Salzwedel l Im Juli 2002 fiel die Entscheidung, dass der Altmarkkreis Salzwedel als einzige Region in Sachsen-Anhalt wahrscheinlich niemals einen direkten Autobahnanschluss bekommt. Die Politik in Person des damaligen Bundesverkehrsministers Kurt Bodewig (SPD) sowie die beteiligten Länder Niedersachsen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt entschieden sich für die H-Variante, um die größte Autobahnlücke der Republik zu schließen.

Der Plan: im Westen (in Niedersachsen) der Weiterbau der A39 von Wolfsburg nach Lüneburg entlang der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt. Im Osten die Verlängerung der A14 von Magdeburg bis nach Schwerin, und damit einmal durch den Landkreis Stendal.

A39: Rückschritt statt Fortschritt?

Das Politik-Versprechen damals: Auch der Altmarkkreis wird infrastrukturell bedacht. Die beiden neuen Autobahnteilstücke werden über die sogenannte B190n von Bad Bodenteich über Salzwedel bis Seehausen mit einer breiten Bundesstraße verbunden. Doch passiert ist in dieser Hinsicht bisher nicht viel. Zur großen Enttäuschung von Landrat Michael Ziche (CDU).

Während die A14 langsam ins Rollen kommt – für fast alle Teilstücke gibt es Baurecht – sieht es im Westen anders aus. Die A39-Teilstücke werden immer noch beplant, wie es im Behördendeutsch heißt. Für einige Streckenabschnitte hat noch nicht einmal das Planfeststellungsverfahren begonnen, Baurecht ist noch lange nicht in Sicht.

„Wann Baurecht für die einzelnen Abschnitte vorliegen wird, ist abhängig von dem Verlauf der einzelnen Planfeststellungsverfahren und kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschließend konkretisiert werden“, lautet die knappe Antwort von Annette Padberg aus der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. Keine Veränderung zu einer Volksstimme-Anfrage aus dem September 2016, sogar eher ein Rückschritt. Denn: „Der Planfeststellungsbeschluss für Abschnitt 7 Ehra bis Wolfsburg wurde mit Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes für rechtswidrig und nicht vollziehbar erklärt.“

Für Landrat "Frage der politischen Wahrheit"

Doch auf niedersächsischer Seite wird immerhin noch geplant. Das kann für die „Querspange“ B190n derzeit nicht konstatiert werden. Über die Jahre scheint das Versprechen in Vergessenheit geraten zu sein. 2016 dann eine bayrische Watsche aus dem Bundesverkehrsministerium, damals in CSU-Hand. Unter Alexander Dobrindt verschwand die B190n im „erweiterten Bedarf“ des Bundesverkehrswegeplans. Mit etwas Druck aus der Landes- und Kommunalpolitik bekam das Verbindungsstück im Plan immerhin ein Sternchen, also dennoch das Recht zur Planung. Passiert ist augenscheinlich nichts.

Für Altmarkkreis-Landrat Michael Ziche ist der Bau der B190n eine „Frage der politischen Wahrheit“. Auf Anfrage der Volksstimme bekräftigt Ziche den Anspruch: „Sie muss kommen.“ Für den Landrat ist die Verschiebung des Vorhabens in den erweiterten Bedarf immer noch „ein Skandal“. Und der CDU-Politiker gibt bei dem Projekt nicht auf, bringt einen neuen Aspekt ins Spiel.

Bahnübergang als Türöffner?

„Ein Anfasser könnte der Bahnübergang sein“, blickt Ziche auf den Salzwedeler Ortsteil Pretzier, in dem aufgrund des zweispurigen Ausbaus der Bahnstrecke ein teures Brücken- oder Tunnelbauwerk notwendig wird. „Das ließe sich mit der Ortsumfahrung (Teil der geplanten B190n, Anm. d. Redaktion) realisieren“, meint Ziche. Vor wenigen Wochen noch habe er den Ministerpräsidenten zu dem Thema angeschrieben, berichtete der Landrat.

Unterstützung bekam Ziche unlängst von Parteifreund Eckhard Gnodtke. Der altmärkische CDU-Bundestagsabgeordnete sprach Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) beim A14-Baustart (16. Oktober) am Abschnitt Seehausen-Wittenberge direkt auf die B190n an. Auch im Verkehrsausschuss will Gnodtke dafür werben - auch wenn die A39 auf der Gegenseite noch nicht soweit wie die A14 ist.

Bei A39 nur in der Beobachterposition

Was auf niedersächsischer Seite passiert, kann Landrat Michael Ziche nur aus der Beobachterposition verfolgen, wie er im Gespräch mit der Volksstimme berichtete. „Ich habe da wenig Informationen“, sagte Ziche. Meist bekomme er Infos aus Gesprächen mit den Landräten der Kreise Uelzen und Gifhorn. Häufiger würde dagegen die IHK Lüneburg-Wolfsburg zum Stand der A39-Planungen berichten.

Somit scheint bereits klar zu sein, dass die A14 früher durchgängig befahrbar sein wird als ihr westliches Gegenstück. Damit bleibt es dabei: Dährer, Diesdorfer oder Rohrberger - nur beispielhaft genannt - müssen weiter lange Fahrtzeiten zu einer Autobahnauffahrt in Kauf nehmen.