Dähre l „Wir sind mit der Lehrerversorgung im Land insgesamt nicht zufrieden“: Das sagte Jürgen Krampe, Referatsleiter für Unterrichtsversorgung/Statistik im Landesschulamt Sachsen-Anhalt, in der Aula der Sekundarschule Dähre. Dort tagte der Kreis-Bildungsausschuss. Schulleiter und Interessenten hörten aufmerksam zu.

Sorgenkinder sind die Sekundarschulen

Der Gast hatte Zahlen vom Stichtag 25. September 2019 mitgebracht. Im Altmarkkreis Salzwedel habe die Unterrichtsversorgung über alle Schulformen hinweg bei 93,3 Prozent gelegen, „schlechter als im Landesdurchschnitt“. Das bedeute, dass 47 Lehrkräfte fehlen. Das Sorgenkind seien die Sekundar- und Gemeinschaftsschulen. Ein besonders dramatischer Wert sei in der Sekundarschule Dähre mit 70 Prozent erreicht worden. „Wir können da aber wenig mit Abordnungen und Versetzungen machen. Es gibt Not in allen Schulen. Das Personal ist nicht hin- und herschiebbar“, machte der Referatsleiter deutlich.

Habe es zum Stichtag im September des Vorjahres 626 Lehrkräfte im Kreis gegeben, so seien es per 13. Januar aktuell 632 gewesen. Die reale Zahl sei das eine, die Realität eine andere. Denn im September seien 32 Lehrer entweder mehr als sechs Wochen krankgeschrieben oder im Mutterschutz/Elternzeit gewesen. Die Stellen seien aber besetzt. Es würden zwar befristete Verträge bis zur Rückkehr ausgeschrieben, „doch das ist sehr wenig erfolgreich und schwierig“, berichtete Jürgen Krampe.

Zu wenig Bewerbungen

Im Altmarkkreis würden die Schülerzahlen bis Mitte der 2020er Jahre weiter wachsen, hat er beobachtet. Die Zahl der Grundschüler sowie der Sekundar- und Gemeinschaftsschüler würde steigen, die Zahl der Gymnasiasten leicht sinken. „Das ist für den Landkreis ein schönes Ergebnis, bringt aber weitere Probleme mit der Lehrerversorgung“, sagte er. Das Sinken des Personals aus Altersgründen sei programmiert. Im Jahr 2018 seien 35, im Vorjahr 37 Pädagogen aus dem Schuldienst ausgeschieden. Genau planen ließe sich das nicht: Denn das Nutzen der Rente mit 63, die viele bevorzugen, müsse nur ein halbes Jahr vorher angezeigt werden. Es gelinge nicht, die Altersabgänge durch Neueinstellungen auszugleichen. Das liege nicht am Geld, sondern an geeignetem Personal. Für 850 landesweit ausgeschriebene Stellen habe es nur knapp 700 Bewerbungen gegeben. Er begrüßte jede Initiative vor Ort, wie beispielsweise die Idee „GardeLehrer“. Für weitere Gedanken sei das Landesschulamt offen.

Landrat Michael Ziche kritisierte, dass die Lehrerstudenten in Magdeburg und Halle zu zwei Dritteln aus anderen Bundesländern kommen. Diese würden oft zurückgehen. „Wir brauchen Platz für unsere Landeskinder“, forderte er ein. Das Modell GardeLehrer funktioniere nur, wenn man zufällig Abiturienten habe, die diesen Weg auch einschlagen wollen.

Schneller reagieren

Heike Herrmann, Leiterin der Lessing-Ganztags- und Gemeinschaftsschule Salzwedel, berichtete, dass die sechsten bis neunten Klassen eigentlich dreizügig unterrichtet werden müssten, aber aus Personalgründen auf zwei Parallelklassen ausgewichen werde. Das spare sechs Vollzeit-Lehrkräfte ein. Sie forderte, dass bei kurzfristiger Krankheit rascher reagiert werden könne. Dafür würde sich ein Budget anbieten. Das sei jedoch problematisch, entgegnete Jürgen Krampe.

Angelika Scholz, Vorsitzende des Bildungsausschusses, regte an, einen Maßnahmenkatalog vorzubereiten. „Ideen haben wir viele“, deutete sie an.