Keine Zuschüsse

Waldbad zu kommerziell?

Die Seehäuser Badfreunde wundern sich, dass es für das Schwimmbecken keine Zuschüsse gibt. Jetzt wissen sie zumindest, warum.

Von Ralf Franke 24.06.2017, 01:01

Seehausen l Das Bundes­finanzministerium vermeldet regelmäßig neue Steuerüberschüsse, in Sachsen-Anhalt bleiben derweil Jahr für Jahr einige hundert Millionen Euro Fördermittel liegen, die aus den verschiedensten Gründen nicht abgerufen werden. Zum Beispiel, weil es bei Interessenten am Eigenanteil fehlt oder weil der passende Zuschusstopf noch nicht ge- beziehungsweise erfunden wurde.

Derweil steht das Seehäuser Waldbad im wahrsten Sinn des Wortes immer mehr vor einer Zerreißprobe. Selbst Optimisten in den Reihen der Badfreunde sagen inzwischen, dass die Tage der Naherholungsstätte, die 2018 immerhin 80 Jahre alt wird, gezählt sind, wenn sich nicht bald etwas am maroden Schwimmbecken tut. Das ist nach jedem Winter bekanntlich fast so durchlässig wie ein schweizer Käse.

Gedanken über eine Sanierung haben sich die Verantwortlichen der Kommune, insbesondere des Badfördervereins, schon reichlich gemacht und sich wegen der immensen Kosten längst mit einen abgespeckten Ersatz für das derzeit noch 50 Meter lange Becken abgefunden. Trotzdem sind immer noch drei Millionen Euro für das Gesamtpaket im Gespräch. Doch wenn die Neuerungen und Verschönerungen abseits des Beckens mit in die Waagschale einer Gesamtrechnung geworfen werden dürften, könnten die Alandstädter sicher einen beachtlichen Eigenanteil vorweisen.

Die ungenutzten EU-Gelder waren vor einiger Zeit Anlass für den Vorsitzenden des Badfördervereins, Walter Fiedler, der auch als stellvertretender Bürgermeister im Stadtrat sitzt, einen Brief an seinen CDU-Parteikollegen und Finanzminister André Schröder zu schreiben, der allerdings erst im zweiten Anlauf beantwortet wurde. In der Stadtratssitzung am Donnerstag zitierte er aus dem Schreiben, das weder nach seinem Geschmack noch nach dem seiner Mitstreiter war.

Demnach wurde er aus Magdeburg unter anderem darüber belehrt, dass der kommerzielle Betrieb der saisonalen Freizeitstätte einer Bezuschussung im Weg stehe. Ob mit kommerziell gemeint ist, dass Eintritt verlangt wird oder dass ein Unternehmen den bezuschussten Betrieb aufrecht erhält, ist nicht klar. Jedenfalls stieß die Nachricht auf Unverständnis.

So war den Stadträten keine vergleichbare Einrichtung bekannt, die ohne kommerziellen Hintergrund betrieben wird. Außerdem stehe die Aussage im krassen Widerspruch zur gängigen Förderpraxis, hieß es unter anderem mit Blick auf das Magdeburger Fußballstadion. Das bekommt bekanntlich eine millionenschwere Finanzspritze, damit die FCM-Fans hüpfen können. Oder ganz aktuell moniert der Landesrechnungshof Fördermittelmissbrauch beim Bau des Eisstadions in Schierke. Eine Liste, die sich noch lange fortsetzen ließe.

Die Flinte schmeißen die Seehäuser deshalb aber noch nicht ins Wasser. So hoffen sie auf Verstärkung, wenn sie Innenminister Holger Stahlknecht ins Benehmen gesetzt haben, der sich für Montag, 31. Juli, in Seehausen angekündigt hat – Abstecher ins Waldbad inklusive.

Bis dahin will Walter Fiedler eine Unterschriftenaktion für das Waldbad ins Leben rufen. Wie genau, will er in Kürze bekanntgeben. Die Unterschriften seiner Stadtratskollegen forderte er aber schon einmal am Donnerstag ein.

Außerdem setzen die Badfreunde auf neue Zuschussprogramme, die auf Einrichtungen wie das Waldbad zugeschnitten wären, bestätigte auch der Seehäuser Bürgermeister Detlef Neumann, der bei allem Kommerz hofft, dass das Waldbad auch über den 80. Geburtstag Bestand hat.