Salzwedel l „Die Frage ist nicht, ob die Afrikanische Schweinepest (ASP) unseren Landkreis erreicht, sondern wann“, macht Landrat Michael Ziche den Ernst der Lage deutlich. Deshalb sucht der Altmarkkreis sein Heil in der Offensive oder besser Prävention. In einer groß angelegten Schulung in der Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) in Salzwedel mit rund 140 Personen aus diversen Bereichen wurde am 27. Oktober das Wissen rund um ASP vermittelt. Und dies wird nicht das letzte Mal bleiben, versichert der Landrat.

Bestand steigt

Bulgarien, Polen, Rumänien, das sind derzeit die europäischen Hotspots der weltweit verbreiteten Afrikanischen Schweinepest, erklärt der Tierarzt Ramon Rulff den Anwesenden und zeigte Kartenmaterial zur Verbreitung. In Brandenburg ist die Seuche im September angekommen. 91 bestätigte ASP-Fälle sind in dem Bundesland bereits registriert. Und gerade für den Osten der Republik kann es knüppeldick kommen. „Dort ist eine der stärksten Schwarzwildpopulationen“, so Rulff. Ein Blick ins Zahlenwerk untermauert dies. Denn sind im Jagdjahr 1998/1999 noch 1708 Tiere in der Schwarzwildstrecke verzeichnet, finden sich dort 2019/2020 4631 Wildschweine im Altmarkkreis. „Und das liegt nicht daran, dass mehr geschossen wird“, erläutert der Mitarbeiter des Veterinäramtes. Der Bestand steige schlichtweg. Vor dem Hintergrund hatte der Landkreis bereits Anfang Oktober die Jäger dazu aufgerufen, verstärkt auf Wildschweinjagd zu gehen. Dieser Aufruf hat weiterhin Bestand.

Sollte es zu einem Ausbruch in Sachsen-Anhalt kommen, steht ein Notfallplan bereit, erklärt Kreisordnungsamtsleiter Hans Thiele. Das Landeskrisenzentrum, angesiedelt im Landwirtschaftsministerium, übernimmt die politisch administrative Führung bei der Tierseuchenbekämpfung. Dem unterstehen die Landesverwaltungsämter als regionale Krisenzentren und kooperieren mit den lokalen Krisenzentren in den Kreisen. Der Altmarkkreis wiederum steht dazu im engen Austausch mit externen Sachverständigen. Sprich Bauernverband, Kreisjägermeister, Jagdbeirat, Schweinehalter und Mitarbeiter der Forst.

Bilder

Finden, bergen und absperren

Unterm Strich hat der Altmarkkreis ein Handout für alle Betroffenen zur Vorgehensweise erstellt. Allen voran die Fallwildsuche. Zu diesem Zweck wurden auf dem Gelände der FTZ zwei Schwarzkittel in einem nahen Waldstück abgelegt. Fortan gilt es, systematisch zu suchen. Optimal dafür sind demnach 10 bis 15 Personen. Die Leitung hat der Revierleiter oder der örtliche Jäger inne. Mit GPS-Daten wird der Fund geografisch geortet und abgesperrt. GPS-Gerät, Kartenmaterial, Markierungsspray und Absperrband stellt der Altmarkkreis.

Die Fallwildbergung bildet den zweiten Schritt. Sven Meier und Martin Schindler vom Veterinäramt demonstrierten dies. Denn die größte Gefahr der Weiterverbreitung geht vom Blut verendeter Tiere beziehungsweise ihren Überresten aus, mit denen weitere Wildschweine in Kontakt kommen können. Deshalb muss der Kadavar schnell und rückstandslos entfernt werden. Dazu gehört die Desinfektion der Fundstelle. Alles in entsprechender Schutzausrüstung. Diese hat der Landkreis liegen, inklusive Bergekoffer und Bergewanne.

Wildschutzzaun

Ist das Tier weg, muss der Raum abgezäunt werden, erläutert der Kreisordnungsamtsleiter weiter. Dazu hat sich der Kreis einen 25 Kilometer langen elektrischen Wildschutzzaun zugelegt. Die Straßenmeisterei probte vor Ort das schnelle Aufstellen des Zaunes. Zudem steht ein 15 Kilometer langer massiver Wildschutzzaun bereit. Auch der wurde vor Ort zügig errichtet.

Weiterhin wurden in der FTZ die Dekontamination von Menschen und Arbeitsgeräten sowie die Ausübung der jagdlichen Tätigkeiten geprobt. Inklusive das Nehmen von Proben.

„Ich finde es gut, dass so viele Personen aus den Behörden und Einrichtungen hier zusammen gekommen sind“, sagte Dr. Andreas Tyrpe aus dem Landes-Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie. Er ist zuständig für das Veterinärwesen, Tierseuchen, Tierarznei- und Futtermittel im Land und zeigte sich mit der Großübung in Salzwedel zufrieden.