Salzwedel l Die Akustikprobe nähert sich dem Ende, gleich wird es ernst im Salzwedeler Hanseat. Während sich Max Herrmann und Julian Berger noch über die besten Sticks austauschen, überlässt ihr Lehrer Benjamin Ulrich von der Musik- und Kunstschule Stendal nichts dem Zufall. Sorgfältig kontrolliert er das Schlagzeug, justiert nach, hört aufmerksam auf die Töne. Obwohl seine beiden Schützlinge schon mehrfach an „Jugend musiziert“ teilgenommen haben, ist der Wettbewerb immer wieder eine spannende Angelegenheit. Wer ist eigentlich im Vorfeld aufgeregter, Lehrer oder Schüler? „Ich glaube, ich bin aufgeregter“, vermutet Benjamin Ulrich lächelnd.

Während im Hanseat die Teilnehmer in der Kategorie Drum-Set (Pop) ihr Programm absolvieren, singt sich der Salzwedeler Ruslan Wellner im Kaminzimmer der Musikschule ein. Auch er ist ein erfahrener Jugend-musiziert-Teilnehmer: „Zweimal für Gesang, sechs oder sieben Mal mit Gitarre“, sagt der 23-Jährige. Für den diesjährigen Wettbewerb hat er mit seiner Lehrerin Miriam Büttner-Mühlenberg ein Programm mit Liedern von Schubert, Mozart, Haydn, Voigtländer und Zuccalmaglio einstudiert. Damit man im entscheidenden Moment fit ist, sollte man zwei Stunden zuvor keine großen Mahlzeiten zu sich nehmen, so Ruslan Wellners Empfehlung. „Höchstens Wasser und Obst.“

Daumendrücken

Viele Eltern begleiten ihre Kinder zu dem Wettbewerb. Sie drücken ihnen die Daumen und helfen über die Wartezeiten zwischen Probe, Wertungsauftritt und Bekanntgabe der Ergebnisse hinweg. Aufregung? Andreas Launspach, dessen Tochter Mercedes ebenfalls in der Kategorie Gesang antritt, verneint. „Wir wissen doch, wie sie übt“, sagt er und weiß: „Beim Wettkampf, dann ist Mercedes voll da.“ So auch am Sonnabend. Mercedes Launspach und Ruslan Wellner von der Kreismusikschule Salzwedel lösen die Fahrkarte zum Landeswettbewerb.

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Wer bei „Jugend musiziert“ dabei sein will, muss sich im November des vorhergehenden Jahres dafür anmelden und dann viel üben. „Die Schüler, die hier teilnehmen, üben mehr als andere“, weiß Jens Peter Dossin, Lehrer an der Salzwedeler Kreismusikschule.

Fleiß

Der Einsatz mache sich dann auch bei den Prüfungen am Schuljahresende bemerkbar. Dass sich hinter den mit scheinbarer Leichtigkeit vorgetragenen Stücken viel Fleiß verbirgt, ist auch den Eltern bewusst. „Die vielen Stunden Arbeit sieht kein Mensch. Was die Kinder hier leisten, dass ist echt der Hammer“, sagte Bianka Bierhals aus Heeren bei Stendal. Sohn Ben Bierhals war am Sonnabend unter den Teilnehmern der Kategorie Drum-Set dabei, Tochter Tabea nahm im Cello-Duett mit Jonas Gesekus teil.

Nicht nur der Preis ist für die Teilnahme bei „Jugend musiziert“ ausschlaggebend, weiß Jens Peter Dossin. Auch die Motivation, die Leistung zu verbessern und das Aufeinandertreffen mit Kindern und Jugendlichen, die ebenfalls die gewählten Instrumente spielen, sind Gründe, sich dem Urteil der Jury zu stellen.

Neue Perspektive

Trotz mehrfacher Teilnahmen an „Jugend musiziert“ ist der diesjährige Wettbewerb für Lukas Graf aus Kalbe ein Novum aus anderer Perspektive. Der 19-Jährige absolviert sein Freiwilligen Soziales Jahr in der Musikschule und betreut am Sonnabend im Hanseat das Mischpult. Interessant, so das Fazit von Lukas Graf, der sein freiwilliges Jahr nutzt, um nach Klavier und Violine auch Bassgitarre zu lernen.

Lob gab es am Wochenende von den Gästen für die Wettbewerbsorte. „Das Hanseat ist wirklich was Besonderes“, schwärmte Benjamin Ulrich. Für die beiden Kategorien Drum-Set (Pop) und Gitarre (Pop) sei es genau das richtige Ambiente. Till Malte Mossner, der als Juror für die Sänger bei „Jugend musiziert“ aus Halle nach Salzwedel kam, zeigte sich nicht nur von den Bedingungen in der Musikschule begeisterte, sondern auch von der Hansestadt als solches. „Es ist sehr angenehm hier.“

Am Ende der beiden Wettbewerbstage gab es zahlreiche erste und zweite Plätze. Insgesamt 33 Schüler aus der Altmark haben in den Solo- und Ensemblewertungen die erforderliche Punktzahl erreicht und nehmen nun am Landeswettbewerb teil, der vom 17. bis 19. März in Halle stattfinden wird. Das Festkonzert der Preisträger des Regionalwettbewerbes findet am Sonntag, 12. März, im Musikforum Katharinenkirche, Schadewachten 48, in Stendal statt. Beginn ist um 15 Uhr.