Salzwedel l Es riecht noch nach Baustelle im Haus an der Neuperverstraße. Die Stufen sind teilweise mit Stoff bedeckt. Flatterbänder sperren Wege ab, leiten die Besucher hinauf in den zweiten Stock.

Hier stehen die Neugierigen dicht an dicht. Dietrich von Gruben, Mäzen des Kunsthauses, bittet in einen Raum. Es ist Zeit, die Premierenausstellung zu eröffnen. „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit dem Verein Atelierhaus Hilmsen“, sagt er. Und er schlägt vor, sich jedes einzelne Kunstwerk erklären zu lassen. Der Hilmsener Künstler Hans Molzberger, der die amerikanischen Gäste betreut, berichtet, dass die Ideen für die Arbeiten oft erst in Deutschland entstanden seien.

Laura Sprague hat sich durch den Besuch im ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald für ihre Hand-Installation inspirieren lassen. Die Körperteile, die so viel sagen können, hat sie aus schwarzem Ton gearbeitet. Hillaree Hamblin berichtet, wie sie Steine und Holz in der Altmark gesammelt hat. Die Oberfläche der Steine hat sie mit Salzlake abgewaschen und dadurch besondere Einblicke erzeugt. „Diese Miniaturen können Studien für größere Skulpturen sein“, denkt sie laut nach.

Raben stehen für Weisheit

Rachel Gardner ist sehr am Lebenskreis interessiert. Deshalb hat sie dargestellt, wie es durch den Tod Leben gibt, erzählt sie. Ein Rabe locke die Wölfe zu einem Kadaver, den die Raubtiere reißen und somit auch dem Vogel Nahrung bieten. Der Rabe als Symbol für Wissen und Weisheit hat es auch Nancy Johnson angetan. Die Amerikanerin hat vor 45 Jahren Kunst studiert. Dann hat sich ihr Leben anders entwickelt. Sie war Direktorin eines Museums, sammelt Kunst. Aber erst seit ihrem Aufenthalt in Hilmsen hat sie wieder zurück zu ihrem Können gefunden und zahlreiche Ölbilder geschaffen, erklärt Hans Molzberger. „Sie hat sich in der Zeit hier freigemalt“, lobt er.

Stephanie Darling hat einen riesengroßen Walkadaver dargestellt, Ricardo Ruiz sich auf seinen Zeichnungen mit seinen Wurzeln auseinandergesetzt. Sheila Swift Kahe präsentiert Collagen und ein Video. Robert Straight, der sich mit dem Material Glas beschäftigt, hat drei Arbeiten zugesteuert.

Die Gäste kommen mit den Künstlern ins Gespräch, schauen noch einmal genau hin. „Das sind die künftigen Ausstellungsräume“, beschreibt Anne Schliephake, der das Format der Einzelvorstellungen sehr gefällt. Für Dietrich von Gruben bedeutet die Ausstellungspremiere „ein kleines Stück angekommen zu sein und Freude, dass so viele Menschen gekommen sind“. „Aber über Zimmertüren müssen wir noch mal nachdenken. Es hallt ganz schön“, fügt er hinzu.