Osterburg l Wochenmarkt-Urgestein Meinhard Jüstel freut sich auf die Rückkehr zum Hilliges-Platz. Jüstel, der Früchte vom Obsthof Peters aus Werben anbietet, hat sich über die Jahre hinweg auch auf dem Parkplatz Lindenstraße sowie dem Verbinder zwischen Wallpromenade und Parkplatz sein Stammpublikum erhalten. Im Haupteinkaufsbereich an der Breiten Straße werde aber auch wieder mehr Laufkundschaft die Stände ansteuern, sieht er hoffnungsfroh nach vorn.

Seit 15 Jahren baut Jüstel in Osterburg beim Wochenmarkt seinen Stand auf, an seiner Seite Doris Neumann. Jörg Rosenkranz gehört zu den Stammkunden: „Hier bekomme ich frisches Obst und ein nettes Gespräch. Das gehört für mich einfach mit dazu.“ Carsten Gruhn hat an seinem Textilstand etwas zu bieten, was es vorher dort noch nicht gab: Masken. „Seit 20 Jahren arbeite ich mit einer Magdeburger Firma zusammen. Die Chefin Phan Thi Binh hat auf die Schutzmaßnahmen sofort reagiert und in Heimarbeit Textilmasken angefertigt“, erzählt er, „das ist doch eine positive Sache.“ 30 Stück hatte er letzte Woche dabei, zwei waren zu Mittag noch übrig. Ute Sliwa brauchte zwar keine, weil sie sich ihre schon vorher für den Supermarkt gesichert hatte. Aber sie war trotzdem froh über den Textilstand.

Brunnen muss freigehalten werden

„Die Leute finden gut, dass es weitergeht. Und erst recht, wenn wir wieder auf dem Hilligesplatz sind“, bemerkte Gruhn abschließend. An der frischen Luft und mit genügend Abstand sei ja nun wirklich nichts gegen einen Einkauf einzuwenden.

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„Es hat alles seine Vor- und Nachteile“, sagt Stadtrat Michael Handtke (CDU-Fraktion) über die Rückkehr des Marktes auf den Hilliges-Platz. „Der Brunnen auf dem Platz muss freigehalten werden. Zudem ist es dort enger. Manche fanden gerade gut, dass sie bisher durch den direkten Parkplatzanschluss leichteren Zugang zu ihren Waren hatten.“ Letzten Endes überwiege aber sicher die Freude auf den Hilliges-Platz, stimmt er zu.

„Ich finde das sehr schön“, macht dann auch Erika Bukowski (80) deutlich. Anders als in den Vorjahren hat die Seniorin schon kurz vor Ostern und noch auf dem bisherigen Wochenmarkt-Standort einen Stand aufgebaut. Denn eigentlich ist der Karsonnabend ihr großer Tag, an dem sie in ihre alljährliche Marktsaison startet. Dann schnappt die Seniorin ihr Strickfahrrad und richtet im Kreismuseum ihren Stand für den Ostermarkt auf. Weil der diesmal der Corona-Pandemie zum Opfer fiel, verlegte Erika Bukowski ihren Auftakt auf dem Wochenmarkt vor, um dort ihr Frühlings- und Osterangebot feilzubieten. Obwohl sie die verordneten Einschränkungen aufgrund der Pandemie versteht und akzeptiert, trauert sie dem ausgefallenen Ostermarkt ein Stück weit hinterher. Sie wäre am Sonnabend das 26. Mal dabei gewesen. An die Anfänge erinnert sie sich genau. Irene Mertens holte als Ideengeberin einen nach dem anderen ins Boot, erst Hans Brehmer mit seinen Stuhlflechtarbeiten, dann sie mit ihren Handarbeiten und Marmeladen.

Marmeladen, Gelee nebst Likör

In diesem Jahr hat Erika Bukowski gehäkelte Ostereier und Eierbecher im Angebot, umhäkelte Schnapsflaschen inklusive. Das könne man immer gebrauchen, auch nach Ostern. Ja, wenn sie schon mal Marmelade und Gelee kocht aus Früchten eigener Ernte, macht sie den Likör gleich dazu, verrät die Osterburgerin lächelnd. So kennt sie es von Haus aus, besser gesagt von ihrer Mutter. „Ich kann mir das ohne dem Ganzen gar nicht vorstellen“, sagt Erika Bukowski und zeigt eine Auswahl ihrer Gläschen. 40 Sorten hat sie beisammen: von Quitte bis Rote Bete und Aronia, die Klassiker Erdbeere, Himbeere und Heidelbeere sowieso. Im vergangenen Jahr besorgte sie sich extra einen Kessel für Pflaumenmus. Die Premiere war ein voller Erfolg. Die 100 Gläser gingen so schnell weg, dass die Osterburgerin die neue Ernte kaum erwarten kann.