Wasmerslage l Gerade war der Wasmerslager „Schweine-Streit“ halbwegs vom Tisch, hat die Stadt Osterburg grünes Licht für den ersten Teil der Anlagenerweiterung gegeben, da kommen schwere Vorwürfe aus dem Betrieb selbst.

Mitarbeiter der Anlagenbetreiberin Mesa Agrar GmbH haben sich an die Volksstimme gewandt, um „Missstände“ öffentlich zu machen. Anlass seien Kündigungen beziehungsweise Vertragsänderungen, wegen der sie nicht wüssten, wie die Anlage weiter arbeiten soll. Und ein Vorfall, der sich vor wenigen Tagen gegen 23 Uhr abgespielt habe: Die Mitarbeiter, deren vollständige Namen der Redaktion vorliegen, beklagen, dass „heimlich hochtragende Sauen abtransportiert wurden“. Zu einem Zeitpunkt nach dem 102. Belegetag, als dies nicht mehr hätte passieren dürfen.

Hintergrund sei aus ihrer Sicht eine ständige Überbelegung. Im sogenannten Flatdeck-Stall genauso wie im Abferkelbereich, Sauen würden in Ställen abferkeln, wo sie dies normalerweise nicht dürften.

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"Keine heimliche Aktion"

Vertreter der Mesa Agrar GmbH, die im März gemeinsam mit ihrem Mutterkonzern LFD Holding an die in der Schweiz ansässige Terra Grundwerte AG überging, zeigten sich im Gespräch mit der Volksstimme angesichts der Vorwürfe empört. „Ja, es gab einen Transport spät abends, aber von Jungsauen“, sagt Heidrun Spengler-Knappe, Geschäftsführerin der LFD-Holding. „Das war keine heimliche Aktion, wir haben sie so spät transportiert, weil es tagsüber so heiß war.“ Überdies seien weder das Flatdeck noch der Abferkelbereich überbelegt, auch ferkelten Sauen nicht ab, wo sie es nicht dürfen, fährt die Geschäftsführerin fort.

"Derzeit kaum was zu tun"

Aktuell seien 700 Sauen und nur 3000 Läufer im Stall – weitaus weniger als laut Genehmigung (10941 Tierplätze) möglich. Was auch der Grund dafür sei, dass Leuten gekündigt wurde. Drei rumänischen Mitarbeitern sei die Beschäftigung an einem anderen Standort angeboten worden, der Betriebsleiter erhielt eine Änderungskündigung und könnte am Standort Demsin arbeiten. Einem Geringbeschäftigten wurde gekündigt. „Es gibt in Wasmerslage im Moment einfach nicht viel zu tun“, sagt Thomas Kirschner. Er ist Prokurist bei der Lindhorst-Gruppe, die vom neuen Schweizer Eigentümer mit einem Managementvertrag für die LFD-Holding, die insgesamt 18 Schweineanlagen hat, beauftragt wurde. „Wir befinden uns jetzt in einer Phase der Umstrukturierung“, so Kirschner.

Seuchenwanne aktuell nicht nutzbar

Was die Mitarbeiter außerdem monieren: Es könne de facto kein Feuer gelöscht werden, da sämtliche Hydranten über das Wasserwerk versorgt würden, was aber entkernt sei. Dieses Problem sei Spengler-Knappe nicht bekannt, „das werden wir vom Brandschutzbeauftragten prüfen lassen“. Indes sei richtig, dass die Seuchenwanne „nicht nutzbar“ ist, was sich aber spätestens mit der Anlagenerweiterung ändern würde.

Dass Mitarbeiter an den Wochenenden alleine arbeiten, sei erlaubt. Dass die Emmissionswerte laut aktueller Genehmigung nicht eingehalten werden, stimme nicht. Das sei gerade behördlich überprüft worden. Es sei auch Wunsch des Unternehmens selbst, die Emmissionen weiter zu verringern, was mit den geplanten Abluftreinigungsanlagen im Rahmen der Betriebserweiterung ja passieren soll.

LFD spricht von "starkem Tobak"

Für die LFD Holding sei der Fall klar, „hier werden Mitarbeiter aus ihrer Komfortzone geholt und wollen sich rächen“. Das Unternehmen spricht von „starkem Tobak“, in Teilen von „Verleumndung“.

Auf der Gegenseite überrasche es die Mitarbeiter nicht, dass das Unternehmen keine Missstände „zugebe“. Ihre Vorwürfe haben sie bei der Immisionsschutzbehörde in Halle und auch beim Landkreis Stendal angezeigt.

Die Kreisverwaltung bestätigte Letzteres auf Anfrage. Am 11. August habe das Veterinäramt den Betrieb kontrolliert, der zuständige Bereichsleiter sei anwesend gewesen. „Überzählige tragende Sauen waren nicht im Betrieb und so mit bestand das Problem fehlender Abferkelplätze nicht“, heißt es in der Mitteilung von Kreissprecherin Angela Vogel.

Um der Tierschutzanzeige weiter nachzugehen, habe die Kreisverwaltung betriebliche Unterlagen zum Tierbestand einschließlich zum Verbringen der Sauen angefordert. Gestern konnte die Behörde gegenüber der Volksstimme noch kein Resultat vermelden, bleibe aber da dran.