Drebenstedt l „Die Voruntersuchung hat gezeigt, dass hier etwas unter der Erde schlummert“, erzählt Archäologe Dr. Andreas Selent, der im Auftrag des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt die Rettungsgrabung bei Drebenstedt betreut. „Aber dass wir hier ein klassisches Grubenhaus finden, das auch noch so gut erhalten ist, damit hatten wir nicht gerechnet“, fügt er hinzu. Die Grundfläche der kleinen Hütte, die wohl gewerblich genutzt wurde, sei 3 x 2,40 Meter groß. Auch die Stellung der Pfosten, die das Dach gehalten haben, sei genau ablesbar.

Anhand der Funde sei belegbar, dass das Haus aus der Römischen Kaiserzeit (27 vor Christus bis 476 nach Christus) stamme. „Für uns war es ebenso wie für die lokalen Archäologen eine schöne Überraschung“, merkt Andreas Selent an. Die Entdeckung des Grubenhauses zeuge davon, dass in der heutigen Feldmark einst Menschen gewohnt hätten. Denn solch ein Wirtschaftsgebäude habe nie allein gestanden. „Da müssen in der Nähe auch Wohnhäuser gewesen sein“, weiß er.

Sicher sei auch, dass bereits in noch früheren Zeiten die Vorfahren hier gesiedelt hätten, sagt der Archäologe. Er macht das unter anderem am Bruchstück einer Steinaxt fest, die er in die Jungsteinzeit (etwa 5000 bis 2000 vor Christus) datiert. Und er zeigt einen glatt geschliffenen Stein, der wohl zum Mahlen von Getreide verwendet wurde. Ans Tageslicht gekommen seien auch Scherben von Gebrauchsgegenständen. Die Keramik sei teilweise mit konzentrischen Ringen, das seien Rillen, die umlaufen, sowie mit Sparrenmustern verziert. Diese Muster seien ebenfalls ein Indiz für die Römische Kaiserzeit.

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Feuersteine gefunden

„Wir haben aber auch bearbeitete Feuersteine, auch Flint genannt, gefunden“, berichtet Andreas Selent. Diese seien im frisch geschlagenen Zustand sehr scharf und zum Abschaben von Fleisch sowie zum Bearbeiten von Knochen und Geweihen genutzt worden. Die Blütezeit dieser Steine sei in der Jungstein- und Bronzezeit gewesen, erklärt er und zieht einen Bogen zur heutigen Zeit: „Manche Chirurgen operieren noch mit Flint, weil dessen Schärfe mit der eines Skalpells vergleichbar ist.“

Andreas Selent bezeichnet die Arbeit bei Drebenstedt als eher „nicht große Grabung“. Dennoch erachtet er die Baubegleitung beispielsweise beim Entstehen eines Windparkes wie hier bei Drebenstedt als wichtig. „Wenn wir hier nicht mit Ausgrabungen dabei sind, dann ist das Überlieferte unserer Vorfahren für allemal weg“, stellt er fest. Deshalb würden die Ergebnisse umfassend dokumentiert, um sie der Nachwelt zu erhalten. Denn nach den Untersuchungen werde die Fläche wieder zugeschoben.

Im Zuge der weiteren Arbeiten werde er den Bau aus archäologischer Sicht begleiten, blickt er voraus.