Arendsee

150 Jahre: Tourismus in Arendsee nähert sich einem Jubiläum

Wer auf dem Arendser Seeweg unterwegs, ist kann sich wohl nicht vorstellen, dass dort bereits vor über 100 Jahren Menschen spazieren gingen, um sich zu erholen. Das Strandbad erfreute ebenfalls viele Generationen, wie alte Ansichtskarten beweisen.

Von Christian Ziems
Eine Auswahl von alten Ansichtkarten, die ausschließlich das Gelände des heutigen Strandbades zeigen. Die auf diesem Foto älteste Karte (verschickt 1911) befindet sich in der Mitte. Daneben liegen Exemplare aus den 1920er (oben von links) und 1930er Jahren sowie aus den 1950er (unten von links) 1960er und 1980er Jahren.
Eine Auswahl von alten Ansichtkarten, die ausschließlich das Gelände des heutigen Strandbades zeigen. Die auf diesem Foto älteste Karte (verschickt 1911) befindet sich in der Mitte. Daneben liegen Exemplare aus den 1920er (oben von links) und 1930er Jahren sowie aus den 1950er (unten von links) 1960er und 1980er Jahren. Foto: Christian Ziems

Arendsee - „Vom schönen Arendsee herzliche Grüße“, wurde nicht etwa jüngst per Smartphone in soziale Medien gepostet, oder als Abschluss einer E-Mail formuliert: Es steht mit Tinte geschrieben auf einer gedruckten Ansichtskarte. Diese wurde, wie der Poststempel auf der Rückseite belegt, am 25. Juni 1924 verschickt. Und zwar versehen mit Urlaubsgrüßen nach Potsdam. Es ist ein Beispiel für die lange Tourismustradition der Region. Der Ursprung ist bekannt, die Grundlagen wurden durch eine Aktiengesellschaft ab 1872 gelegt. Dazu gehörte das Schaffen von offiziellen Bademöglichkeiten. Dies jährt sich 2022 zum 150. Mal. Noch ist nicht entschieden ob, dieser Fakt ein Bestandteil der geplanten Veranstaltung zum See-Jubiläum (1200 Jahre Erdfall) wird, aber ein Blick zurück lohnt sich trotzdem.

„Fräulein“ war früher eine Frage der Höflichkeit

Es gibt jede Menge Jahreszahlen, verbunden mit besonderen Entwicklungen, wie dem Bau von Urlauber-Gebäuden. Aber auch über die damaligen Gepflogenheiten lässt sich auf Ansichtskarten viel erfahren. Diese Zeugnisse vergangener Zeiten von Arendsee sind unter anderem auf verschiedenen Seiten im Internet zu finden und zu erwerben. Die Exemplare reichen teilweise bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zurück. Damals und auch in den Jahrzehnten danach war es üblich, aus Gründen der Höflichkeit unverheiratete Frauen auf der Adresszeile der Postkarten mit „Fräulein“ anzureden.

Die Motive auf der Vorderseite zeigen oftmals Stadtansichten. Besonders häufig gibt es auch Bilder von Badenden. Dabei bildet häufig das Strandbadgelände den Hintergrund, auch wenn dieser Name vielfach unerwähnt bleibt. Stattdessen ist vom Strand- oder Badeleben sowie vom „Bad der Altmark“ die Rede. Auf einigen DDR-Karten steht „Bad der Werktätigen“.

Es lässt sich auch ganz gut der Wandel der Mode erkennen. Auf der vorderen Seite einer Karte, die 1924 von Arendsee aus verschickt wurde, sind am Ufer des Sees im Sand Frauen zu sehen. Sie tragen lange Kleider, die sogar die Füße bedecken, bis zum Hals geschlossene Blusen und Hüte. Die Kinder und Männer hatten offensichtlich Badekleidung an, die von den Knien bis zu den Schultern reichten.

Auf dieser Karte und einem weiteren Exemplar (1911 verschickt) sind im Hintergrund Holzhütten zu sehen. Diese dienten wohl einst zum Umziehen. Kleinere Stege gab es damals ebenfalls.

Tribüne als Hintergrund genutzt

Besonders zu DDR-Zeiten entstanden Ansichtskarten mit Blick auf den Vorläufer (durch Eisgang 1982 zerstört) der heutigen Tribüne. Auffallend ist: Das Holz ist manchmal kaum zu erkennen, so viele Menschen befanden sich auf den Konstruktionen. Und die Gäste trugen zum Beispiel in den 1950er-Jahren beim Besuch der Tribüne auch elegante Kleider beziehungsweise Anzug und Krawatte. Wobei die damaligen Wasserrutschen aus Holz den heutigen Sicherheitsvorschriften kaum noch genügen dürften. Die Vorlieben bei der Bekleidung haben sich ebenfalls gewandelt. Das Strandbad wird vor allem für das Badevergnügen und nicht mehr zum Flanieren genutzt.