Arendsee l „Die letzten Aktivitäten im Arendsee konzentrierten sich auf den Mythos beziehungsweise die Frage, ob sich im See einst eine fränkische Warte beziehungsweise eine ähnliche Anlage befunden habe“, äußert sich Dr. Sven Thomas vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt zu den aktuellen Erkenntnissen. Es wurden dabei vorhandene Ergebnisse früherer Untersuchungen genutzt. Der Unterwasser-Archäologe betonte auf Nachfrage: Einen sicheren wissenschaftlichen Beweis gebe es bislang nicht. Aber: Das Amt hat gemeinsam mit seinen Partnern von Atlas Elektronik, Kraken Robotik (beide Bremen) und dem Frauenhofer IOSB-AST (Ilmenau) Hinweise gefunden. Es könnte also früher solch einen Beobachtungsposten auf der heutigen Seefläche gegeben haben.

Diese sah nicht immer so aus, mehrere Einbrüche sorgten für Veränderungen. Einst gab es drei Inseln im See. Die Frage, ob sich auf einer von ihnen ein Bauwerk befand, beschäftigt die Experten weiter.

Steinstruktur ist knapp 14 Meter lang

Der Seeboden wurde im vergangenen Jahr mehrfach mit dem Tauchroboter Sea Cat untersucht. Bahn für Bahn galt es zu scannen. Dabei gab es wie gewohnt Unterstützung vom örtlichen Arendseer Tauchclub. Die Aufnahmen zeigen die vorhandene Struktur und stoßen bei Archäologen, die sie im Landesamt ausgewertet haben, auf Interesse. Den vorhandenen Hinweisen wird nachgegangen.

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„Zu diesen Funden gehören zum Beispiel eine geschichtete Steinformation (mögliche Mauerreste), die im Kontext früherer Keramikfunde auf einem versunkenen Hochplateau im See gefunden wurden“, so Sven Thomas. Die Steinstruktur hat eine Länge von 13,80 Meter und eine Breite von 1,8 Meter. Ein weiteres im rechten Winkel abgehendes Teilstück ist 3,20 Meter lang. Die Steine ragen freistehend aus dem sandigen Boden auf. Knapp 19 Meter davon entfernt liegt eine ähnliche Gesteinslage. Sie ist einige Zentimeter über dem Sediment zu sehen. Archäologen wollen diesen Bereich noch genauer untersuchen.

Längere Mission unter Wasser

Dies gilt zudem für untergegangene Boote. Sechs davon sind bekannt, sie alle stammen wohl aus der Neuzeit (ab dem Jahr 1500). Die Forschungsarbeit wird fortgesetzt. „Im Sommer 2021 ist in Kooperation mit dem Frauenhofer IOSB-AST eine längere Mission unter Einsatz von Tauchern und ferngesteuerten Tauchrobotern geplant. Dabei wird es um die Untersuchung einer nahezu kreisrunden Anhöhe im See gehen“, blickt Sven Thomas auf die nächsten Monate.

Dieser Bereich wurde bislang noch nicht näher betrachtet. Die Anhöhe steht nach jetzigem Kenntnisstand nicht m Zusammenhang mit anderen Funden. Die Volksstimme wollte es genau wissen und fragte nach, um was es sich konkret handeln könnte. „Haben Sie bitte Verständnis, wenn ich noch nicht spekulieren möchte. Wir haben zwar detaillierte Sonaraufnahmen, auffällige Formen und anthropogene Objekte, aber wie und ob sich das zu einem Gesamtbild zusammenfügt, ist im Moment völlig offen und kann erst nach der nächsten Mission bewerten werden“, antwortete der Archäologe.

Während der Mission im kommenden Sommer geht es auch um die untergegangenen Boote. Diese bleiben aber dort liegen wo sie sich befinden. „Sie sind im sauerstoffarmen Tiefenwasser des Sees bestens aufgehoben“, erklärt Sven Thomas. Es gilt aber in diesem Jahr einige Beifunde, die mit versunken sind, nach oben zu holen. Anhand dieser soll das Alter der Boote genauer bestimmt und gegebenenfalls das Schicksal der Besatzungen nachvollzogen werden.