Pretzier l Rund 234 Züge pro Tag auf der Bahnstrecke zwischen Stendal und Uelzen, verbunden mit Schrankenschließzeiten von bis zu 30 Minuten pro Stunde – diese Horrorvision ist für Pretzier vom Tisch. Die Deutsche Bahn bereitet die Planung einer Über- oder Unterführung auf der jetzigen Trasse der B190 im Ort vor.

Inzwischen werden auch die Betroffenen in Pretzier einbezogen und der Ortschaftsrat zu seinen Vorstellungen angehört. Und die sind ganz klar, wie am Dienstagabend deutlich wurde. „Am besten wäre eine Unterführung“, sagte Ortsbürgermeister Herbert Schulze. Er erhielt große Zustimmung von seinen Mitstreitern und anwesenden Einwohnern. Allerdings gibt es einen Knackpunkt, der mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Rolle spielen wird. Eine Brücke würde etwa 4,3 Millionen Euro kosten, ein Tunnel 11,8 Millionen Euro. Dass überhaupt ein niveaufreier Bahnübergang angestrebt wird, habe mit den Hilfsfristen von Rettungsdiensten und Feuerwehr zu tun, die bei der hohen Anzahl von Zügen nicht mehr einzuhalten wären, erklärte Schulze.

Schwierigkeiten mit der Anfahrt zu Firmen

Nach derzeitigen Informationen soll von 2025 bis 2028 gebaut werden. Dann soll auch der zweigleisige Ausbau der Bahnstrecke, die im Volksmund Amerikalinie genannt wird, abgeschlossen sein. Diesen Termin der Inbetriebnahme hatte der Projektleiter Andreas Hartwig von der Deutsche Bahn Netz AG in einer Info-Veranstaltung genannt und den langen Zeitraum mit umfangreichen Planungen, Verfahren und Ausschreibungsfristen begründet.

Auch Vertreter der ansässigen Firmen haben bereits erste Gespräche mit einem Planer geführt und die Auswirkungen des jeweiligen Bauwerkes auf ihre Betriebe dargestellt, wie Frank Pieper von der Agrarerzeugergemeinschaft Pretzier erzählte. Dabei sei klar geworden, dass eine Brücke zu erheblichen Schwierigkeiten bei der Anfahrt auf die Firmengelände unmittelbar neben der Bahnstrecke führen würde. Das Gleiche gelte, für die Tankstelle gegenüber. Deshalb gab es auch von dieser Seite eine klare Aussage pro Tunnel. Zumal eine Überführung ziemlich hoch werden müsste, um die Oberleitungen der Bahnstrecke zu überqueren, schätzte Pieper ein. Einen höheren Flächenbedarf für die sogenannte Anrampung einer Überführung räumte auch die Pressesprecherin der Deutschen Bahn, Erika Poschke-Frost, auf Anfrage der Volksstimme ein.

Der Vorschlag, die geplante B190n, die eine Ortsumfahrung und eine Überquerung der Bahnstrecke außerhalb des Ortes vorsieht, für Pretzier vorzuziehen, sei verworfen worden. Die als Verbindung zwischen den Autobahnen 39 und 14 vorgesehen Straße, werde vor 2035 nicht gebaut, hat der Ortsbürgermeister erfahren

Ob Über- oder Unterführung, die Nachricht, dass die Schranken im Ort nach der Fertigstellung der Amerikalinie und dem gestiegenen Zugverkehr nicht „fast rund um die Uhr“ geschlossen sein werden, trage erheblich zur Lebensqualität bei. Immer passieren rund 6000 Fahrzeuge täglich die B 190 im Dorf und den Bahnübergang. Nicht alle Fahrer benehmen sich, wie Walter Theuerkauf dessen Haus nicht weit vom Bahnübergang steht, immer wieder erfahren muss und sich über weggeworfenen Müll und Zigarettenkippen ärgert. Auch er hofft sehr auf einen Tunnel. „Sonst habe ich einen zwei Meter hohen Wall vor meiner Tür“, vermutet er.

Lärmschutz ist Einwohnern wichtig

Ein weiteres Thema, das die Pretzierer bewegt, ist der Schallschutz, der entlang der Bahnstrecke errichtet werden soll. Sie bauen darauf, dass die von der Bahn gegebenen Versprechen, eingehalten werden.