Werben l Die Nachfragen reißen bei Werbens Bürgermeister Bernd Schulze zu einem Thema nicht ab: Dürfen die Berliner ihren Zweitwohnsitz in Werben auch in Corona-Zeiten aufsuchen? Anscheinend gibt es nicht wenige Einwohner aus dem Elbstädtchen, die über den aktuellen Besuch aus der Hauptstadt verärgert sind.

Die Berliner handeln derzeit nicht ungesetzmäßig. „Das ist ein Versäumnis des Landes Sachsen-Anhalt. Das ist bei uns nicht geregelt“, macht der Bürgermeister auf die Lage aufmerksam. Er hat sich beim Ordnungsamt der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck erkundigt. Der Stadt sind also die Hände gebunden. Die Gesetzeslage scheint in allen anderen 15 Bundesländern anders zu sein als zwischen Arendsee und Zeitz. Zu jenen, die die „Teilzeitbewohner“ an der Elbe derzeit mit Besorgnis betrachten, gehört auch Stadtrat Michael Nix. Dieser appelliert an die Vernunft: „Wenn es geht, sollten wir alle die meiste Zeit zu Hause verbringen.“

Gerade in Pandemie-Zeiten hätten viele Gemeinden Angst, zum nächsten Infektionsherd zu werden. So wächst auch anscheinend in Werben die Sorge darüber. Mehrere Berliner Familien haben im Elbstädtchen ein Haus erworben, gastieren meist an den Wochenenden in Werben und genießen dort ihre Freizeit. Das kann als großer Segen für die mehr als 1000-jährige Stadt gesehen werden, zumal viele Großstädter Kultur in die Altmark tragen und so das kulturelle Leben in Werben bereichern. In Corona-Zeiten wächst bei einigen jedoch die Unverständnis darüber, dass die Berliner (und Familien aus anderen Orten) Werben einen Besuch abstatten.

Verständnis für das Vorgehen der Berliner zeigt Pensions-Besitzer Gunter Zwinzscher. „Ich kann mich gut in deren Lage versetzen“, meint der Werbener. Ein Gros der Familien reist mit kleinen Kindern an und würde auf ihrem Grundstück verbleiben, sagt Zwinzscher, der die Reaktion einiger Werbener für übertrieben hält.

Allerdings seien auch die Berliner aufgerufen worden, in der aktuellen Situation in ihren Wohnungen zu bleiben. Dass die Verantwortlichen auch für Sachsen-Anhalt eine klare Regelung treffen werden, hofft Stadtrat Michael Schnelle, der sich bereits an den Landrat Patrick Puhlmann gewendet hat. In der aktuellen Situation sieht Schnelle Gefahren für die Bevölkerung, wenn die Eigentümer der Zweitwohnungen Tage in Werben verbringen.

Die gleiche Meinung vertritt der Behrendorfer Joachim Lange. „Zu Dutzenden“ wären die Berliner und Zweitwohnungsbesitzer aus anderen Bundesländern am Wochenende angereist. „Dafür fehlt mir jedes Verständnis“, betont Lange. Im Familienkreis haben sich Langes sogar entschieden, dass ihre Tochter aus Hamburg zu den Osterfesttagen nicht in ihre ehemalige Heimat kommen wird.

„Um die Ansteckungsrisiken zu minimieren und Infektionsketten zu unterbrechen, ist es verboten, Reisen aus touristischem Anlass und zu Freizeitzwecken nach Sachsen-Anhalt zu unternehmen. Dies gilt auch für Reisen, die zu Freizeitzwecken zum Zweitwohnsitz unternommen werden“, teilte gestern auf Nachfrage das Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration mit. Bei der Regelung gehe es darum, die Infektionsgefahren, die durch touristisches Reisen entsteht, zu minimieren. „In diesem Sinne können jene Menschen, die sich derzeit an ihrem Zweitwohnsitz befinden, dort auch weiterhin aufhalten“, heißt es abschließend in der Mitteilung der Pressesprecherin Ute Albersmann.