Neukirchen l Die Idee hatte Lisa Weigelt, sagte der Dorfvereinsvorsitzende Thomas Musche gleich. Und Lisa Weigelt wiederum verriet, „dass das von den Kossebauern geklaut ist“. Dort werde traditionell zur Grünkohlwanderung eingeladen und warum sollten nicht auch die Neukirchner abseits von ihrem Dorffest, dem Weihnachtsmarkt, Weihnachtsbaumverbrennen und Maifeuer mal zu einer aktiveren Form der Begegnung einladen? Diese Idee kam sehr gut an. An die 40 Personen, dazu einige Hunde fanden sich am Sonnabend zur besten Mittagsschlafzeit am Mehrzweckgebäude ein. Günter Berkau hatte den Bollerwagen mit Kaffee und Kuchen an der Hand. Kurze Einweisung und dann ging‘s los.

Der erste Halt war nur einen Katzensprung entfernt: das Rittergut oder vielmehr das, was noch davon übrig geblieben ist. Bryan Skalei, der in Neukirchen aufwuchs und schon viel zur lokalen Geschichte recherchierte, gab einen kurzen Abriss zur Historie des Hauses. Von Familie Grävenitz, deren Wappen noch am Altar der Kirche zu sehen sei, war unter anderem die Rede. Von einem Besitzer namens Litzmann und Felix Hoesch, der von 1890 bis 1930 Eigentümer war und nicht nur den Neukirchnern als Schweinezüchter bekannt ist. Einige wissen darum, dass die Rasse Deutsches Landschwein ihm zu verdanken ist. „Ich hab mir sagen lassen, es sind die mit den stehenden Ohren“, so Skalei. Aber das war einmal. Das Gebäude, das zu DDR-Zeiten auch eine Kneipe und das Bürgermeisterbüro beherbergte, ist schon lange Spekulationsobjekt, verfällt zusehends. Aktuell gehöre es einer Firma aus dem Allgäu, „wir sind immer noch auf der Suche nach einem edlen Ritter, der es rettet“, sagte Thomas Musche.

Traurig, diese Sache mit dem Rittergut, aber das Wetter am Sonnabend war wunderschön. Bei Sonnenschein zog die Gruppe an der Aue entlang, wo nicht nur René Jurok sich wunderte, dass diese überhaupt kein Wasser führt, obwohl es doch regnete. „Mensch, früher sind wir hier mit dem Kuhtrog langgeschippert. Da war immer Wasser in der Aue.“

Bilder

Großes Erstaunen

Nächster Halt: die Wiese, auf der früher die Geflügelfarm stand. Die Bilder aus dem Privat­archiv der Familie Bernhardt betrachtend, staunte die Runde nicht schlecht. Große Fenster, viel Platz für die Hühner drinnen wie draußen: „Da kommen wir heute wieder hin“, sagte Thomas Musche angesichts von Fotoaufnahmen etwa aus den 1950er Jahren.

Die Karawane zog weiter, passierte die Dorfstraße, schritt den Kreisweg entlang, um an der Steinbrücke einen letzten Zwischenstopp einzulegen. Gegen eine kleine Spende gab‘s Kaffee und Kuchen, Thomas Musche erzählte noch ein bisschen über den Wald. Und dann ging‘s mit Blick zur Elbe weiter zum Anglerheim, wo die Winterwanderung in schöner Einkehr mit Grillgut und Co endete. Pächter Ingo Lobenstein und Tochter Jette aus Schönberg waren die viereinhalb Kilometer lange Strecke selbst mitgelaufen. „Ja, warum nicht, sagte er. Man lernt doch immer dazu. Ich wusste zum Beispiel noch gar nicht, dass die Hühnerfarm mal Bernhardts gehörte.“

Im Anglerheim gab es das verdiente Bierchen. Thomas Musche warnte anfangs im Scherze, „denkt daran, ihr müsst danach noch zwei Kilometer zurück ins Dorf“. Spätestens da, beim Nachhauseweg im Dunkeln, war der Beschluss gefasst: „Das wiederholen wir.“

Gut so, sagt Bürgermeister Willi Hamann: „War doch eine runde Sache. Alles gut organisiert und man konnte sich mit Leuten unterhalten, die man sonst selten sieht.“