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Ausstellung Alltagskultur auf Fotos konserviert

Museumsleiter dokumentiert in einer Sonderausstellung Situationsaufnahmen von dörflicher und städtischer Infrastruktur, die zu verschwinden droht oder sich bereits verändert hat.

Von Antje Mewes 27.10.2024, 07:00
Museumsleiter Ulrich Kalmbach hat eine Sonderausstellung mit  Fotografien gestaltet, die  „Archive des Alltags und gestörte Idyllen“ heißt.
Museumsleiter Ulrich Kalmbach hat eine Sonderausstellung mit Fotografien gestaltet, die „Archive des Alltags und gestörte Idyllen“ heißt. Foto: Antje Mewes

Salzwedel. - An vielen Dingen, die zum Dorf-, Stadt- oder Landschaftsbild gehören, gehen die Leute vorbei, ohne sie wirklich wahrzunehmen. Warum auch, sie sind ja immer da. Doch manchmal sind sie über kurz oder lang einfach weg – abgerissen, entfernt, zurückgebaut.

Relikte der Alltagskultur für die Nachwelt auf Fotos gesichert

Damit vergeht weitgehend unbemerkt ein Stück Alltagskultur. Für die große Historie ist das vielleicht unbedeutend, aber nicht für die Epoche, in der die Gebäude, Einrichtungen oder Gegenstände gebaut, genutzt und gebraucht wurden. Manchmal verschwinden sie nicht ganz, sondern werden nur modernen Gegebenheiten angepasst.

Diese Entwicklung hat Danneil-Museumsleiter Ulrich Kalmbach fotografisch festgehalten, zielgerichtet, um genau solche geschichtlichen Relikte für die Nachwelt zu sichern , oder als Nebenergebnis seiner Arbeit als Historiker. Teile aus diesem umfangreichen Dokumentationsprojekt sind aktuell in einer Sonderausstellung zu sehen. Dazu gehören die Situationsaufnahmen aus Städten und Dörfern. „Es geht dabei nicht darum, die Menschen bei traditionellen Bräuchen oder Festen zu zeigen, sondern um die Infrastruktur, wie sie sich verändert“, erklärt er.

Wer achtet schon auf das Tor zu einem ehemaligen LPG-Gelände. Dabei ist es durchaus ambitioniert gestaltet. Aus Metall mit dem Namen der Produktionsgenossenschaft und vielen künstlerisch anmutenden Schnörkeln. Bestimmte Motive, wie die halbe Sonne, finden sich in weiteren metallenen Toren oder Zäunen aus DDR-Zeiten wieder. Manchmal hängen sie als Begrenzung zu einem Betriebsgelände bereits schief in den Angeln, dennoch sind sie Zeugnisse der Geschichte. Genau wie Bekanntmachungsaushänge, Briefkästen, Bushaltestellen, Feuermelder oder vieles mehr. Ein weiteres Beispiel sind die großen Waagen für Fahrzeuge, die in fast jedem Dorf zu finden waren, Wiegehäuschen inklusive. Manchen stehen noch, aber viele sind bereits aus dem Ortsbild verschwunden. Die kleinen Feuerwehrhäuser verlieren ebenfalls ihre Bedeutung, wenn neue gebaut oder zentrale Stützpunkte errichtet werden.

Kleinkosmos Friedhof

In einem Langzeitprojekt zur Gedenkkultur entstanden auch Aufnahmen, die den Kleinkosmos von Friedhöfen widerspiegeln: Wasserstellen, zum Teil mit Handpumpe, das unvermeidliche Bataillon der Gießkannen, Geräteständer, Eingangstore... Viele Trauerhallen haben einen ähnlichen Baustil, er ist noch zu erkennen, obwohl sie vielfach bereits saniert und umgebaut wurden. Diese und viele weitere Details oder Gegebenheiten sind auf den Fotos zu sehen.

Der zweite Teil der Ausstellung heißt „gestörte Idylle“. Er befasst sich mit der Schönheit der Landschaft in der Altmark. Beworben wird sie als weitgehend unberührt. Aber stimmt das tatsächlich? In vielen Fällen wird der Blick in die Ferne getrübt, von menschlichen Eingriffen. Technische Male, nennt sie der Museumsleiter. Sie werden ebenfalls oft nur noch beim genaueren Hinsehen bemerkt. Erst Recht, wenn es sich um Stromleitungen oder Windräder handelt, an deren Anblick sich die Bevölkerung gewöhnt hat, selbst wenn sie „die alten Wegmarken der mittelalterlichen Kirchen überragen“, wie Kalmbach betont. Dabei gibt es auch viele andere „Störungen“ der Fernsicht, wie gerade rund um Salzwedel oberirdische Erdgassonden oder -trassen und ähnliches. Manchmal sind die Aufnahmen der „gestörten Idylle“ schon jetzt historisch, etwa die von einer alten Turmmühle und einem in der Perspektive danebenstehenden Windrad.

Die Ausstellung ist noch bis zum 27. Dezember von Dienstag bis Sonntag sowie feiertags von 13 bis 17 Uhr zu sehen.