Salzwedel l Die Zahlen sprechen für sich. Der Altmarkkreis hat in Sachsen-Anhalt mit 10,6 Prozent eine der geringsten SGB II (Hartz IV)-QuotenErneut waren weniger Westaltmärker auf diese Leistungen angewiesen. 2017 hat das Jobcenter des Altmarkkreises durchschnittlich 5174 so genannte erwerbsfähige Leistungsberechtigte betreut, knapp 200 weniger als im Vorjahr. Bei den Bedarfsgemeinschaften – Personen, die in einem Haushalt zusammenleben – ist das Bild ähnlich. Ihre Zahl sank um 123 auf 4090, was bedeutet, dass insgesamt 7154 Männer, Frauen und Kinder im Altmarkkreis Hartz IV-Leistungen bezogen haben. Im Vergleich zu 2012 ist in beiden Bereichen ein Rückgang von mehr als 20 Prozent zu verzeichnen. Insgesamt gibt es aktuell ein hohes Beschäftigungsniveau, insbesondere bei Frauen und Älteren mit einer Quote deutlich über dem Bundesschnitt, wie Arnold Schulze, Leiter des Jobcenters, deutlich macht.

Trotzdem ist die Situation nicht rosarot zu sehen. Die Integration der Arbeitslosen, die das Jobcenter betreut, in den ersten Arbeitsmarkt werde zunehmend schwieriger. Zum einen gebe es eine begrenzte Aufnahmefähigkeit des Arbeitsmarktes für SGB II-Kunden. Zum anderen würden viele „arbeitsmarktferne Leistungsberechtigte“ betreut. Also Personen, die mit verschiedensten Maßnahmen für einen Job fit gemacht werden müssen. Da das sehr individuell erfolge, sei es mit einem hohen Aufwand verbunden, erklärt Schulze.

Weniger Geld

Weil das Jobcenter insgesamt weniger Leute betreut, bekommt es weniger Geld vom Bund. Und werde „für seine hohen Integrationsquoten bestraft“, wie der Jobcenterchef erklärt und ergänzt: „Die Arbeit mit dem einzelnen Arbeitslosen ist viel intensiver geworden.“ Von den 1200 im vergangenen Jahr in ein Beschäftigungsverhältnis vermittelten Männern und Frauen haben 65 Prozent ihren Arbeitsplatz längerfristig behalten. 420 hatten einen Mini-Job.

Und noch eine Zahl im Jahresbericht lässt aufhorchen: Rund 28 Prozent der Jobcenterkunden gehen bereits einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. Das bedeutet, sie sind Ergänzer, wie jene 1467 Arbeitnehmer genannt werden, die trotz Jobs Hartz IV-Leistungen erhalten.

Verlust von Arbeitsplätzen

Für die Zukunft sieht Schulze eine begrenzte Ausweitung von sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung, weil keine bedeutenden Neuansiedlungen zu erwarten seien. Stattdessen steht mit dem Aus für die Kerzenfabrik Salzwedel ein weiterer Verlust von Arbeitsplätzen bevor. Zudem habe der durchschnittliche Bruttolohn in der Region ein geringes Niveau.