Schönberg l Der Wischeverein hat am Sonntagnachmittag den Naturmenschen Eugen Kisselmann kennengelernt. Wer die Natur so malen kann wie der in der Altairegion Russlands geborene Kisselmann, muss vorher vor allem eines: die Natur ganz genau beobachten. Am besten dort, wo der weltbekannte Maler jetzt wohnt: am Schönberger Deich, im so genannten Rabennest. Dort sagte der Wischevereinsvorsitzende Helmut Sasse zunächst, „dass wir uns heute einmal selbst beschenken wollen. Wir möchten durch deine Augen sehen, Eugen“. Auch zum Trost, denn über Pfingsten hätte die vom Wischeverein organisierte und wegen der Corona-Pandemie abgesagte „Kultourspur“ stattgefunden. Auch der Hof von Eugen und Tatjana Kisselmann wäre eine Station gewesen – nun war sie es anderer Natur. Nicht die beeindruckenden Bilder Kisselmanns standen im Mittelpunkt, sondern Kisselmann als Naturbeobachter. Dieser lenkte den Blick seiner Gäste zunächst nach oben. Zu den von ihm gebauten und besetzten Schleiereulen- und Turmfalkenkästen und den Geschichtchen dazu. Wochenlang habe es Kämpfe zwischen den beiden Parteien gegeben, „die Turmfalken machen immer Action“. Nun sind die Reviere verteilt und hat Kisselmann über dem Turmfalkennest gar noch Löcher für Mauersegler in die Wand geschlagen, „ich will beweisen, dass sie den Turmfalken nicht stören“. Bisher haben die per CD abgespielten Lockrufe noch nicht gefruchtet, „aber irgendwann kommen sie“. So sagte Eugen Kisselmann, nachdem seine Frau verraten hatte, dass ihr Mann „tierische Angst vor Mäusen hat. Er springt auf die Tische“. Vor allem aber liegt ihm die Natur so sehr am Herzen, dass er seltene Arten wie die Sibirische Iris oder den Großen Wiesenknopf vermehrt und auspflanzt, dass er eine Streuobstwiese und eine Vogelschutzhecke angelegt hat. Was ist das? Diese Frage wurde am Sonntag oft gestellt. Und beantwortet mit Wiesenglockenblume, Ochsenzunge, Kuckuckslichtnelke, Honiggras, Kornrade, Glatthafer, Wiesenknäuelgras oder tagaktiver Nachtfalter. Zwei Stunden bewegten sich die Gäste durch Kisselmanns Welt. Zum Dank wurde dieser mit Vogelhäuschen, einem Fledermauskasten und einer heimischen „Pimpernuss“ beschenkt. Der Wischeverein hatte sich schlau gemacht. „Diesen Strauch hast du noch nicht“, so Sasse.

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