Seehausen l Trickbetrüger kennen keine Verwandten und machen auch vor gemeinnützigem Engagement nicht halt. Das durften die Mitglieder des Seehäuser Waldbadfördervereins in dieser Woche feststellten. Zum Glück, ohne Lehrgeld zahlen zu müssen.

Knapp 5000 Euro hätten bisher Unbekannte vom Vereinskonto abzweigen wollen, das die Waldbadfreunde bei der Kreissparkasse Stendal unterhalten, so der Vereinsvorsitzende Walter Fiedler im Gespräch mit der Volksstimme. Den aufmerksamen Mitarbeitern des Geldinstitutes und hausinternen Kontrollmechanismen ist es zu verdanken, dass der Verein vor finanziellem Schaden oder zumindest vor großem Ärger bewahrt wurde.

Angriff erfolgte analog

Der Angriff auf die Vereinsrücklagen erfolgte dieser Tage in Zeiten des Internets ganz altmodisch, nämlich analog mit einem Überweisungsformular, das außerhalb der Öffnungszeiten in der Bismarker Filiale im Postkasten hinterlassen wurde. Um zu vermitteln, dass es sich bei der Transaktion vielleicht um das Begleichen einer Rechnung handelt, ließen sich der oder die Täter eine krumme Summe über 4823 Euro einfallen. Cent-Beträge hinter dem Komma schienen dann aber offenbar doch zu dick aufgetragen. Um die Sache perfekt zu machen, fälschten die Betrüger die Unterschrift von Walter Fiedler. Und das offenbar gar nicht mal so schlecht, wie der Vereinsvorsitzende feststellte, kurz bevor er bei der Polizei Anzeige gegen unbekannt erstattete.

Fahrlässiges Verhalten muss sich der Verein nicht vorwerfen lassen. Die Kontonummer ziert für Bezahlvorgänge und zur Information für potenzielle Spender jedes offizielle Vereinsdokument. Einen Blick auf Fiedlers Unterschrift zu werfen, ist auch kein Hexenwerk. Der Ruheständler ist unter anderem Vorsitzender von zwei Vereinen, Mitglied des Seehäuser Stadtrates und Vize-Bürgermeister. Irgendetwas gibt es da immer mal zu unterschreiben. Allerdings beweist das Vorgehen auch, dass sich die Betrüger mit der Sache vorher schon etwas beschäftigt haben.

Wichtigstes Kriterium für das Auffliegen der falschen Überweisung war übrigens das Fehlen einer zweiten Unterschrift, wie sie auch die Vereinssatzung als sogenanntes Vier-Augen-Prinzip vorsieht.

IBAN vermeintlich deutsch

Der Verwendungszweck war wohl hinter einer fiktiven Rechnungsnummer verschleiert. Auffällig war noch die IBAN, bei der man vielleicht eher ein ausländisches Konto vermutet hätte. Allerdings beklagen Insider, dass auch das umgangen werden könnte und das Geld eben nicht auf einem vermeintlich deutschem Konto landet. Was am Ende sicher die Ermittlungen erleichtert hätte.

So geht Walter Fiedler davon aus, dass der oder die Betrüger nicht ermittelt werden. Und er ist dankbar dafür, dass die Kreissparkasse nicht nur Sponsor des Vereins, sondern jetzt auch ein Stück sein Retter ist.