Osterburg l Die Talfahrt nimmt einfach kein Ende. Lag die Leerstandsquote 2017 noch bei rund 22 Prozent, steht in diesen Tagen jede vierte der 624 Wohnungen ohne einen Mieter da. „Es gibt eine große Fluktuation, immer noch verzeichnen wir viele Wegzüge aus Osterburg“, nennt Geschäftsführer Rüdiger Mallohn eine Rahmenbedingung, gegen die das kommunale Tochterunternehmen machtlos sei. Mit Blick auf das betagte Alter vieler Mieter (der Altersdurchschnitt beträgt 58 Jahre) erklärt sich ein zweites „Warum“ für den steigenden Leerstand: Sterbefälle hinterlassen Lücken, die die Gesellschaft nicht ohne weiteres schließen kann. Insbesondere für Einraum-Wohnungen sei es schwierig, neue Interessenten zu finden. Früher einmal besonders begehrt, „stehen an der Fröbelstraße im Gebiet An der Golle mittlerweile 36 von 72 entsprechenden Wohnungen leer.“

Weiterer Rückbau ist nicht ausgeschlossen

Weil ungenutzte Wohnungen keine Einnahmen erzielen und dennoch Geld kosten, „könnte ein Rückbau wieder Thema werden“, bestätigt Mallohn. Aber ob sich die Gesellschaft auf diese Weise ein Stück weit gesund schrumpfen kann, ist Stand heute eher fraglich. „Denn allein aus eigener Kraft ist ein Abriss für uns nicht machbar, das ist zu kostspielig. Er müsste gefördert werden, ein solches Programm gibt es nach meiner Kenntnis derzeit aber nicht“, macht der Geschäftsführer deutlich. Eine zweite Option scheint dagegen alternativlos: „Wir werden ganz sicher weiterhin konsequent in die Attraktivität der Immobilien investieren“, sagt Mallohn. Abseits eines Finanzvolumens von 150.000 bis 180.000 Euro, dass der Verwalter jährlich aufbringt, um leergezogene Wohnungen für neue Mieter fit zu machen, seien so im Vorjahr im Altneubaugebiet Fassaden und Kellereingänge erneuert worden. Jetzt denke man über Aufwertungsvorhaben im Umfeld der Wohnhäuser nach.

Fahrstühle an der Seelenbinder-Straße

Zudem stelle man sich die Frage, „wie wir ältere Mieter länger bei uns halten können.“ Aufzüge, die die Erreichbarkeit von Wohnungen in oberen Etagen verbessern, könnten eine Antwort sein, an der die Wohnungsgesellschaft bereits arbeitet. So werde man in diesem Jahr im Quartier An der Golle in Fahrstühle investieren, kündigt Mallohn an. Konkret geht es um das Gebäude Werner-Seelenbinder-Straße 1 bis 4 und die Hauseingänge 1 und 2. „Balkone im Süden, der Zuschnitt der Wohnungen passte - dieser Wohnblock war in der Vergangenheit eigentlich immer sehr nachgefragt. Zuletzt aber nahm der Leerstand auch dort zu, bis auf aktuell 40 Prozent“, sagt Mallohn. Um den Block aufzuwerten und insbesondere die Wohnungen im Obergeschoss für potenzielle Mieter attraktiv zu machen, will die Gesellschaft mit Unterstützung eines Aufzugs-Förderprogramms des Landes Fahrstühle in vorerst zwei Eingängen installieren, „die dann auch tatsächlich auf Ebene der Wohnungen halten.“ Damit im Haus der benötigte Platz frei wird, müssten auf jeder Etage heutige Dreiraumwohnungen in Zweiraum-Appartements umgestaltet werden. Mitte Februar seien den Mietern die Pläne vorgestellt worden, zudem habe man mit Betroffenen individuelle Gespräche geführt. Laufen die Vorbereitungen nach Plan, könnten die Arbeiten im September beginnen und im kommenden Jahr ihren Abschluss finden.

Abseits davon habe die Wohnungsgesellschaft, die neben der eigenen Appartements noch 220 Wohnungen für Dritte verwaltet, in diesem Jahr auch die Komplettsanierung von zwei Wohnungen an der Wiesenstraße auf dem Zettel. Mit der Gesamt-Investitionssumme für 2019, die Rüdiger Mallohn im mittleren sechsstelligen Bereich verortet, dürften wie in der Vergangenheit vor allem Arbeiten von Handwerkern aus der Region finanziert werden. „Das ist unser Anliegen, weil wir mit unserer Praxis, mit hier ansässigen Betrieben zusammenzuarbeiten, sehr gute Erfahrungen gemacht haben“, begründete der Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft.