben, „als ihr privates Geld in das Unternehmen reinzuschießen“. Das aber sei naturgemäß endlich. „Im Sommer waren wir soweit, Insolvenz anzumelden. Aber unser Steuerberater hat gesagt: Wer jetzt vom Karren springt, bleibt liegen.“ Also weiter im Text. „Wir haben uns mit Arbeit zugedeckt, um nicht wahnsinnig zu werden.“

Im August endlich wieder Familienfeiern. Von den fünf angemeldeten kamen aber nur zwei zustande. „Die Leute waren sehr verhalten, hatten Angst.“ Und wenn die Feier statt mit 70 nur mit 25 Personen stattfindet, mache sich dies auch im Geldbeutel bemerkbar. „Man muss wissen, dass wir rein von den Veranstaltungen, von Hochzeiten, Geburtstagen, Vereins- oder Betriebsfeiern leben – bei uns gibt‘s ja kein Essen à la carte.“ Und darauf umzuschwenken würde auch erstmal eine Menge Werbung kosten. Die Betonung liegt auf „kosten“.

Die Devise laute also, Augen zu und durch. Darauf hoffen, dass kein Lockdown kommt, dass die Feiern wieder zunehmen. Die für den 17. Oktober geplante Senioren-Herbstfeier musste das „La Palma“ wegen zu geringer Nachfrage leider absagen, aber der Freitagabend habe Mut gemacht.

Viel Zuspruch von Kunden

Für die mehr als ausverkaufte Veranstaltung mit Gregor Gysi konnte Stepanek mit dem 9. April den Ersatztermin bekanntgeben. An einem neuen Termin für das Leipziger Kabarett „Akademixer“ sei er dran.

Im nächsten Jahr ist es 30 Jahre her, dass Stepanek das Vielbaumer LPG-Objekt erwarb. Die Familie erlebte wilde Zeiten damit, Warteschlangen bis über die Straße und das plötzliche Aus für die heiße Discozeit samt Insolvenz. Mit dem Rückbau des Saales und dem neuen Fokus auf Privatfeiern und Kulturveranstaltungen setzten die beiden auf das richtige Pferd. „Bis vor Corona lief es echt gut.“ Das möge auch noch so weitergehen, wegen der Rente und überhaupt.

In der Zeit des Lockdown erhielten Stepaneks etlichen Zuspruch à la „haltet bitte durch“. „Manchmal sind uns beiden echt die Tränen gelaufen.“ Sie wollen es wirklich gerne: durchhalten. „Im Grunde fangen wir aber trotzdem wieder ganz von vorne an.“