Arneburg-Goldbeck l Es ist ja bei Weitem nicht nur der adipöse Über-65-Jährige betroffen. „Der plötzliche Herztod betrifft auch den jungen Fußballtrainer“, sagt Thomas Pflanz. Er ist Projektmanager der Björn- Steiger-Stiftung, auf die René Schernikau, Verbandsgemeindebürgermeister von Arneburg-Goldbeck, im Rahmen einer Vorstellung in Arendsee aufmerksam geworden ist. Und die sich deutschlandweit unter anderem um mehr Herzsicherheit bemüht. Nach Vorgesprächen auch mit den Mitgliedsgemeinden sind gestern die ersten von insgesamt neun geplanten Laien-Defibrillatoren angebracht worden. Einer im Goldbecker Verwaltungsamt, einer im Rathaus.

Während Torsten Krüger, Projektkoordinator der Stiftung, zum Fixieren der Säule Löcher in den Boden des Verwaltungsamtes bohrte, führte Pflanz kurz vor, wie der "Automatisierte Externe Defibrillator“ (AED) funktioniert. „Es ist einfach, das Gerät sagt uns, was wir tun müssen.“ Wenn ein Mensch plötzlich umgekippt ist und nicht mehr atmet, gilt es – nach Alarmieren des Notdienstes – einen Knopf zu drücken, eine Lasche zu ziehen, den Oberkörper des Patienten freizumachen. Dann müssen zwei Pads angebracht werden und der Helfende wartet, bis das Gerät den Patienten „vermessen“ hat. „Es gibt den Elektroschock nur frei, wenn wirklich ein Herzkammerflimmern vorliegt“, sagt Pflanz. Anschließend gibt der Defi mittels Piepton sogar den Rhythmus der Herzdruckmassage vor, die dem Schock folgen muss. Der Defi spricht laut und auffällig langsam mit den Nutzern. „Adrenalin hat man ja in solchen Situationen genug“, sagt Schernikau. Insgesamt neun Defibrillatoren sollen angebracht werden, in jeder Gemeinde einer (Goldbeck hat zwei). Abseits der ganz praktischen Hilfe geht es Schernikau auch um die Sensibilisierung für das Thema „Erste Hilfe“ überhaupt. „In den USA steht an jeder Ecke ein Defi.“ Zur Säule gehören jeweils noch zu terminierende Schulungen in Kitas und Grundschulen, auch Angebote für die Öffentlichkeit. Gestern erhielten gleich die Verwaltungsmitarbeiter eine Einweisung.

Die Säulen sind mit vier Jahre haltenden Akkus ausgestattet. Kommt das Gerät zum Einsatz, müssen sie ausgetauscht werden, was kostenfrei ist. „Nur“ am Anfang kostet der Defi Geld – 3000 Euro pro Säule. Für die ersten beiden ging die Stiftung in Vorleistung. Plan sei, dass Firmen die Geräte sponsern, was im Allgemeinen auch funktioniere. „Wir können auch jeweils ein Sponsorenschild davor anbringen“, so Schernikau.

Die Gemeinden bestimmen, wo die Defis angebracht werden. Sollen sie draußen stehen, brauchen sie zusätzlich Strom zum Kühlen im Sommer beziehungsweise Heizen im Winter. Allzu oft habe sich der Defi ausgezahlt, laut Pflanz gerade erst bei einem baden-württembergischen Autohausbesitzer. Er wollte etwas für die Sicherheit seines 30-köpfigen Personals tun und investierte in einen Defibrillator. „Ein viertel Jahr später hat er ihn selbst gebraucht.“