Wischer l Eine Bank aus Paletten kombiniert mit alten Holzstämmen, die Garage, der Schuppen, die Überdachung der Terrasse – auf dem Grundstück von Tino Braune in Hassel trägt vieles das Prädikat „Marke Eigenbau“. Gerade macht der 37-Jährige an den Feierabenden aus alten Ölfässern coole, gepolsterte Sitzmöbel mit der Aufschrift „Wa-Ca-Wi“. Dahinter verbirgt sich nicht weniger als das, was Tino Braune „am besten bis zur Rente“ weiterentwickeln möchte: das beziehungsweise den „Waldbad-Campingplatz-Wischer“. Der Pachtvertrag mit der Gemeinde zunächst über zehn plus fünf Jahre ist unterschrieben, die Tinte trocken. Mit dem neuen Jahr ist Braune der Chef auf dem Platz. Ab Mitte Oktober kann er bereits rauf, um erste Arbeiten zu erledigen. Das ist mit Noch-Pächter Michael Bathge so abgesprochen.

Braune, der in Stendal aufwuchs, kennt das Waldbad seit seinen Kindertagen. Er sieht am Eingang noch die Massen an Fahrrädern stehen. „Campen war ich dort aber nicht.“ Braunes Vater habe immer gesagt, für die Erholung braucht es ein bisschen Abstand von zu Hause. So fuhr die Familie zum Campen im „Klappfix“ und „QEK Junior“ auf die Havelberger Spülinsel. Schön sei das damals gewesen – heute plant Braune für seinen „eigenen“ schönen Campingplatz.

Davor stand beruflich etwas ganz anderes. Erst die KfZ-Techniker-Lehre in Wolfsburg, dann Bundeswehr (Gebirgsjäger), ein Abstecher in die Speditionsfirma seines Vaters, Meisterschule in Magdeburg, schließlich seit zwölf Jahren die Anstellung bei Renault Stendal als KfZ-Meister. „Aber seien wir ehrlich, die Leute geben ihr Geld lieber für drei Tage schön Campen aus als für eine Autoreparatur, von der sie nichts sehen“, beschreibt Braune seine Motivation für den Wechsel. Er habe das Gefühl gehabt, dass er sich die Chance nicht entgehen lassen darf. Dieser Freizeitbereich liege ihm einfach. Dabei war der Schritt reiflich überlegt, vor allem besprochen mit seiner Frau Katja. Alle Daumen gingen hoch. „Mach es“, sagen Verwandte wie Freunde.

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Braune, der bereits an seiner Internetseite feilt, möchte, „dass da was entsteht“. Ihm schwebt zunächst einmal vor, dass es nur noch einen zentralen Eingang gibt, der eher unscheinbare zum Waldbad hin werde geschlossen, gegebenenfalls für Veranstaltungen geöffnet. Im Campingbereich sollen teils alte Holzhütten durch neue ersetzt werden, Braune spricht von Schlaffässern, Baumzelten, Ostalgiecampen, Wohnwagen zum Ausprobieren. Im Waldbadbereich soll der Imbiss saniert werden, eine Badeplattform entstehen, „und es braucht etwas Schatten am Strand“. Braune sei offen für Veranstaltungen jedweder Art. Triathlon, Volleyball und dergleichen – der Vater eines Sohne habe selbst bis ins Alter von 25 Jahren regelmäßig in Wischer den Volleyball gepritscht.

Vielleicht sei es gar möglich, dass man eines Tages am Strand von Wischer heiraten kann. „Aber da muss man natürlich gucken, ob die Verwaltung das mitmacht.“ Braune wolle jedenfalls offen in jedweder Beziehung sein. Er sei viel in Gesprächen, etwa auch mit der DLRG. In Bälde will er selbst seinen Rettungsschwimmer machen, „damit ich weiß, worüber wir da reden, dann habe ich meinen zweiten Meister“, schmunzelt Braune und schickt hinterher, dass er auch noch einen Gesundheitsschein benötigt. Den Imbiss am Strand möchte er schließlich aus seinem Team heraus bewirtschaften. Braune schätzt, dass er in der Hochsaison vier bis fünf Leute für alles braucht. Den Wald­gasthof, dessen Pächterin bald aufhört, was Braune sehr bedauert, möchte er indes in gute Hände verpachten. Für Familienfeiern, die dort das ganze Jahr über gut laufen, könnten auf dem Campingplatz auch Übernachtungsmöglichkeiten entstehen, denkt er über Einnahmemöglichkeiten im Winter nach. „Ich kann ja nicht nur zu Hause sitzen und irgendwas bauen.“ Das zu Hause in Hassel ist Luftlinie übrigens nur 800 Meter vom „Wa-Ca-Wi“ entfernt. Es passt also, wenn Braune sich auch im Klaren darüber sei, dass er Feierabend im jetzigen Sinne dann nicht mehr haben wird. „Aber ich weiß ja genau, wofür ich‘s tue.“

Kontakt zu Tino Braune unter Tel. 0172/3 16 51 89.