Salzwedel l Die Buchhandlung von Rainer Neitzel am Mittwochvormittag. Obwohl nur noch ein Tag bis zum Heiligabend bleibt, verirren sich nur wenige Kunden in das liebevoll eingerichtete Geschäft in der Burgstraße. „Gerade sind wir mit einer Kundin übereingekommen, dass man von einem Weihnachtsgeschäft nicht so wirklich reden kann“, erzählt der Händler enttäuscht.

Er wisse nicht, ob es am Zuwachs des Online-Handels liege, aber im Vergleich zum Vorjahr zeichne sich doch ein deutlicher Negativ-Trend ab. Der Bericht des Buchhändlers lässt für die Bilanz des Weihnachtsgeschäfts in der Innenstadt nichts Gutes ahnen. Das hätte Auswirkungen, denn die Tage vor Weihnachten sind für viele Händler die umsatzstärkste Zeit im Jahr. Für manche sind sie überlebenswichtig. Die Frage ist: Zeichnet sich auch allgemein ein negativer Trend im Weihnachtsgeschäft ab? Und falls ja, woran könnte das liegen?

Unterschiede

Um die Antwort vorwegzunehmen: Insgesamt fällt die Bilanz des Weihnachtsgeschäfts so düster nicht aus. Eine Umfrage der Volksstimme zeigt: Der Umsatz der Händler ist branchenabhängig. Otto Wüstemann, Händler eines Geschäftes für Wohnideen, berichtet etwa: „Wir sind sehr zufrieden“. Er habe deutlich mehr Umsatz erzielt als im vergangenen Jahr. „Das liegt aber auch daran, dass wir mehr Weihnachtstypisches wie Pyramiden oder Kunst aus dem Erzgebirge im Angebot haben als 2014“, sagt Wüstemann.

Auch Ines Eggers, Inhaberin des Modegeschäftes City-Classic, ist ingesamt zufrieden. Luftsprünge mache sie in diesem Jahr zwar nicht, erzählt sie. Beim Verkauf von Mützen und Schals etwa mache sich die milde Witterung deutlich bemerkbar. Trotzdem seien die Kunden dem Geschäft treu geblieben, nur die Vorlieben hätten sich verlagert. In diesem Jahr verkaufe sie vermehrt Kleinigkeiten wie Schmuck, Tücher und passend zum Wetter eben auch T-Shirts, berichtet Eggers.

Ladenhüter Winterkleidung

Während warme Winterkleidung eher zu den Ladenhütern gehört, ist die Marktlage bei Sportartikeln allem Anschein nach stabil. Keinerlei Veränderungen im Vergleich zu den Vorjahren stellt Silke Kräuter von Sport-Spiel-Salzwedel in der Altperverstraße fest: „Unsere Bilanz fällt okay aus. Wir haben keine Umsatzeinbrüche zu beklagen“, sagt sie.

Das Kundenaufkommen habe sich höchstens verschieden auf die Wochen verteilt. „An manchen Tagen war weniger los. Das hat sich aber wieder ausgeglichen“, sagt die Mitarbeiterin des Geschäfts. Auch an die Konkurrenz des Internethandels habe man sich inzwischen gewöhnt. Man bemühe sich, so gut es geht mitzuhalten.

Problem Internethandel

Mitzuhalten. Das versucht auch Dieter Heuer, Inhaber des Geschäftes Radio Rißling in der Neuperverstraße. Doch es fällt dem Elektronikhändler immer schwerer, der Konkurrenz durch Online-Mitbewerbern zu begegnen. „Das Weihnachtsgeschäft läuft definitiv schlechter als im vergangenen Jahr.“ Das Internet setze seinem Geschäft schon zu. Ein Patentrezept gegen die Abwanderung der Kunden hat Heuer nicht: „Da kann man leider nicht viel gegen tun“, sagt er.

Die Salzwedeler allerdings, die können schon etwas für den Erhalt ihrer Läden tun. Für Kurzentschlossene öffnen heute Vormittag noch einmal viele Händler die Geschäfte. Wer sein Buch, Handy oder die Kette für die Liebste in Salzwedel kauft, sorgt zugleich dafür, dass das auch im nächsten Jahr noch möglich ist.

Im Geschäft von Rainer Neitzel scheint sich diese Nachricht schon am Mittag verbreitet zu haben. Denn plötzlich sind sie da, die Kunden. „Sehen Sie, das ist jetzt der Vorführeffekt“, sagt Rainer Neitzel noch mit einem Lächeln. Dann muss er sich um die Kunden kümmern, muss beraten, abkassieren und verpacken. Am Ende könnte es vielleicht also auch für den Buch- und Elektrohandel doch noch ein gutes Weihnachtsgeschäft werden.